Kapitel 8STERBEN UND TOD41

die Koordination oder den Umgang mit Besteck beim Essen zu verbessern. Ein Memory-Spiel kann Erkennen und Gedächtnis schulen. Anpas­sungstechniken können dem Betroffenen helfen, Funktionsstörungen auszugleichen (bei einer Armlähmung kann man z. B. neue Möglichkei­ten erlernen, sich anzukleiden, Schuhe zu binden und Knöpfe zu schließen). Mit sich verbessern­der Leistungsfähigkeit wird der Schwierigkeits­grad erhöht.

Ergotherapeuten wissen außerdem, mit wel­chen Hilfsmitteln Menschen mit Funktionsein­schränkungen selbstständiger werden können. Beispielsweise kann eine Schiene Fehlbildun­gen verhindern oder die Funktion verbessern, z. B. den Druck, der zum Festhalten eines Werk­zeugs nötig ist. Weit verbreitete Hilfsmittel sind Stöcke, Haltegriffe neben Badewanne und Toilette, Duschsitze, geformte Griffe an Besteck oder Schuhlöffeln und Greifhilfen, mit denen

Noch vor einem Jahrhundert starben Menschen mit einer schweren Verletzung oder Infektion in der Regel recht bald. Auch wer eine Herz­krankheit oder Krebserkrankung hatte, lebte nach der Diagnose meist nicht mehr lange. Von den Ärzten erwarteten die meisten Menschen kaum mehr als ein wenig Linderung.

Heute gilt der Tod oft weniger als ein Teil des Lebens, sondern vielmehr als ein Ereignis, das auf unbestimmte Zeit hinausgezögert werden soll. Menschen mit Erkrankungen wie Krebs, Herzkrankheiten, Schlaganfall, chronisch ob­struktiven Atemwegerkrankungen, Lungenent­zündung und Demenz können infolge der mo­dernen medizinischen Verfahren häufig viele Jahre recht gut leben. Bei anderen lässt sich das Leben zwar verlängern, aber die Lebensqualität und die Körperfunktionen lassen nach.

Über den voraussichtlichen Verlauf einer Krankheit, einschließlich Sterben und Tod, zu reden, ist ein wichtiger Bestandteil der medi­zinischen Versorgung. Ärzte und Patienten ver­wenden dabei oft unterschiedliche Begriffe und fühlen sich bei solchen Gesprächen nicht im-

Sterben und Tod

man Dinge vom Fußboden aufheben oder aus dem Regal nehmen kann. Werkzeuge mit ge­formten Griffen oder mit Federzug oder elek­tronischer Kontrolle gleichen eine verminderte Beweglichkeit der Hand aus. Erhöhte Toiletten­sitze und Stuhlbeinverlängerungen helfen bei Rücken- oder Beinproblemen. Für Menschen mit Lähmung aller Gliedmaßen (Tetraplegie) oder anderen schweren Funktionsstörungen sind durchdachte computergesteuerte Geräte entwi­ckelt worden.

Andere Gerätschaften helfen Menschen mit Seh-, Hör- und Gedächtnisschäden. Das Telefon kann mit größeren Ziffern ausgestattet werden, das Telefonklingeln durch ein Blinklicht er­setzt werden. Gedächtnishilfen sind Telefone mit Wahlautomatik, Medikamentendosierer mit Zeituhr und kleine Geräte, auf denen man Mit­teilungen (z. B. Anweisungen, Listen) aufzeich­nen und zur richtigen Zeit abspielen kann.

KAPITEL 8

mer wohl. Grundsätzlich sollten Menschen je­doch versuchen zu verstehen, wie es um sie und ihre Zukunft steht und Wünsche bezüglich der Behandlung und der Unterstützung durch An­gehörige äußern . Wer mit seinem Arzt nicht über Tod und Sterben reden möchte, sollte wis­sen, dass dann wichtige Entscheidungen mögli­cherweise ohne sein Zutun getroffen werden.

Zeitlicher Verlauf des Sterbens

Viele Menschen glauben, dass die Ärzte wissen, wie lange jemand noch leben wird, dass sie ihnen diese Information aber vorenthalten. Niemand kann jedoch wissen, wie lange ein kranker Mensch noch zu leben hat. Den Angehörigen sei geraten, nicht auf exakten Vorhersagen zu bestehen oder sich auf diese zu verlassen, wenn sie denn gemacht werden. Manchmal leben Schwerkranke noch Monate oder Jahre, weit län-

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