Der Begriff Arzneipflanzen bezieht sich gewöhn­lich auf Pflanzenteile, die zermahlen, extra­hiert oder auf andere Weise zubereitet und aus gesundheitlichen Gründen verwendet werden. Als Nahrungsergänzungsmittel sind nach dem Gesetz Produkte definiert, die grundsätzlich Lebensmittel sind und die die normale Ernäh­rung ergänzen sollen.

Alle Regionen der Welt kennen eine traditionel­le Medizin, die seit Jahrtausenden praktiziert wird. Bestimmte alte Schulen wie die traditio­nelle chinesische Medizin (TCM), die indische Heilkunst des Ayurveda und die Tibetische Me­dizin sind noch immer sehr verbreitet. Seit eini­gen Jahren wächst nun auch in Europa das Inte­resse an diesen Therapiesystemen, besonders zur Behandlung chronischer Erkrankungen. Sie werden im Rahmen der Alternativ- oder Kom­plementärmedizin eingesetzt . Sie sind mehr­heitlich nicht nach den in der westlichen Welt üblichen Standards wissenschaftlich erforscht. Ihre Produkte sind in Deutschland nicht als Arz­neimittel zugelassen. Teilweise werden sie aber als Nahrungsergänzungsmittel angeboten und aus dem Ausland importiert.

Viele Arzneipflanzen, die aus der traditionel­len europäischen Medizin stammen, werden hierzulande als so genannte Phytopharmaka in Fertigprodukten angeboten. Hierbei handelt es sich um Arzneimittel, die nach den Richtlinien des Arzneimittelgesetzes zugelassen sind. Hin­sichtlich des Wirksamkeitsnachweises gelten für sie allerdings im Vergleich zu synthetischen Arzneimitteln erleichterte Bedingungen.

Die getrockneten Pflanzen sind darüber hi­naus in Apotheken und Drogerien erhältlich. Aus ihnen wird, wie in früherer Zeit, Tee auf­gegossen und getrunken, Aufgüsse von ihnen werden für Inhalationen und als Badezusatz verwendet. Alkoholische Pflanzenauszüge, wie z.B. Baldriantinktur, werden als Tropfen ein­genommen oder, wie Arnikatinktur, für Um­schläge verwendet.

Was Nahrungsergänzungsmittel sind, ist im Rahmen der EU seit Mitte 2002 und seit Anfang 2004 auch in Deutschland geregelt. Dabei han­delt es sich um Produkte, die grundsätzlich als

ergänzungsmittel

KAPITEL 19

Pflanzenmedizin und Nahrungs-

Lebensmittel anzusehen sind, und die dazu ge­dacht sind, die übliche Nahrung zu ergänzen. Sie enthalten vornehmlich Vitamine, Mineral­stoffe und Spurenelemente. Sie müssen in Fer­tigpackungen abgegeben werden, und sie dürfen nicht den Eindruck erwecken, als könne man mit ihnen Erkrankungen verhüten, behandeln oder heilen. Letzteres dient vor allem dazu, sie von Arzneimitteln abzugrenzen und den Ver­braucher davor zu bewahren, dass er durch den Einsatz dieser Produkte infolge einer versäum­ten Behandlung zu Schaden kommt.

Die Dosierung der Inhaltsstoffe in diesen Pro­dukten ist so begrenzt, dass sie bei bestimmungs­gemäßem Gebrauch niemanden gefährden kön­nen. Dennoch ist daran zu denken, dass es sich auch hierbei um Stoffe handelt, die im Körper wirken und die mit anderen Substanzen in Wechselwirkungen treten können.

Hintergrund: Aus der getrockneten Wurzel des europäischen Baldrians ist eine Reihe von In­haltsstoffen isoliert worden. Welche davon je­doch für die beruhigende und schlafanstoßende Wirkung verantwortlich sind, ist noch nicht ge­klärt.

Anwendungsgebiete: Baldrian wird seit alters­her als Beruhigungs- und Schlafmittel einge­setzt. In einigen Studien erschien die Wirkung von Baldrian als schwach und kaum nach­weisbar, in anderen schien er tatsächlich schlaf­fördernd zu wirken.

Mögliche Nebenwirkungen: Nennenswerte Probleme sind nicht bekannt.

PFLANZENMITTEL (AUSWAHL)

Die folgenden Pflanzenmittel werden in Deutschland häufig gekauft und angewendet. Ihre Wirksamkeit ist durch Studien, die heuti­gen Ansprüchen genügen, nicht immer ausrei­chend belegt.

Baldrian

siehe Seite 1688