Der Prozess des Alterns vollzieht sich allmäh­lich und ganz von selbst. In Kindheit, Pubertät und frühem Erwachsenenalter reift der Körper, in mittleren Jahren und im Alter bauen dann viele Körperfunktionen ab. Das Altern ist ein kontinuierlicher Vorgang, der schon bei der Ge­burt beginnt, und über alle Lebensabschnitte hinweg andauert. Damit verbunden sind so­wohl der positive Aspekt einer Entwicklung als auch der negative eines Abbaus.

Es gibt kein bestimmtes Lebensalter, ab dem jemand zu einem »älteren« Menschen wird. Ge­wöhnlich spricht man ab dem 65. Lebensjahr da­von, weil viele Menschen in diesem Alter meist in den Ruhestand gehen.

Der Alterungsprozess (die Seneszenz) umfasst zahlreiche Veränderungen, die aufgrund von biologischen und psychologischen Faktoren, Umwelteinflüssen und Lebensstil auftreten. Oft lassen sich die rein biologischen und daher kaum zu vermeidenden Aspekte der Seneszenz nur schwer von nichtbiologischen und damit ver­meidbaren Aspekten trennen.

Die meisten Menschen entwickeln mit zu­nehmendem Alter Krankheiten und Beeinträch­tigungen. Allerdings altern Menschen auch in dieser Beziehung auf sehr unterschiedliche Wei­se. Bei weitem nicht für alle Menschen bedeu­tet alt zu werden, krank, schwach und gebrech­lich zu sein. Manche Menschen können bis zu ihrem Tod aktiv und gesund bleiben. Sie sterben an so genannter Altersschwäche.

Krankheit und Alter

Mit zunehmendem Alter bauen viele Körper­funktionen ab. Bleibt dieser Abbau im Rahmen des normalen Alterns, wird er nicht als Krank­heit angesehen, allerdings ist die Abgrenzung nicht immer eindeutig.

Im Alter steigt nach einer kohlenhydratrei­chen Mahlzeit der Blutzuckerspiegel stärker als bei jungen Menschen; der enorme Anstieg bei Diabetes gilt jedoch nicht als normale Alterser­scheinung . Nachlassende geistige Fähigkei­ten, wie größere Schwierigkeiten beim Erlernen einer neuen Sprache und zunehmende Vergess­lichkeit, treten mit fortgeschrittenem Alter fast immer auf und werden als normale Alterser­scheinung gewertet; der schwere geistige Abbau bei Demenz mit erheblichem Verlust des Kurz-

KAPITEL 3

Alterserscheinungen

zeitgedächtnisses, der Lernfähigkeit und des Verständnisses für die Umwelt gilt hingegen als Krankheit . Die Alzheimer-Demenz ist kein normaler Vorgang und unterscheidet sich vom normalen Altern, wie Untersuchungen des Hirn­gewebes nach dem Tod belegen.

Lebenserwartung

Die durchschnittliche Lebenserwartung der Deutschen ist im letzten Jahrhundert erheblich gestiegen. Ein 1900 geborener Junge musste da­mit rechnen, nicht älter als 45 Jahre zu werden, ein Mädchen 48 Jahre. Ein heute geborener Jun­ge kann davon ausgehen, mindestens 74 Jahre, ein Mädchen sogar gut 80 Jahre alt zu werden. Diese Zunahme lässt sich zu einem großen Teil auf den Rückgang der Kindersterblichkeit zu­rückführen, aber auch nach dem 40. Lebensjahr ist ein erheblicher Anstieg der Lebenserwartung zu verzeichnen. Beispielsweise kann ein 70-jäh­riger Mann heute damit rechnen, 83 Jahre alt zu werden, und eine 70-jährige Frau 85 Jahre.

Obwohl die durchschnittliche Lebenserwar­tung so gestiegen ist, hat sich die maximale Le­bensspanne – also das höchste Alter, das Men­schen erreichen können – kaum geändert. Länger als 125 Jahre scheinen Menschen kaum leben zu können. Zurzeit liegt die Wahrschein­lichkeit, 120 Jahre alt zu werden, bei eins zu zwei Milliarden.

Mehrere Faktoren beeinflussen, wie alt jemand wird. Ein Faktor sind die Erbanlagen, von denen es hauptsächlich abhängt, ob jemand eine chro­nische Krankheit entwickelt. Hat jemand z. B. die Anlage zu erhöhten Cholesterinspiegeln ge­erbt, verkürzt das meist das Leben, während genetische Anlagen, die vor Herzerkrankungen oder Krebs schützen, zumindest zu einem länge­ren Leben beitragen können. Ein weiterer ent­scheidender Faktor sind die Lebensgewohnhei­ten. Wer nicht raucht, keine Drogen nimmt, wenig Alkohol trinkt, sich ausgewogen ernährt, nicht zu viel oder zu wenig wiegt und für aus­reichend Bewegung sorgt, trägt zu einem guten Gesundheitszustand bei. Selbst bei noch so gu­ten Erbanlagen können Umweltgifte die Le­benserwartung senken. Eine gute medizinische

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