Das Brustfell (Pleura) ist eine dünne, transpa­rente, zweischichtige Membran, die die Lunge umhüllt und die Innenseite der Brustwand aus­kleidet. Die Schicht, die die Lunge bedeckt, und die Lage an der Brustwand liegen in engem Kon­takt zueinander. Zwischen den beiden Schich­ten befindet sich eine kleine Menge Flüssigkeit, damit sie bei jedem Atemzug weich übereinan­der gleiten können.

Unter besonderen Umständen können Luft, Blut, Plasma (der zellfreie Teil des Blutes) oder Lymphe zwischen die Brustfellschichten gera­ten. Wenn sich viel Flüssigkeit ansammelt (Pleuraerguss), kann sich der Lungenflügel beim Atmen nicht mehr genügend ausdehnen. Dann fällt das Lungengewebe zusammen. Luft im Pleuraraum (Pneumothorax) kann das Gleiche bewirken.

Bei einer Pleuritis ist das Brustfell entzündet. 

Eine Pleuritis entsteht durch Reizung und Ent­zündung des Brustfells (gewöhnlich durch Viren oder Bakterien). Autoimmunerkrankungen, wie systemischer Lupus erythematodes, können das Brustfell angreifen. Eine Brustfellentzündung kann sich auch entwickeln, wenn sich Krebs­metastasen aus der Lunge oder einem anderen Körperteil im Brustfell ansiedeln und es schädi­gen. Ebenso kann eine Pleuritis durch Einatmen von Asbeststaub verursacht werden, selten ge­schieht das durch Arzneimittel wie Nitrofuran­toin und Prokainamid. Im Pleuraraum kann sich Flüssigkeit ansammeln; unterbleibt das, heißt die Krankheit trockene Pleuritis. Nach dem Abklingen der Entzündung kann sich das Brustfell wieder normalisieren, es können sich aber auch Stellen bilden, an denen die beiden Brustfellschichten aneinander haften.

Symptome und Diagnose

Das häufigste Symptom für eine Pleuritis sind Brustschmerzen (pleuritische Schmerzen), die urplötzlich einsetzen können. Sie reichen von Unbehagen bis zu intensiv stechenden Schmer­zen. Manchmal treten sie nur auf, wenn der Be­troffene tief einatmet oder hustet; sie können

Brustfellentzündung

KAPITEL 52

Erkrankungen des Brustfells

aber auch ständig vorhanden sein und sich beim tiefen Atmen und Husten verschlimmern. Die Schmerzen sind die Folge einer Entzündung der äußeren Schicht des Brustfells und sind ge­wöhnlich genau über dem Entzündungsherd zu spüren. Sie können aber ebenso oder aus­schließlich in die obere Bauchregion oder in den Nacken- und Schulterbereich ausstrahlen. Die Atmung kann schnell und flach werden, weil tiefes Atmen Schmerzen bereitet; die Muskeln bewegen sich auf der schmerzenden Seite weniger als auf der anderen. Wenn sich viel Flüssigkeit ansammelt, trennt diese die beiden Brustfellschichten, und die Schmerzen vergehen. Große Mengen Flüssigkeit können einen oder beide Lungenflügel bei der Ausdeh­nung behindern und Atemnot bewirken.

Aufgrund der typischen Schmerzen ist eine Brustfellentzündung meist leicht zu diagnosti­zieren. Im Stethoskop ist ein quietschender Vor­und-zurück-Reibeton zu hören (Pleurareiben). Im Röntgenbild ist eine Pleuritis zwar nicht zu erkennen, aber die Flüssigkeitsansammlung im Pleuraraum ist zu sehen und die Aufnahme kann Hinweise auf die mögliche Ursache geben.

Behandlung

Die Behandlung der Brustfellentzündung rich­tet sich nach der Ursache. Eine Bakterieninfek­tion wird mit Antibiotika behandelt. Gegen eine Virusinfektion gibt es keine spezifische Be­handlung. Bei einer Autoimmunerkrankung wie systemischem Lupus erythematodes können oft Kortisone die Pleuritis heilen.

Ein nichtsteroidales entzündungshemmen­des Mittel lindert gewöhnlich die Schmerzen, unabhängig von der Ursache. Kodein und an­dere Opioide wirken als Schmerzmittel zwar stärker, dass sie aber gleichzeitig den Husten unterdrücken, ist unerwünscht, weil tiefes At­men und Husten die Lunge vor einem Kol­laps mit nachfolgender Lungenentzündung be­wahrt. Deshalb sollen Kranke mit Pleuritis tief atmen und husten, sobald die Atmung weniger schmerzhaft ist. Der Husten wird erträglicher, wenn man ein Kissen fest gegen den schmer­zenden Bereich der Brust drückt. Wird die ge-

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