Kapitel 50INFILTRATIVE LUNGENERKRANKUNGEN283

großen Atemwegen. Zusätzlich lösen sie oft Husten und Blut im Sputum aus. Brechreiz und Atemnot kommen ebenfalls häufig vor. Schlech­ter lösliche Gase wie Stickstoffdioxid und Ozon verursachen möglicherweise schwerwiegende Atemnot; diese setzt mit einer Zeitverzögerung von drei bis vier, manchmal auch bis zu zwölf Stunden nach dem Kontakt ein.

Die Röntgenuntersuchung der Brust kann klären, ob sich ein Lungenödem oder eine Bron­chiolitis gebildet hat.

Die meisten Menschen erholen sich vollständig nach dem Kontakt mit Gas. Die schwersten Komplikationen bestehen in einer Lungenin­fektion oder in ernsthafter Schädigung mit Ver­narbungen der kleinen Atemwege (Bronchio­litis obliterans). Neueste Studien haben gezeigt,

Durch das Eindringen (Infiltration) von Ent­zündungszellen in das Lungengewebe entste­hen verschiedene Krankheiten mit ähnlichen Symptomen. Im Frühstadium dieser infiltrati­ven Lungenkrankheiten sammeln sich Entzün­dungszellen (weiße Blutkörperchen und Makro­phagen) und eiweißreiche Flüssigkeit in den Lungenbläschen, in den Wänden der Lungenbläs­chen und in den Zwischenräumen der Alveolen, und rufen Entzündungen hervor. Bei einer an­haltenden Entzündung kann die Flüssigkeit im­mer zäher werden und Vernarbungen (Fibrose) ersetzen gesundes Lungengewebe.

Mit zunehmender Zerstörung von Lungen­bläschen bleiben dickwandige Zysten zurück. Diese Veränderungen werden Lungenfibrose ge­nannt. Viele Krankheiten können eine Lungen­fibrose verursachen, besonders solche, die mit Beeinträchtigungen des Immunsystems einher­gehen.

Die Lungenfachärzte unterscheiden zwar ver­schiedene infiltrative Lungenkrankheiten, diese haben jedoch ähnliche Merkmale. Alle beein­trächtigen die Beladung des Blutes mit Sauer­stoff, und alle lassen das Lungengewebe verstei-

Infiltrative Lungenerkrankungen

KAPITEL 50

dass der jahrelange Kontakt mit Gasen die Lun­ge langfristig beeinträchtigt.

Die beste Vorbeugung besteht darin, im Um­gang mit Gasen und Chemikalien größte Vor­sicht walten zu lassen. Gasmasken mit eigener Luftzufuhr sollten für den Fall eines Gasunfal­les zur Verfügung stehen. Bauern sollten wis­sen, dass der versehentliche Kontakt mit gifti­gen Gasen in Futtersilos gefährlich sein kann.

Sauerstoff ist das wichtigste Behandlungs­mittel für Menschen, die Gasen ausgesetzt wa­ren. Bei schwerer Lungenschädigung ist even­tuell eine künstliche Beatmung erforderlich. Medikamente, die die Atemwege erweitern, in­travenöse Flüssigkeitszufuhr und Antibiotika können hilfreich sein. Kortisone wie Prednison werden oft eingesetzt, um die Entzündung in der Lunge zu verringern.

Prognose, Vorbeugung und Behandlung

fen und schrumpfen, wodurch die Atmung er­schwert wird. Nur der Abtransport des Kohlen­dioxids aus dem Blut stellt dabei kein Problem dar.

Bei ungefähr der Hälfte der Patienten mit Lun­genfibrose wird die Ursache nie gefunden. Dann spricht man von idiopathischer Lungenfibrose.

Hierbei wird die Lunge über lange Zeit hin­weg geschädigt. Das führt zu chronischer Ent­zündung und schließlich zur Lungenfibrose.

Symptome und Diagnose

Die Symptome hängen vom Ausmaß der Lun­genschädigung, von der Geschwindigkeit, mit der die Krankheit fortschreitet, und von Kom-

Idiopathische Lungenfibrose

Es handelt sich um eine spezielle Form der Lungenfibrose; deren Ursache unbekannt ist.

siehe Seite 308