Kapitel 24KREISLAUFSCHOCK135

Nach einer Mahlzeit kann der Blutdruck deut­lich sinken (postprandiale Hypotonie).

Eine postprandiale Hypotonie tritt bei ungefähr einem Drittel der älteren Menschen auf, aber praktisch nie bei jüngeren. Die Störung betrifft allerdings eher Menschen mit Bluthochdruck und solche, bei denen ein Zentrum im Gehirn geschädigt ist, von dem das vegetative Nerven­system kontrolliert wird, das wiederum die Vor­gänge im Innern des Körpers steuert. Beispiele solcher Krankheiten sind die Parkinson-Krank­heit, Multisystematrophie (Shy-Drager-Syn­drom) und Diabetes.

Der Verdauungstrakt benötigt große Mengen Blut, während die Nahrung verarbeitet wird. Wenn sich das Blut nach einer Mahlzeit in den Verdauungsorganen sammelt, beschleunigt sich die Herzfrequenz und die Gefäße in anderen

Ein Kreislaufschock ist ein lebensbedrohlicher Zustand, bei dem der Blutdruck zu niedrig ist, um den Körper am Leben zu erhalten.

Zu einem solchen Schock kommt es, wenn der Blutdruck sehr viel stärker und für längere Zeit fällt als bei einer Ohnmacht (Synkope ). Bei sehr niedrigem Blutdruck werden die Körper­zellen nicht mehr ausreichend mit Blut und so­mit nicht mit genügend Sauerstoff versorgt. Die Zellen können dabei schnell und unwiderruf­lich geschädigt werden und absterben; Organe wie Gehirn, Nieren, Leber und Herz hören auf, normal zu funktionieren. Schockpatienten benö­tigen eine sofortige Notfallbehandlung.

Ein Kreislaufschock kann verschiedene Ur­sachen haben: Ein zu geringes Blutvolumen, das einen Volumenmangelschock (hypovolämischer Schock) hervorruft; ungenügende Pumpleistung des Herzens führt zu einem kardiogenen Schock; auch eine extreme Erweiterung der Blutgefäße kann zu einem Schock führen. Diese Arten von

Niedriger Blutdruck 

Kreislaufschock

KAPITEL 24

Körperteilen ziehen sich zusammen, um den Blutdruck stabil zu halten. Bei einigen älteren Menschen funktioniert dieser Mechanismus je­doch nicht mehr richtig. Das Blut fließt zwar in die Verdauungsorgane, aber die Herzfrequenz erhöht sich nicht ausreichend und die Blutge­fäße ziehen sich nicht genügend zusammen; der Blutdruck fällt.

Bei der postprandialen Hypotonie kann es zu Benommenheit, Schwindel und zu Stürzen kom­men. Wenn eine ältere Person diese Symptome nach dem Essen bemerkt, misst der Arzt den Blutdruck vor und nach den Mahlzeiten, um zu erkennen, ob es sich um eine solche Art von Hypotonie handelt.

Bei manchen Menschen hilft es, wenn sie nach dem Essen spazieren gehen, um den Kreis­lauf anzuregen.

nach dem Essen

Schock haben nichts zu tun mit dem psychi­schen Zustand, der ebenfalls Schock genannt wird und der auf starker emotionaler Erregung basiert.

Ein geringes Blutvolumen ist auf eine Unter­versorgung des Herzens mit Blut zurückzufüh­ren, das bei jedem Herzschlag zu wenig Blut in den Körper pumpt. Das Blutvolumen kann durch starke Blutungen, extremen Flüssigkeitsverlust und ungenügende Flüssigkeitszufuhr so gering sein. Ein hoher Blutverlust kann die Folge einer äußerlichen Blutung wie bei einem Unfall sein, oder die einer inneren Blutung, wie sie durch ein Magen- oder Darmgeschwür auftreten kann, einen Aderriss und eine durchgebrochene Ei­leiterschwangerschaft. Ein starker Verlust an Gewebeflüssigkeit ergibt sich bei starken Ver­brennungen, einer Entzündung der Bauchspei­cheldrüse (Pankreatitis), einer Perforation der

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