Kapitel 89GEHIRN- UND RÜCKENMARKINFEKTIONEN513

Behandlung

Trotz allen Bemühens lassen sich bei einer Krebstherapie Strahlenschäden am Nervensys­tem nicht immer vermeiden. Diese können plötzlich oder allmählich auftauchen, gleich bleiben oder schlimmer werden, vorübergehend oder von Dauer sein. Manchmal machen sich die Schäden erst Monate oder Jahre nach Ab­schluss der Therapie bemerkbar.

Radioaktive Strahlung kann im Gehirn eineakute Enzephalopathie auslösen, bei der sich Flüssigkeit im Gehirn sammelt (Hirnödem) und neurologische Symptome, wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Schläfrigkeit und Ver­wirrtheit, auftreten. Eine akute Enzephalopathie beginnt meist nach ein oder zwei Bestrahlungen, kann aber auch erst zwei bis vier Monate nach Ende der Therapie einsetzen. Im Laufe der Be­handlung klingen die Beschwerden gewöhnlich ab; die Einnahme von Kortison, z. B. von Dexa­methason, hilft unter Umständen, einem Hirn­ödem vorzubeugen oder es zu reduzieren.

Manchmal zeigen sich Hirnschäden erst viele Monate oder Jahre nach der Strahlenbehandlung (Strahlenspätschaden). Diese Wirkungen können

Gehirn und Rückenmark sind erstaunlich wi­derstandsfähig gegen Infektionen, wenn sie aber dennoch einmal davon betroffen sind, hat dies meist sehr ernste Folgen. Die Infektionen kön­nen von Bakterien, Viren, Pilzen, gelegentlich auch von Einzellern oder Parasiten hervorgeru­fen werden. Eine andere Gruppe von Hirnstö-

Strahlenschäden des Nervensystems

Gehirn- und Rückenmark-

infektionen

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nach der Behandlung von Hirntumoren bei Er­wachsenen oder nach einer Strahlenbehandlung bei Leukämie von Kindern auftreten. Mögliche Symptome sind zunehmende Demenzerschei­nungen, Gedächtnisverlust, Schwierigkeiten beim Denken, Wahrnehmungsstörungen, We­sensveränderungen und schwankender Gang.

Die Bestrahlung von Brust oder Nacken kann eine Strahlenmyelopathie auslösen. Dabei kann das Lhermitte-Zeichen (Nackenbeugezeichen) auftreten, bei dem der Betroffene, wenn er den Kopf nach vorne beugt, einen elektrischen Schlag zu bekommen meint, der vom Nacken oder Rü­cken ausgeht und in die Beine schießt. Meist erholen sich die Betroffenen ohne Behandlung.

Eine später einsetzende Form der Strahlenmyelo­pathie entwickelt sich Monate oder Jahre nach Behandlungsende und verursacht Muskelschwä­che, Empfindungsstörungen und manchmal das Brown-Séquard-Syndrom, bei dem eine Körper­hälfte von Schwäche und die andere von einem Ausfall der Schmerz- und Temperaturwahrneh­mung betroffen ist. Auf der geschwächten Kör­perseite kann auch der Lagesinn (die Fähigkeit, ohne hinzusehen die Position von Händen und Füßen festzustellen) beeinträchtigt sein. Diese seltene Krankheit verschwindet in der Regel nicht wieder und führt vielfach zu Lähmungen.

Auch Nerven in der Nähe der bestrahlten Stellen können geschädigt werden. Beispiels­weise kann die Bestrahlung von Brust oder Lun­ge Nerven in den Armen schädigen, was zu Muskelschwäche und Empfindungsstörungen führt. Bestrahlungen in der Leistengegend kön­nen Nerven in den Beinen schädigen, was ver­gleichbare Symptome hervorruft.

Eine Neurofibromatose lässt sich weder aufhal­ten noch heilen. Einzelne Wucherungen kön­nen vielleicht operativ entfernt oder durch eine Strahlentherapie verkleinert werden. Liegen die Wucherungen nah an einem Nerv, muss dieser in der Regel bei der Operation ebenfalls entfernt werden.

rungen, die Infektionen ähneln, die so genann­ten spongiformen Enzephalopathien, werden von Prionen hervorgerufen, winzigen unge­wöhnlichen Eiweißpartikeln .

siehe Seite 526