Kapitel 100ANGSTSTÖRUNGEN601

können einen Menschen verfolgen. Beispiele für traumatische Ereignisse sind Gewalterfah­rungen im Krieg und Alltag, sei es als Opfer oder Zeuge, Naturkatastrophen (z. B. eine Flut) und schwere Verkehrsunfälle. Manchmal setzen die Symptome einer posttraumatischen Belas­tungsstörung erst Monate oder sogar Jahre nach dem Ereignis ein. Wenn eine posttraumatische Belastungsstörung drei Monate und länger an­hält, gilt sie als chronisch.

Bereits Kinder können unter posttraumati­schen Belastungsstörungen leiden .

Bei der posttraumatischen Belastungsstörung wird die traumatische Situation immer wieder durchlebt, meist in Alpträumen und Rückblen­den. Besonders belastend ist es für den Betrof­fenen, wenn er einem Ereignis oder einer Situa­tion ausgesetzt ist, die ihn an das ursprüngliche Trauma erinnert, z. B. der Anblick einer Pistole für das Opfer eines Raubüberfalls oder das Sit­zen in einem kleinen Boot für jemanden, der einmal beinahe ertrunken ist.

Die Betroffenen meiden konsequent alles, was sie an die traumatische Situation erinnert. Sie versuchen unter Umständen auch, Gedan­ken, Gefühle und Gespräche über das trauma­tische Ereignis zu vermeiden, und ziehen sich von Aktivitäten, Situationen und Menschen zurück, die sie daran erinnern. Dieses Vermei­dungsverhalten kann dazu führen, dass die Be­troffenen bestimmte Aspekte des traumatischen Ereignisses tatsächlich vergessen (Amnesie). Die emotionalen Reaktionen der Betroffenen stumpfen ab, und sie haben Schlafstörungen. Auch Symptome einer Depression finden sich oft, und die Betroffenen verlieren das Interesse an Aktivitäten, die ihnen zuvor Spaß gemacht haben. Schuldgefühle sind ebenfalls häufig.

Behandlung

Für die Behandlung einer posttraumatischen Belastungsstörung kommen Verhaltensthera­pie, Medikamente und Psychotherapie infrage. Wegen der oft intensiven Ängste, die mit trau­matischen Erinnerungen einhergehen, spielt die unterstützende Psychotherapie eine wichti­ge Rolle. Der Therapeut geht einfühlsam und verständnisvoll auf die psychischen Qualen des Betroffenen ein. Er versichert dem Patienten, dass seine Reaktion berechtigt ist und ermutigt ihn, sich im Rahmen der Therapie seinen Er­innerungen zu stellen. Der Patient lernt, Ängste unter Kontrolle zu halten, damit er die schmerz­lichen Erinnerungen verarbeiten und in seine Persönlichkeit einfügen kann.

Menschen mit posttraumatischer Belastungs­störung fühlen sich oft schuldig. In solchen Fällen kann eine Psychotherapie den Betroffe­nen helfen, zu verstehen, warum sie sich selbst bestrafen und ihre Schuldgefühle loszuwerden.

Antidepressiva und Angst lösende Medika­mente scheinen von gewissem Nutzen zu sein, besonders selektive Serotonin-Wiederaufnah­mehemmer, trizyklische Antidepressiva und Monoaminoxidasehemmer.

Eine chronische posttraumatische Belastungs­störung verschwindet möglicherweise nicht, kann aber im Laufe der Zeit auch ohne Behand­lung abnehmen. Dennoch bleiben viele Betrof­fene dauerhaft beeinträchtigt.

Die Betroffenen haben etwas Schreckliches er­lebt. In Gedanken durchleben sie dieses Ereig­nis immer wieder, vermeiden Dinge, die Erin­nerungen daran auslösen, und sind verstärkt ängstlich. Zudem sind drei und mehr der fol­genden Symptome vorhanden:

• Ein Gefühl der Abgestumpftheit, Losgelöst­heit oder mangelnde Gefühlsreaktionen

• Verminderte Wahrnehmung der Umgebung (z. B. Benommenheit)

• Ein Gefühl der Unwirklichkeit Dingen ge­genüber

• Ein Gefühl der Unwirklichkeit sich selbst gegenüber

• Unfähigkeit, sich an wichtige Teile des trau­matischen Ereignisses zu erinnern

Behandlung

Die akute Belastungsreaktion endet bei vielen Menschen, sobald sie aus der traumatischen Situation befreit sind, sie ausreichend Unter­stützung in Form von Verständnis und Einfüh­lung in ihr Leid bekommen und sie Gelegenheit erhalten zu beschreiben, was passiert ist und wie sie reagiert haben. Vielen hilft es, mehr­mals von ihren Erfahrungen zu sprechen.

Akute Belastungsreaktion

Die akute Belastungsreaktion ähnelt der post­traumatischen Belastungsstörung, nur beginnt sie innerhalb von vier Wochen nach dem trau­matischen Ereignis und dauert zwei bis vier Wochen.

siehe Kasten Seite 1619