Als hohen Blutdruck (Hypertonie) bezeichnet man einen ungewöhnlich hohen Druck in den Arterien.

Viele Menschen verbinden mit dem Wort Blut­hochdruck die Vorstellung von großer Anspan­nung, Nervosität und Stress. Medizinisch gese­hen bezeichnet der Begriff die Tatsache, dass der Blutdruck erhöht ist – unabhängig von der Ursa­che. Da die Hypertonie gewöhnliche viele Jahre lang keine Beschwerden macht – bis ein lebens­wichtiges Organ Schaden genommen hat –, wird sie auch »der leise Tod« genannt. Unkontrollier­ter hoher Blutdruck steigert das Risiko für Prob­leme wie Schlaganfall, Aneurysma, Herzschwä­che, Herzinfarkt und Nierenerkrankungen.

Bei mehr als der Hälfte der 35- bis 64-Jährigen in Deutschland liegt der Blutdruck über der empfohlenen Höchstgrenze. Dabei sind häufi­ger ältere Menschen betroffen. Etwa 40 Prozent der Frauen hat nach den Wechseljahren erhöh­ten Blutdruck. Doch 20 bis 30 Prozent aller Be­troffenen weiß nichts von der Störung. Insgesamt wird geschätzt, dass nur bei etwa einem Drittel der Blutdruck nach den gültigen Therapiericht­linien eingestellt ist.

Bei der Blutdruckmessung werden zwei Werte ermittelt. Der höhere Wert gibt den höchsten Druck an, der in den Arterien erreicht wird, wenn sich das Herz zusammenzieht (während der Systole). Der niedrigere Wert entspricht dem geringsten Druck in den Arterien. Dieser wird erreicht, kurz bevor sich das Herz erneut zu­sammenzieht (während der Diastole). Der Blut­druck wird systolisch/diastolisch dargestellt – zum Beispiel 120/80 mmHg (Millimeter Queck­silber). Man spricht dieses als »120 zu 80«.

Von hohem Blutdruck spricht man bei einem systolischen Durchschnittswert im Ruhezu­stand bei 140 mmHg oder darüber, bei einem diastolischen von 90 mmHg oder darüber, oder wenn beide Werte so hoch sind. Die gesund­heitlichen Risiken können schon bei Werten beginnen, die noch innerhalb der Norm liegen – deshalb sind die Grenzwerte fließend. Je höher allerdings der Blutdruck steigt, desto größer sind die gesundheitlichen Risiken. Grenzwerte wurden deshalb festgesetzt, weil sich heraus­gestellt hat, dass oberhalb dieser Grenzwerte die Gesundheitsrisiken in jedem Fall ansteigen.

KAPITEL 22

Hoher Blutdruck

Bei den meisten Hochdruckkranken sind der systolische und diastolische Wert erhöht. Die Ausnahme bilden ältere Menschen, die gewöhn­lich einen hohen systolischen Blutdruck haben (140 mmHg oder darüber) und einen norma­len oder niedrigen diastolischen (weniger als 90 mmHg). Diese Erkrankung wird isolierte systolische Hypertonie genannt.

Ein Blutdruck von mehr als 180/110 mmHg ist immer dringend behandlungsbedürftig – auch wenn er keine Symptome verursacht.

Die maligne Hypertonie, eine besonders schwe­re Form des Bluthochdrucks, ist ein klinischer Notfall. Der Blutdruck kann dabei bis zu 210/ 120 mmHg steigen. Doch kommt das nur bei einem von zweihundert Menschen vor. Der ma­ligne Hochdruck kann eine Reihe von schweren Störungen hervorrufen.

Blutdruckregulation

Der Körper hat zahlreiche Möglichkeiten, den Blutdruck zu regulieren: Er kann die Blutmenge verändern, die das Herz pumpen muss, er kann den Durchmesser der Arterien verändern und das Blutvolumen im Kreislauf. Um den Blut­druck zu erhöhen, kann das Herz kräftiger und schneller schlagen. Die kleinen Arterien (Arte­riolen) können sich verengen, sodass das Blut bei jedem Herzschlag durch engere Adern flie­ßen muss, was den Blutdruck erhöht. Die Ve­nen können sich zusammenziehen und dadurch mehr Blut in die Arterien fließen lassen. Auch hier ist eine Erhöhung des Blutdrucks die Folge. Außerdem kann das Blut mehr Flüssigkeit auf­nehmen und so das Blutvolumen vergrößern, was den Blutdruck ebenfalls steigen lässt. Um­gekehrt kann das Herz die Kraft und Geschwin­digkeit seiner Pumpleistung verringern, um den Blutdruck zu senken. Die Arteriolen und Venen können sich weiten, und dem Blut kann Flüs­sigkeit entzogen werden.

Diese Vorgänge werden vom sympathischen Teil des vegetativen oder autonomen Nerven­systems (jenem Teil des Nervensystems, das die inneren Körperfunktionen steuert, die nicht dem Einfluss des Bewusstseins unterliegen) und den Nieren gesteuert. Das sympathische Nerven­system nutzt verschiedene Mechanismen, um den Blutdruck als Kampf- und Fluchtreaktion vorübergehend zu erhöhen. Es stimuliert die