Kapitel 80BENOMMENHEIT UND SCHWINDEL445

Cluster-Kopfschmerzen sind relativ selten; be­troffen sind ein bis vier von 1000 Personen, vor­nehmlich Männer über 30 Jahren. Die Anfälle können durch Alkohol- oder Nikotinkonsum ausgelöst werden.

Die Schmerzattacken setzen fast immer plötz­lich ein und dauern 15 Minuten bis drei Stun­den. Oft juckt zunächst ein Nasenloch oder sondert Flüssigkeit ab, bis dann heftige Schmer­zen auf dieser Seite des Kopfes und um das Auge herum auftreten. Die Schmerzen reißen die Betroffenen oft aus dem Schlaf. Wegen der star­ken Schmerzen können sie sich nicht hinlegen, sondern laufen herum. Nach dem Anfall kann das Augenlid auf dieser Seite herunterhängen, oft ist die Pupille verengt. Körperliche Aktivi­tät, Licht, Geräusche und Gerüche verstärken die Schmerzen gewöhnlich nicht, sie gehen auch nicht mit Übelkeit oder Erbrechen einher.

Die Anfälle treten zeitweise gehäuft auf; in diesen Phasen können zwei Anfälle pro Woche bis zu mehrere am Tag vorkommen. Meist tre­ten die Attacken über sechs bis acht Wochen auf,

Benommenheit ist ein unscharfer Begriff, der zur Beschreibung verschiedener Empfindungen dient, darunter das Gefühl, das Bewusstsein oder das Gleichgewicht zu verlieren, ein Gefühl des Sich-Drehens, ein vages Gefühl des Weg­getretenseins und der Schwäche. Schwindel im medizinischen Sinne ist eine spezifische Emp­findung, bei der der Betroffene den Eindruck hat, er selbst drehe sich oder alles drehe sich um ihn herum.

Ärzte unterscheiden bei Benommenheit ge­wöhnlich zwischen dem Gefühl, das Bewusst­sein zu verlieren, dem Gefühl, unsicher auf den Beinen zu sein oder gleich zu stürzen, Schwin­del, einer Mischung oder dem Fehlen dieser Typen. Benommenheit kann zeitweilig auftre­ten oder anhaltend sein. Chronische Benom­menheit ist bei älteren Menschen häufiger als bei jüngeren.

Benommenheit und Schwindel

KAPITEL 80

gelegentlich auch länger, worauf sich ein be­schwerdefreies Intervall von mehreren Monaten anschließt, bis es wieder zu Kopfschmerzatta­cken kommt. Sie können immer zur selben Ta­ges- oder Nachtzeit auftreten.

Symptome
Diagnose und Behandlung

Die Diagnose basiert auf der Beschreibung, die der Betroffenen von seinen Kopfschmerzen gibt, und auf den Begleitsymptomen. Wenn sich das Muster der Symptome ändert, kann eine Com­puter- oder Kernspintomographie des Kopfes gemacht werden.

Beim Cluster-Kopfschmerzanfall kann reiner Sauerstoff eingeatmet werden. Eine andere Mög­lichkeit ist die Injektion von Sumatriptan oder Dihydroergotamin. Zur medikamentösen Vor­beugung werden Verapamil, Lithium und Me­thysergid eingesetzt. Methysergid darf aber nicht länger als drei, höchstens vier Monate einge­nommen werden. Bis die vorbeugende Medika­menteneinnahme wirkt, kann zur Überbrü­ckung noch Kortison eingenommen werden, dessen Dosierung dann aber langsam verringert wird, bis es ganz entfällt.

Benommenheit mag beunruhigend sein und sogar an der Bewältigung des Alltags hindern, es liegt ihr aber kaum je eine ernsthafte medizi­nische Störung zugrunde. Jede Form von Be­nommenheit hat in der Regel ihre typische Ur­sache. So kann das Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden, durch ein plötzliches Absinken des Blutdrucks oder durch Herzkranzgefäßerkran­kungen, Arrhythmien und Herzschwäche her­vorgerufen werden, die zu einer ungenügenden Hirndurchblutung führen. Aber auch Angst­störungen und ungewöhnlich rasches Atmen (Hyperventilation) können ein derartiges Ge­fühl hervorrufen.

Gleichgewichtsstörungen können von Seh­problemen, besonders Doppeltsehen, herrühren,

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