Berufskrankheiten der Lunge werden durch Schadstoffe, Dämpfe und Gase verursacht, die bei der Arbeit eingeatmet werden. Wenn die Lungenkrankheit durch eingeatmete Partikel entstanden ist, wird meist von einer Staublunge (Pneumokoniose) gesprochen. Wo sich in den Atemwegen oder in der Lunge eine Substanz festsetzt und welche Art von Lungenkrankheit daraus entsteht, hängt von der Größe und der Art der inhalierten Partikel ab. Größere Par­tikel können in der Nase und in den großen Atemwegen abgefangen werden, sehr kleine können bis in die Lunge gelangen. Dort können sich manche Stoffe auflösen und ins Blut über­treten; die meisten Partikel, die sich nicht auf­lösen, beseitigt die körpereigene Abwehr.

Der Schleim in den Atemwegen hüllt Fremd­stoffe ein, damit sie leichter abgehustet werden können. Darüber hinaus können die kleinen Flimmerhärchen (Zilien) auf der Innenseite der

Atemwege eingeatmete Partikel nach oben und aus der Lunge herausbefördern. In den Lungen­bläschen nehmen spezielle Fresszellen (Makro­phagen) die meisten Fremdkörper auf und ma­chen sie unschädlich.

Viele Arten von Partikel können die Lunge schädigen. Einige bestehen aus organischem Material, wie Getreidestaub, Staub aus Baum­wolle oder tierische Stoffe. Metallverbindungen oder Mineralfasern, wie Asbest, sind anorgani­sche Partikel.

Einige Partikel, beispielsweise tierische Stof­fe, können allergische Reaktionen, ähnlich einem Heuschnupfen oder allergischem Asth­ma, hervorrufen. Andere schädigen vielmehr die Zellen der Atemwege und Lungenbläschen. Wieder andere, wie Quarzstaub und Asbest, führen zu chronischen Reizungen, die das Lun­gengewebe vernarben lassen (Lungenfibrose ). Schadstoffe wie Asbest können vor allem bei Rauchern Lungenkrebs und – ungeachtet der Rauchgewohnheiten – Krebs in der Brusthöhle und in der Lunge (Mesotheliom) verursachen.

Die Quarzstaublunge (Silikose) entsteht durch eine zunehmende Vernarbung der Lunge in­folge eingeatmeten Quarzstaubes (Kieselerde).

Quarzstaublunge

KAPITEL 49

Berufsbedingte Lungenerkrankungen

Silikose, die älteste bekannte Lungen-Berufs­krankheit, trifft Menschen, die über Jahre hin­weg Quarzstaub eingeatmet haben. Quarz ist der Hauptbestandteil von Sand, daher kommen hauptsächlich Bergleute, Steinmetze, Gießerei­arbeiter und Töpfer damit in Berührung.

Eingeatmeter Quarzstaub gelangt in die Lun­ge und so genannte Fresszellen (Makrophagen) nehmen ihn auf. Diese Fresszellen setzen Enzyme frei, die das Lungengewebe vernarben lassen. Zuerst bilden sich winzige Narbenknöt­chen (einfache Silikosegranulome), die sich mit der Zeit zu größeren Knoten zusammenlagern können (fortgeschrittene Silikose). In diesen vernarbten Bereichen funktioniert der Sauer­stoffaustausch mit dem Blut nicht mehr richtig. Die Lunge wird zunehmend unbeweglicher und das Atmen immer anstrengender.

Symptome und Diagnose

Gewöhnlich treten die Symptome erst auf, nachdem der Kontakt mit dem Staub 20 Jahre oder mehr gedauert hat. Bei Berufen jedoch, in denen große Mengen Quarzstaub anfallen, wie beim Umgang mit Sandstrahlern, Schleifmit­teln und im Tunnelbau, können sich bereits innerhalb von zehn Jahren erste Symptome zei­gen.

Bei der leichten Form der Silikose bilden sich nur Silikosegranulome. Menschen mit dieser Silikoseform leiden normalerweise nicht unter Atemnot, aber möglicherweise unter Husten mit Auswurf, da ihre Atemwege entzündet sind (chronische Bronchitis ).

Schwerer erkrankte Personen haben einen produktiven Husten und leiden unter schwerer Atemnot. Diese tritt zuerst nur bei körperlicher Anstrengung auf, schließlich aber auch in Ruhe. Die Atmung kann noch Jahre nach dem Ende der Arbeit mit Quarzstaub beschwerlich werden. Die Lungenschädigung überanstrengt die rechte Herzseite und kann zu einer be­stimmten Form von Herzschwäche führen (Cor pulmonale ). Menschen mit einer Quarzstaub-

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