Kapitel 100ANGSTSTÖRUNGEN593

tung und zu Schwierigkeiten bei der Bewälti­gung des Alltags.

Symptome

Die Symptome können sich allmählich oder ab­rupt entwickeln und in ihrer Stärke variieren. Ohne Behandlung bleiben sie häufig bestehen. Am häufigsten richtet sich das Augenmerk der Betroffenen auf Äußerlichkeiten an Kopf und Gesicht; die Sorgen können aber jede beliebige andere Körperregion betreffen und von einem zum anderen Körperteil wandern. Als Probleme werden beispielsweise ausfallende Haare, Ak­ne, Falten, Narben, Gesichtsfarbe und übermä­ßige Gesichtsbehaarung genannt oder Größe und Form von Nase, Augen, Ohren, Mund, Brüsten und Gesäß gelten als unerträglich. Eini­ge athletisch gebaute junge Männer finden sich schmächtig und versuchen wie besessen, Ge­wicht anzusetzen und Muskeln aufzubauen.

Menschen mit einer körperdysmorphen Stö­rung fällt es schwer, ihre ständige Beschäfti­gung mit dem eigenen Körperbild zu kontrollie­ren, ihre Gedanken kreisen stundenlang um ihren eingebildeten körperlichen Makel. Viele überprüfen sich ständig im Spiegel, andere mei­den Spiegel völlig, und wiederum andere wech­seln zwischen beiden Verhaltensweisen. Die meisten versuchen, ihren eingebildeten Mangel

Angststörungen stellen einen Zustand belas­tender, chronischer, aber schwankender Nervo­sität dar, für die die Lebensumstände der Per­son keinen angemessenen Grund erkennen lassen.

Angst ist eine normale Reaktion auf eine Be­drohung oder psychische Belastung, wie sie

Angststörungen

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zu vertuschen – z. B. indem sie sich einen Bart wachsen lassen, um »Narben« zu kaschieren, oder einen Hut tragen, um »ausdünnendes« Kopfhaar zu verbergen. Viele unterziehen sich – manchmal mehrfach – medizinischen, zahn­ärztlichen und chirurgischen Eingriffen, um ihre vermeintlichen Mängel zu korrigieren, was ihre Fixierung auf ihr Aussehen noch verstär­ken kann.

Menschen mit einer körperdysmorphen Stö­rung können gehemmt sein, die Öffentlichkeit meiden, nicht zur Arbeit gehen und nicht an sozialen Aktivitäten teilnehmen. Manchen ver­lassen ihr Zuhause nur nachts, andere gar nicht. Dieses Verhalten kann zu sozialer Isolation führen. Die psychische Belastung und Proble­me, die im Zusammenhang mit dieser Störung auftreten, können wiederholte Krankenhaus­aufenthalte und Selbstmordversuche nach sich ziehen.

Diagnose und Behandlung

Menschen mit einer körperdysmorphen Stö­rung sind fest davon überzeugt, körperliche Mängel zu haben, die nicht vorhanden oder nur geringfügig sind. Die Störung beginnt gewöhn­lich im Jugendalter und tritt offenbar bei Män­nern und Frauen gleichermaßen auf.

Menschen mit einer körperdysmorphen Stö­rung sprechen häufig nicht über ihre Probleme. So kann es sein, dass die Störung jahrelang ver­borgen bleibt. Sie unterscheidet sich von der normalen Sorge ums Aussehen, weil sie sehr viel Zeit verschlingt, eine starke psychische Belastung darstellt und den Alltag deutlich er­schwert.

Informationen über eine wirksame Behand­lung sind rar. Oft hilft eine Behandlung mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehem­mern, einer Gruppe von Antidepressiva. Eine kognitiv-behaviorale Therapie kann die Sym­ptome ebenfalls lindern.

jeder schon einmal erlebt hat. Normale Angst wurzelt in Furcht und hat eine wichtige Über­lebensfunktion. Angesichts einer gefährlichen Situation löst Angst die »Kampf-oder-Flucht«-Reaktion aus. Durch diese Reaktion versorgt eine Reihe körperlicher Veränderungen, wie eine erhöhte Durchblutung von Herz und Skelettmuskulatur, den Körper mit der nötigen