Kapitel 95ERKRANKUNGEN DES PERIPHEREN NERVENSYSTEMS561

narkose zu entfernen. Immer häufiger wird das mikrochirurgisch gemacht, wobei ein winziger Schnitt ausreicht. Nach ein paar Wochen kön­nen die meisten Patienten ihr Alltagsleben wieder aufnehmen.

Bei einer schweren Spinalstenose kann man den Wirbelkanal dadurch erweitern, dass man einen größeren Teil der Wirbel unter Vollnar-

Zum peripheren Nervensystem gehören alle Nerven außerhalb des zentralen Nervensys­tems, das aus Gehirn und Rückenmark besteht. Die Nerven, die Kopf, Gesicht, Augen, Nase und Ohren mit dem Gehirn verbinden (Hirn­nerven ), sowie sämtliche Nervenverbindun­gen zwischen Rückenmark und dem übrigen Körper (einschließlich der 31 Spinalnervenpaa­re) sind Bestandteil des peripheren Nerven­systems.

Funktionsstörungen der peripheren Nerven können durch Schäden an jedem beliebigen Teil des Nervs – am Axon, der die Signale überträgt, am Zellkörper oder an der Myelinscheide, die dafür sorgt, dass die Impulse im Axon rasch wei­tergeleitet werden , – verursacht werden. Eine Schädigung der motorischen Nerven, die die Muskelbewegungen auslösen, führt zu Muskel­schwäche und Lähmung. Durch geschädigte sensorische Nerven, welche die Information von den Sinnesorganen zum Gehirn leiten, kommt es zu Empfindungsstörungen oder -verlust.

Damit die Muskeln normal funktionieren, müssen Muskelgewebe und Nervenverbindun­gen zwischen Gehirn und Muskel intakt sein. Ohne angemessene Nervenreize werden die Muskeln schwach und verkümmern (Atrophie) bis hin zu einer vollständigen Lähmung (Ato­nie) – selbst wenn die Muskeln völlig normal sind.

Störungen der Muskelsteuerung

Erkrankungen des peripheren

Nervensystems

kose entfernt. Bis die Betroffenen ihre Alltags­geschäfte wieder aufnehmen können, vergehen in der Regel drei bis vier Monate.

Ist die Wirbelsäule aufgrund einer Osteoporo­se instabil, kann man die Wirbel miteinander verschweißen. Das vermindert jedoch die Be­weglichkeit und belastet die übrige Wirbelsäule zusätzlich.

KAPITEL 95

Zu den Muskelkrankheiten, die auf Funk­tionsstörungen der Nerven beruhen, gehören die amyotrophische Lateralsklerose, die primä­re Lateralsklerose, die progressive Pseudobul­bärparalyse, die progressive Muskelatrophie, die progressive Bulbärparalyse und das Post­poliomyelitis-Syndrom. Männer sind häufiger von solchen Störungen betroffen als Frauen. Die ersten Symptome treten in der Regel nach dem 50. Lebensjahr auf. Fast immer ist die Ur­sache der Störung unbekannt. Bei etwa zehn Prozent scheint eine erbliche Veranlagung eine Rolle zu spielen.

Die Krankheiten ähneln einander, denn bei allen werden motorische Nerven in Rücken­mark oder Gehirn allmählich abgebaut; die Folge ist eine Muskelschwäche bis hin zur Läh­mung. Jede der Krankheiten betrifft aber einen anderen Teil des Nervensystems und einen anderen Satz von Muskeln, sodass jeweils ver­schiedene Körperteile besonders stark beein­trächtigt sind.

Symptome

Die amyotrophische Lateralsklerose (ALS) ist eine fortschreitende Krankheit, die meist mit Schwä­che in den Händen, seltener in den Füßen, be­ginnt. Die Muskelschwäche kann sich auf einer Körperseite mehr verstärken als auf der anderen und weitet sich gewöhnlich über den Arm bzw. das Bein aus. Auch Krämpfe kommen häufig vor,

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