Kreuz- und Rückenschmerzen sind ein überaus bedeutendes Gesundheitsproblem. Zwischen 25 und 40 Prozent der erwachsenen Bevölke­rung leiden daran. Kreuz- und Rückenschmer­zen sind der Hauptgrund für Berufsunfähigkeit.

Die Wirbelsäule besteht aus Wirbeln, die durch stoßdämpfende Knorpelscheiben, so genannte Bandscheiben, getrennt sind. Die Wirbel sind ebenfalls von einer dünnen Knorpelschicht über­zogen. Sie werden von Bändern und Muskeln, die zur Stabilisierung der Wirbelsäule beitragen, an ihrem Platz gehalten. Zu diesen Muskeln ge­hören die beiden Muskelgruppen, die rechts und links der Wirbelsäule verlaufen, die beiden Rückenstreckergruppen, die der ganzen Länge nach hinter der Wirbelsäule verlaufen und die vielen kurzen Paraspinalmuskeln, die zwischen den Wirbeln verlaufen. Auch die Bauchmusku­latur (die vom unteren Rand des Brustkastens zum Becken verläuft) trägt dazu bei, die Wirbel­säule zu stabilisieren.

Eingeschlossen in der Wirbelsäule liegt das Rü­ckenmark . Über die gesamte Länge der Wirbel­säule treten aus Lücken zwischen den Wirbeln die Spinalnerven aus, die mit Nerven im ganzen Körper in Kontakt stehen. Der dem Rückenmark am nächsten gelegene Teil der Spinalnerven wird als Spinalnervenwurzel bezeichnet. Aufgrund ihrer Lage können die Wurzeln der Spinalnerven gequetscht werden, wenn die Wirbelsäule ver­letzt wird, und das führt zu Schmerzen.

Die Lendenwirbelsäule besteht aus fünf Wir­beln; sie verbindet den Brustkorb mit dem Be­cken und den Beinen und ermöglicht es dem Oberkörper, sich zu beugen, aufzurichten und zu drehen. Darüber hinaus liefert sie die nötige Stabilität für Stehen, Gehen und Heben. Die Kreuzregion ist also an fast allen Alltagsaktivi­täten beteiligt; daher können Kreuzschmerzen viele Aktivitäten beeinträchtigen und die Le­bensqualität mindern.

Ursachen

Kreuz- und Rückenschmerzen können viele Ur­sachen haben, dennoch ist häufig kein spezi­fischer Auslöser auszumachen.

Eine der häufigsten Ursachen sind Muskel- und Bänderzerrungen. Zerrungen können aus sportlicher Betätigung, dem Heben von Lasten und ungewöhnlichen Bewegungen resultieren.

KAPITEL 94

Kreuz- und Rückenschmerzen

Das Kreuz wird leichter verletzt, wenn jemand in schlechtem körperlichen Zustand ist und seine Rückenmuskulatur schwach ausgebildet ist. Auch eine schlechte Körperhaltung, fal­sches Heben, Übergewicht und Müdigkeit kön­nen zu Kreuzschmerzen führen.

Eine auf die Knochen übergreifende Gelenk­entzündung führt dazu, dass die Knorpelschicht, die die Wirbel überzieht und schützt, abgebaut wird. Diese Störung geht vermutlich zumindest teilweise auf eine altersbedingte Abnutzung zu­rück. Die Bandscheiben zwischen den Wirbeln verlieren an Elastizität und werden dünner, so­dass sich die Abstände zwischen den Wirbeln verkleinern und die Spinalnervenwurzeln ge­quetscht werden. An den Wirbeln können sich zudem Knochenvorsprünge (Knochensporne) entwickeln, die ebenfalls auf die Nervenwur­zeln drücken. All dies kann zu Schmerzen und Steifheit führen.

Bei der Osteoporose nimmt die Knochendich­te ab, sodass die Knochen leichter brechen. Die Wirbel werden besonders leicht brüchig, was oft zu Kompressionsfrakturen und Quetschungen der Spinalnervenwurzeln führt; Ersteres kann plötzliche, starke Rückenschmerzen, Letzteres chronische Rückenschmerzen hervorrufen. Die meisten Knochenbrüche aufgrund einer Osteo­porose treten im oberen und mittleren Rücken­bereich auf und rufen dort Schmerzen hervor.

Auch ein Bandscheibenvorfall kann zu Kreuz­schmerzen führen. Eine Bandscheibe hat eine harte Außenschicht und einen weichen Kern. Wenn plötzlich der darüber und der darunter liegende Wirbel auf die Bandscheibe drückt – wie beim Heben eines schweren Gegenstands –, kann die Hülle reißen, und der weiche Kern wölbt sich nach außen. Ein solcher Bandscheiben­vorfall verursacht Schmerzen, weil er auf die nächstgelegene Spinalnervenwurzel drückt, sie reizt und unter Umständen auch schädigt. Ein Bandscheibenvorfall ist auch eine häufige Ur­sache für ein Ischiassyndrom (»Hexenschuss«).

Bei älteren Menschen verengt sich der Raum um das Rückenmark (Spinalstenose), was zu Kreuzschmerzen führen kann. Dasselbe gilt für Menschen in mittleren Jahren, die mit einem

siehe Seiten 419  und 546