Von niedrigem Blutdruck (Hypotonie) spricht man dann, wenn er so niedrig ist, dass Symp­tome wie Schwindel und Ohnmacht auftreten.

Normalerweise hält der Körper den Druck in den Arterien konstant in einem engen Bereich. Wenn der Blutdruck steigt, kann er Blutgefäße schädigen und sogar reißen lassen; dadurch kann es zu Blutungen und anderen Komplikationen kommen. Ist der Blutdruck zu niedrig, werden nicht alle Körperregionen ausreichend mit Blut versorgt. Zellen erhalten dann nicht genügend Sauerstoff und Nährstoffe, und anfallende Ab­bauprodukte können nicht entsorgt werden. Dennoch ist ein niedriger Blutdruck weniger problematisch als ein hoher. Gesunde Menschen mit einem niedrig normalen Blutdruck haben tendenziell eine höhere Lebenserwartung als solche mit erhöhtem Blutdruck.

Der Körper kontrolliert den Blutdruck mit verschiedenen Regulationsmechanismen . Die Venen und die kleinen Arterien (Arteriolen) kön­nen ihren Durchmesser verändern, das Pump­volumen des Herzens (Auswurffraktion) kann sich verändern, ebenso das Blutvolumen in den Gefäßen. Diese Faktoren normalisieren den Blut­druck, wenn er während körperlicher Bewegung oder im Schlaf steigt oder fällt.

Die Venen können sich erweitern (Vasodilata­tion) und verengen, um ihr Fassungsvermögen zu verändern. Wenn sich die Venen zusammen­ziehen (Vasokonstriktion), fließt mehr Blut in die Arterien und der Blutdruck steigt. Erwei­tern sich die Venen, können sie mehr Blut fas­sen, es fließt weniger in die Arterien; der Blut­druck sinkt.

Die Arteriolen können sich ebenfalls weiten und zusammenziehen. Je stärker sie sich veren­gen, desto größeren Widerstand muss das Blut überwinden und umso höher steigt der Blut­druck. Wenn sich die Arteriolen verengen, steigt der Blutdruck, weil mehr Druck nötig ist, das Blut durch die verengten Gefäße zu pressen. Umgekehrt verringert eine Erweiterung der Arte­riolen den Widerstand, der dem Blut entgegen­gesetzt wird; der Blutdruck sinkt.

Je mehr Blut das Herz pro Minute pumpt (je größer also die Auswurffraktion ist), desto hö­her steigt der Blutdruck – solange der Wider­stand in den Arterien dabei konstant bleibt. Der

KAPITEL 23

Niedriger Blutdruck

Organismus kann die Blutmenge verändern, die das Herz pro Minute pumpt, indem er die Herz­frequenz verringert oder beschleunigt oder den Herzmuskel schwächer oder stärker kontrahie­ren lässt.

Je größer das Blutvolumen in den Gefä­ßen, desto höher ist der Blutdruck – solange der Widerstand in den Arterien konstant bleibt. Um das Blutvolumen zu vergrößern oder zu verringern, können die Nieren den Flüssig­keitshaushalt mithilfe der Urinausscheidung regulieren.

Diesen Mechanismus bewirken die so genann­ten Barorezeptoren. Sie befinden sich in den Arterien und kontrollieren den Blutdruck. Die Rezeptoren im Bereich der Hals- und Brust­arterien sind besonders wichtig. Wenn sie eine Blutdruckveränderung registrieren, aktivieren sie den Regulationsmechanismus. Nerven über­tragen die Signale der Sensoren und des Gehirns auf verschiedene Organe, die den Regulations­mechanismus steuern:

• Das Herz erhält Signale, die Geschwindig­keit und Stärke seiner Schläge zu verändern (dies verändert das Pumpvolumen). Das regu­liert den Blutdruck sehr schnell.

• Die Arteriolen erhalten den Befehl, sich zusammenzuziehen oder sich zu weiten; dies ändert den Widerstand in den Blutge­fäßen.

• Den Venen wird signalisiert, sich zusam­menzuziehen oder sich zu weiten; dies verän­dert ihr Fassungsvermögen für Blut.

• Die Nieren werden angeregt, die auszuschei­dende Flüssigkeitsmenge zu verändern; dies verändert das Blutvolumen in den Gefäßen. Bis diese Korrektur greift, dauert es relativ lange; dieser Mechanismus ist der langsams­te, um den Blutdruck zu regulieren.

Wenn beispielsweise jemand blutet, verringert sich das Blutvolumen und der Blutdruck sinkt. Der Regulationsmechanismus verhindert nun, dass der Druck zu stark abfällt: Die Herz­frequenz nimmt zu, das Herz pumpt mehr Blut. Die Venen ziehen sich zusammen und ver­ringern ihr Fassungsvermögen. Die Arteriolen verengen sich ebenfalls und erhöhen ihren

siehe Seite 119