Jede Körperbewegung, sei es eine Hand heben oder Lächeln, erfordert eine komplexe Kommu­nikation zwischen Zentralnervensystem (Ge­hirn und Rückenmark), Nerven und Muskeln. Ist ein Bereich des Nervensystems, der Bewe­gungen steuert, geschädigt oder nicht funktions­tüchtig, kommt es bei der betroffenen Person zu einer der zahlreichen Bewegungsstörungen.

Je nach Art und Sitz der Schädigung oder Fehl­funktion können sich verschiedene Formen von Bewegungsstörungen entwickeln. So kann eine Schädigung der Verbindung zwischen Gehirn und Rückenmark zu einer Schwäche oder Läh­mung der Muskeln führen, die an Willkürbewe­gungen beteiligt sind und stattdessen Reflex­bewegungen verstärken. Eine Schädigung der Basalganglien (eine Sammlung von Nervenzel­len tief innen an der Basis des Gehirns) kann zu unwillkürlichen oder verminderten Bewegungen führen, aber nicht zu einer Muskelschwäche oder Reflexveränderungen. Eine Schädigung des Kleinhirns ruft Koordinationsstörungen hervor. Einige Bewegungsstörungen, wie Schluckauf, halten nur kurze Zeit an und verursachen in der Regel kaum Probleme. Andere, wie die Parkin­son-Krankheit, sind ernst und schreiten fort; sie beeinträchtigen die Fähigkeit zu gehen, zu spre­chen, die Hände zu gebrauchen und zu stehen.

Myoklonien sind blitzartige Muskelanspan­nungen, die dazu führen, dass die beteiligten Muskeln gleichzeitig kurz zucken .

Myoklone Zuckungen ähneln plötzlichen Mus­kelkrämpfen, aber die Muskelkontraktionen beginnen und enden rascher, sie dauern nur einige Augenblicke. Sie können eine Hand, eine Gruppe von Muskeln im Oberarm oder Ober­schenkel oder auch eine Gruppe von Gesichts­muskeln betreffen. Schluckauf ist eine Form von Myoklonie, an der nur die Zwerchfellmus­kulatur beteiligt ist, die den Brust- vom Bauch­raum trennt. Myoklonien können aber auch viele Muskeln gleichzeitig betreffen.

Myoklonien können ganz normal sein, wie häufig beim Einschlafen. Oder sie können aus einem Leber- bzw. Nierenversagen resultieren.

Myoklonien

KAPITEL 91

Bewegungsstörungen

Auch nach einem Herzstillstand können Myo­klonien auftreten, ebenso nach der Einnahme hoher Dosen von Medikamenten, wie Levodopa oder Wismut. Weitere mögliche Ursachen sind bestimmte Anfallkrankheiten (progressive myo­klone Epilepsie), degenerative Alterserkrankun­gen (wie Alzheimer), Prionenkrankheiten (wie Creutzfeldt-Jakob) und Kopfverletzungen.

Sind die myoklonen Zuckungen so heftig, dass eine Behandlung erforderlich ist, helfen möglicherweise Medikamente gegen Krampf­anfälle, wie Clonazepam oder Valproinsäure .

Ein gewisses Zittern, der physiologische Tre­mor, ist bei allen Menschen vorhanden. So zit­tert eine ausgestreckte Hand bei den meisten Menschen leicht. Ein derartiger leichter, ra­scher Tremor spiegelt die präzise, von Sekunde zu Sekunde erfolgende Kontrolle der Muskeln durch die Nerven wider. Meist ist dieser Tre­mor zu gering, um aufzufallen.

Zu den Faktoren, die den Tremor verstärken können, gehören Stress, Angst, Müdigkeit, Al­koholentzug, eine Schilddrüsenüberfunktion, Koffeinkonsum und die Einnahme von anregen­den Mitteln, wie Ephedrin.

Es gibt mehrere Formen von ungewöhnli­chem Tremor. Sie werden danach unterteilt, wie schnell (Frequenz) und wie stark (Ampli­tude) das Zittern ist, wie häufig es auftritt und wie heftig es ist, und ob es in Ruhe auftritt, bei Bewegungen oder am Ende einer zielgerichteten Handlung.

Ein essentieller Tremor zeichnet sich durch ra­sche, kleine Ausschläge aus und dadurch, dass er gewöhnlich in jungen Jahren beginnt, all­mählich immer offensichtlicher wird und kei­nen erkennbaren Grund hat. Einen essentiellen Tremor, der erst im Alter einsetzt, bezeichnet

Zittern

Unter Tremor versteht man ein unwillkürli­ches rhythmisches Zittern, das entsteht, wenn sich Muskeln wiederholt zusammenziehen und erschlaffen .

siehe Tabelle Seite 484