Bei einer Autoimmunerkrankung produziert

der Körper Zellen oder Antikörper, die das eige­ne Körpergewebe angreifen. Viele Autoim­munerkrankungen betreffen das Bindegewebe in verschiedenen Organen. Bindegewebe ist jene Struktur, die den Gelenken, Sehnen, Bändern und Blutgefäßen Halt gibt. Bei Autoimmunerkrankungen können die Entzündung und Immunreaktion zu dauer­haften Schäden des Bindegewebes führen, und das nicht nur in und um die Gelenke, sondern auch in anderen Geweben, z. B. in so lebens­wichtigen Organen wie Nieren und Gehirn. Der Herzbeutel, die Membran, die die Lunge um­hüllt, und sogar das Gehirn können betroffen sein. Die Art und Schwere der Krankheitssym­ptome hängen davon ab, welche Organe betrof­fen sind.

Jede Autoimmunerkrankung des Bindege­webes wird aufgrund ihres speziellen Sym­ptommusters, dem Befund der körperlichen Untersuchung und den Ergebnissen der Labor­untersuchungen festgestellt. Manchmal über­schneiden sich die Symptome verschiedener Erkrankungen so sehr, dass der Arzt keine ge­naue Diagnose stellen kann. Dann spricht man von einer undifferenzierten oder überlappenden Bindegewebeerkrankung.

Systemischer Lupus erythematodes ist eine chronische Bindegewebeentzündung, bei der Gelenke, Nieren, Schleimhäute und die Wände der Blutgefäße betroffen sein können.

90 Prozent der Betroffenen sind junge Frauen vor dem 20. Lebensjahr bis Ende 30. Kinder – meist Mädchen – und ältere Männer und Frau­en können diese Krankheit ebenfalls bekom­men.

Die Ursache der Erkrankung ist unbekannt. Gelegentlich verursachen bestimmte Medika­mente (Hydralazin, Prokainamid und Betablo­cker) ein lupusähnliches Syndrom, das aber nach dem Absetzen des Medikaments wieder verschwindet.

Systemischer Lupus erythematodes

Bindegewebes

KAPITEL 68

Autoimmunerkrankungen des

Die Vielfalt und Menge der Antikörper, die bei einem Lupus auftreten können, sind größer als bei jeder anderen Krankheit. Diese Anti­körper bestimmen gemeinsam mit anderen, bisher unbekannten Faktoren, welche Sympto­me auftreten. Daher sind die Art der Symptome und ihre Stärke von Patient zu Patient ver­schieden.

Diskoider Lupus erythematodes betrifft nur die Haut. Dabei gibt es scharf abgegrenzte, runde, rote Flecken auf der Haut, die abschuppen. Manchmal entstehen Narben und haarlose Stel­len. Bei zehn Prozent der Erkrankten können klassische Lupussymptome, z. B. an Gelenken, Nieren und Gehirn, auftreten. Diese sind je­doch gewöhnlich mild.

Symptome

Die Symptome sind von Patient zu Patient ver­schieden. Sie können plötzlich mit Fieber be­ginnen, was auf eine akute Infektion hindeutet. Möglich ist auch eine Entwicklung in Schü­ben über mehrere Monate oder Jahre, bei der es immer wieder zu Fieber, allgemeinem Krank­heitsgefühl und anderen typischen Symptomen kommt. Diese Zeiten wechseln mit solchen ab, die ganz oder beinahe symptomfrei sind. Bei vielen Frauen treten die Schübe in der zweiten Zyklushälfte auf und klingen beim Einsetzen der Menstruation ab.

Migräneähnliche Kopfschmerzen, Epilepsie oder schwere psychische Erkrankungen (Psycho­sen) sind manchmal die ersten Veränderungen, die auffallen. Die Erkrankung kann aber jedes Organsystem betreffen. Etwa 90 Prozent der Lupuspatienten leiden unter Gelenkentzündun­gen, was von leichten Schmerzen bis zu schwe­rer Arthritis in mehreren Gelenken reichen kann. Jahrelange Gelenksymptome können an­deren Beschwerden vorausgehen. Bei chronisch Kranken kann es zu Gelenkverformungen (Jac­coud-Arthropathie) kommen. Im Allgemeinen tritt die Gelenkentzündung jedoch in Schü­ben auf und verursacht keine dauerhaften Schä­den.

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