Zur Atelektase kommt es, wenn die Lunge oder Teile von ihr nicht mit Luft gefüllt werden und zusammenfallen.

Atelektase kann ein akuter oder chronischer Zustand sein. Bei der akuten Atelektase ist die Lunge ohne Luft und kollabiert. Bei einer chro­nischen Atelektase wirken in dem betroffenen Bereich fehlende Belüftung, Infektion, Erweite­rung der Bronchien (Bronchiektase ), Schädi­gung und Vernarbung (Fibrose) zusammen. Rau­cher haben ein besonders hohes Risiko für eine Atelektase.

Ursachen

Zu den häufigsten Ursachen gehört der Ver­schluss einer großen Bronchie (einer der beiden Hauptbronchien, die von der Luftröhre zu den Lungenflügeln führen). Kleinere Atemwege kön­nen ebenfalls verschlossen sein. Die Verengung kann auf einem Schleimpfropfen, Tumor oder in­haliertem Fremdkörper beruhen. Auch äußerer Druck, etwa durch einen Tumor, vergrößerte Lymphknoten, Ansammlung von Flüssigkeit (Pleuraerguss) oder Luft im Pleuraraum (Pneu­mothorax) kann den Verschluss herbeiführen. Ist der Atemweg verschlossen, nimmt das Blut die Luft aus den Lungenbläschen jenseits des Ver­schlusses auf; dadurch schrumpfen die Lungen­bläschen und fallen schließlich zusammen. Das kollabierte Lungengewebe füllt sich mit Blut­körperchen, Serum und Schleim, und es kann zu einer Infektion kommen.

Eine Beschleunigungsatelektase kann bei Kampfpiloten auftreten, wenn die gewaltigen Kräfte, die sich bei hoher Geschwindigkeit ent­wickeln, die kleinen Atemwege verschließen. Sie führt zum Kollaps der Lungenbläschen in großen Bereichen beider Lungenflügel.

Eine Atelektase entsteht auch, wenn nicht genug Surfactant (surface-active agent) wirk­sam ist. Diese Flüssigkeit bedeckt die Wände der Lungenbläschen und schützt sie vor dem Zusammenfallen.

Akute Atelektase: Sie ist eine häufige Kompli­kation nach Operationen, vor allem nach Ein­griffen im Brust- oder Bauchraum. Eine akute Atelektase kann auch von einer Verletzung herrühren, gewöhnlich im Brustbereich. Diese Erkrankungen sind meist schwerwiegend; sie

KAPITEL 48

Atelektase

betreffen die meisten Lungenbläschen in einem oder mehreren Bereichen der Lunge. Zu den Risikofaktoren solcher Atelektasen zählen die Einnahme von Opioiden und Beruhigungs­mitteln in hoher Dosierung, straffe Bandagen, Brust- und Leibschmerzen, Bauchauftreibung durch Flüssigkeiten und Gase und Bewegungs­unfähigkeit. Neurologische Störungen und Fehlbildungen im Brustbereich, die die Beweg­lichkeit der Brust beeinträchtigen, führen zu einer flachen Atmung, zu vermehrter Sekret­bildung und unterdrücktem Husten; das ver­hindert eine volle Ausdehnung der Lunge.

Bei der akuten Atelektase, die auf einem Sur­factant-Mangel oder verminderter Wirksamkeit dieses Stoffes beruht, fallen viele, aber nicht alle Lungenbläschen zusammen. Diese Form der Atelektase kann auf einen Bereich der Lunge begrenzt sein, sie kann aber auch beide Lungen­flügel in Mitleidenschaft ziehen. Früh geborene Kinder, die mit einem Surfactant-Mangel zur Welt kommen, entwickeln stets eine akute Atelektase. Sie kann sich zum Neugeborenen-Atemnotsyndrom steigern, wenn das Surfac­tant nicht zugeführt wird. Erwachsene können durch übermäßige Sauerstoffbeatmung eine Atelektase entwickeln, weil das die Wirksam­keit des Surfactants vermindert. Auch das Atem­notsyndrom ist auf verminderte Surfactant-Wirkung zurückzuführen.

Chronische Atelektase: Sie kann als Mittellap­pensyndrom und als so genannte Kugelatelek­tase auftreten. Beim Mittellappensyndrom fällt gewöhnlich als Folge des Drucks vergrößerter Lymphdrüsen, manchmal auch eines Tumors, der mittlere Lappen des rechten Lungenflü­gels zusammen. In der so verschlossenen, ge­schrumpften Lunge kann eine Lungenentzün­dung entstehen, die nicht vollständig heilt und zu chronischer Entzündung, Vernarbung und Bronchiektasen führen kann.

Bei der Kugelatelektase fällt ein Randbereich der Lunge infolge einer Vernarbung und Schrumpfung der die Lunge umgebenden Gewe­beschichten allmählich zusammen. Auf dem Röntgenbild erscheint diese Störung als kugel-

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