Rehabilitationsmaßnahmen können nach schwe­ren Verletzungen, oft infolge von Unfällen, nach einem Schlaganfall, einer schweren Infektion, einem Tumor, einer Operation und bei fort­schreitenden Erkrankungen erforderlich sein. Bei chronisch obstruktiven Lungenkrankheiten ist oft ein spezielles Rehabilitationsprogramm für die Atemwege sinnvoll . Auch wenn je­mand nach langer Bettruhe, z. B. wegen eines Herzinfarkts oder einer Operation, körperlich sehr geschwächt ist, helfen Rehabilitationsmaß­nahmen. Physiotherapie (Krankengymnastik), Ergotherapie und die Behandlung von Schmer­zen und Entzündungen sind Schwerpunkte der Rehabilitation.

Eine Rehabilitationsmaßnahme kann in je­dem Lebensalter erforderlich werden, allerdings unterscheiden sich Art, Umfang und Ziele. Men­schen mit chronischen Beeinträchtigungen, oft handelt es sich um ältere Menschen, haben an­dere Ziele, brauchen weniger intensive Reha­bilitationsmaßnahmen oder eine längere Zeit sowie andere Therapieformen als jüngere Men­schen. So hat z. B. ein älterer Mensch mit schwe­rer Herzinsuffizienz, der einen Schlaganfall erlitten hat, vielleicht das Ziel, möglichst vie­le Fähigkeiten wiederzuerlangen, die ihm ein selbstständiges Leben ermöglichen (essen, an­kleiden, baden, vom Bett in den Stuhl gelangen, Toilettengänge, Blasen- und Darmkontrolle). Das Ziel eines jüngeren Menschen, der einen Herzinfarkt oder einen Autounfall hatte, ist da­gegen oft die vollständige uneingeschränkte Wie­derherstellung aller Körperfunktionen. Trotz­dem ist das Alter allein kein Grund, Ziele oder Intensität der Rehabilitation zu ändern, Krank­heiten und andere Einschränkungen können je­doch begrenzend wirken.

Eine intensive Rehabilitation besteht aus mehreren Bestandteilen, wie Physiotherapie, Ergotherapie, Sprachtherapie, die meist als Ein­zeltherapien über Wochen fortlaufen, bis sie eine Wirkung zeigen. Manchmal müssen zunächst dringendere gesundheitliche Probleme behan­delt werden, bevor eine Rehabilitation eingelei­tet werden kann.

Rehabilitationsmaßnahmen müssen von ei­nem Arzt verordnet und von der Krankenkasse genehmigt werden. Die Verordnung enthält An­gaben über die Art der Krankheit oder Verlet-

KAPITEL 7

Rehabilitation

zung und die Ziele der Rehabilitation sowie eine Begründung für die Rehabilitationsbedürf­tigkeit. Außerdem schlägt der Arzt die Maßnah­men vor, z. B. Gehtraining oder Anleitung zu Verrichtungen des täglichen Lebens.

Wo die Rehabilitationsmaßnahmen stattfin­den, hängt unter anderem vom Zustand des Pa­tienten ab. Bei schweren Beeinträchtigungen ist u. U. ein stationärer Aufenthalt in einer Reha­klinik erforderlich, wo die Pflege gewährleistet ist. In diesen Zentren betreut ein Team von Fachleuten den Patienten. Neben Ärzten und Therapeuten gehören dazu Krankenschwestern, Psychologen und Sozialarbeiter. Auch die An­gehörigen werden einbezogen.

Für jedes einzelne Problem des Patienten, z. B. eingeschränkter Bewegungsradius, Gang­störung, Unfähigkeit, ein Schraubglas zu öffnen oder selbstständig zu essen, legen das Rehabili­tationsteam und die Therapeuten ein kurzfris­tiges Ziel fest. Der Patient wird ermutigt und dabei unterstützt, jedes dieser Ziele zu errei­chen. Die Ziele werden im Lauf der Therapie der Situation des Patienten angepasst. Wenn zu Beginn ein langfristiges Gesamtziel vereinbart wird, weiß der Patient besser, was er von der Rehabilitation erwarten kann und wo er voraus­sichtlich in einigen Monaten stehen wird.

Benötigt der Patient nicht so viel Hilfestel­lung und Pflege, kann er z. B. selbstständig vom Bett in einen Stuhl gelangen und zur Toilette gehen, lassen sich die Rehabilitationsmaßnah­men oft ambulant durchführen. Dazu geht der Patient entweder in die Praxis des Therapeu­ten, oder der Therapeut macht Hausbesuche. In diesem Fall müssen allerdings Angehörige be­reit sein, bei der Rehabilitation mitzuarbeiten. Eine Rehabilitation im häuslichen Umfeld ist sehr wünschenswert, kann aber für alle Beteilig­ten körperlich und psychisch belastend sein. Un­ter Umständen ist eine zusätzliche Unterstüt­zung durch ambulante Pflegedienste möglich.

Unabhängig von der Schwere der Beeinträch­tigung oder den Fähigkeiten des Therapeuten­teams hängt das Ergebnis des Rehabilitations­prozesses letztendlich von der Motivation des Betroffenen ab.

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