Kapitel 35ANEURYSMA UND AORTENDISSEKTION213

Kältepackungen und das Eintauchen in kaltes Wasser. Diese Maßnahmen lindern manchmal die Symptome oder sie verhüten einen neuen Krankheitsschub. Wenn keine ursächliche Krankheit gefunden wird, können Azetylsali­zylsäure und Medikamente helfen, die die Blut­gefäße verengen (etwa Ephedrin, Methysergid

Die Aorta ist mit einem Durchmesser von rund zweieinhalb Zentimetern die größte Arterie im Körper. Sie nimmt das mit Sauerstoff angerei­cherte Blut aus der linken Herzkammer auf und versorgt damit alle Bereiche des Körpers, die Lunge ausgenommen (sie wird von der rech­ten Herzkammer mit Blut versorgt). Kurz nach­dem die Aorta das Herz verlässt, verzweigt sie sich in kleinere Arterien, die den Kopf und die Arme versorgen. Auf ihrem Weg von der linken Herzkammer bis zur unteren Bauch­region am oberen Ende des Hüftknochens (Be­cken) zweigen immer wieder kleinere Arterien ab. An diesem Punkt verzweigt sich die Aorta in die Hüftschlagadern, die beide Beine mit Blut versorgen.

Zu den Krankheiten der Aorta zählen Aus­weitungen (Aneurysmen) in Bereichen einer Gefäßwandschwäche sowie die Ablösung der Gefäßwandschichten voneinander (Dissektion). Beides kann zum plötzlichen Tod führen. Ge­wöhnlich entwickeln sich die Erkrankungen aber über Jahre hinweg. Aneurysmen gibt es auch in anderen Arterien.

Ein Aneurysma ist eine Ausweitung in der Arterienwand; meistens ist die Aorta betroffen.

Gewöhnlich ist der Bereich der Gefäßwand er­weitert, dessen Gewebe geschwächt ist. Der Druck in der Arterie beult diesen geschwächten Bereich aus. Ohne Behandlung kann das Aneu­rysma reißen, und es kommt zu einer inneren Blutung.

Aneurysma und Aortendissektion

Aneurysmen

und Propranolol). Azetylsalizylsäure hilft je­doch nicht bei der Form, die schon nach der Ge­burt oder im Kindesalter auftritt. Wenn eine Krankheit als Ursache festgestellt werden kann, dürfte die Behandlung dieser Krankheit die Symptome mildern.

KAPITEL 35

Aneurysmen können überall im Verlauf der Aorta entstehen. Drei Viertel von ihnen bilden sich in dem Teil, der den Bauchraum durchläuft (Bauchschlagader), der Rest betrifft den Teil, der im Brustraum verläuft (Brustschlagader). Auch in anderen Arterien können Aneurysmen auf­treten: im Bereich der Kniekehle (Popliteal­arterie), den Hauptarterien in den Schenkeln (Femoralarterien), der Arterie, die den Kopf ver­sorgt (Karotis), denen, die dem Gehirn Blut zu­führen (Zerebralarterien) und in den Arterien, die das Herz versorgen (Koronararterien). Bei älteren Personen kommen Aneurysmen häufig dort vor, wo sich Arterien verzweigen (z. B. wo sich die Bauchschlagader aufteilt und in be­sonders belasteten Bereichen, wie dem Knie). Aneurysmen können rundlich (sacciform) und spindelförmig (fusiform) sein. Die meisten sind fusiform.

Die häufigste Ursache von Aneurysmen ist Arteriosklerose, da sie die Gefäßwände schwächt. Weniger häufige Ursachen sind Verletzungen, entzündliche Erkrankungen der Aorta, vererbte Krankheiten des Bindegewebes wie das Marfan-Syndrom sowie Infektionskrankheiten wie Sy­philis. Bei Personen mit Marfan-Syndrom bildet sich ein Aneurysma am häufigsten in dem Ab­schnitt, wo die Aorta dem Herzen entspringt. Bei älteren Menschen hängen fast alle Aneurys­men mit Arteriosklerose zusammen. Bluthoch­druck und Zigarettenrauchen erhöhen das Risi­ko für ein Aneurysma.

In einem Aneurysma bilden sich häufig Blut­gerinnsel (Thromben), weil dort das Blut nur träge fließt. Ein solches Gerinnsel kann sich über die gesamte Wand des Aneurysmas aus­breiten. Davon kann sich ein Stück ablösen, mit