Kapitel 104SEXUALITÄT UND PSYCHOSEXUELLE STÖRUNGEN615

Antidepressiva, wie selektive Serotonin-Wie­deraufnahmehemmer, sind ähnlich gut wirk­sam. Wenn das Mittel abgesetzt wird, kann es jedoch zu einem Rückfall kommen.

Die Esssucht ist durch Essanfälle gekennzeich­net, auf die keine Entleerung folgt.

Bei dieser Störung sorgen Essanfälle für eine übermäßige Kalorienaufnahme und damit für eine Gewichtszunahme. Die Störung tritt vor­wiegend bei Übergewichtigen auf und wird mit zunehmendem Körpergewicht häufiger. Die Be­troffenen sind in der Regel älter als die Men­schen mit Magersucht und Ess-Brechsucht, und es sind mehr Männer unter ihnen.

Sexuelles Verlangen ist Bestandteil des Lebens gesunder Menschen. Welche Formen sexuellen Verhaltens und welche Einstellungen zur Sexua­lität als normal angesehen werden, ist aller­dings innerhalb einer Gesellschaft, in verschie­den Kulturen und zu unterschiedlichen Zeiten sehr variabel. Was »normale« Sexualität ist, lässt sich wahrscheinlich gar nicht definieren. Nicht nur die Sexualpraktiken, auch die Häufigkeit und der Wunsch nach sexueller Erfüllung un­terliegen großen Schwankungen.

Sexuelle Aktivität ist nicht an das Alter ge­bunden. Viele ältere Menschen haben bis ins hohe Alter ein befriedigendes Sexualleben. Se­xuelle Funktionsstörungen wie Impotenz bei Männern und Schmerzen beim Verkehr, Va­ginismus oder Anorgasmie bei der Frau kön­nen Menschen aller Altersstufen betreffen.

Die Einstellung der Gesellschaft zur Sexualität verändert sich. Beispiele dafür sind die gesell­schaftliche Einstellung zu Selbstbefriedigung, Homosexualität und sexuelle Aktivität mit häu­fig wechselnden Partnern (Promiskuität).

psychosexuelle Störungen

Sexualität und 

KAPITEL 104

Esssüchtige wählen gewöhnlich sehr kalo­rienreiche Nahrungsmittel (z. B. Kuchen und Eiscreme) und die Essanfälle werden geheim ge­halten.

Menschen mit derartigen Essanfällen leiden unter ihrem Verhalten. Etwa die Hälfte ist de­pressiv. Die Störung verursacht zwar keine kör­perlichen Probleme wie die Bulimie, kann aber zu all den Problemen führen, die mit Fettleibig­keit einhergehen.

Behandlung

Esssucht

Abmagerungsdiäten werden der Störung nicht gerecht; sie können das Problem vielmehr ver­stärken. Besser geeignet sind psychotherapeu­tische Ansätze, vor allem in Gruppen durch­geführte Therapien (z. B. bei den »Weight Watchers«).

So galt Selbstbefriedigung (Masturbation, Onanie) früher als pervers und sogar als Ursache für Geisteskrankheiten; heute sieht man in ihr eine normale sexuelle Aktivität während des ganzen Lebens. Selbstbefriedigung ist zwar nor­mal, kann aber Schuldgefühle und psychisches Leid auslösen, die sich durch die missbilligende Einstellung anderer erklären. Dies kann erheb­lich belasten und sogar zu sexuellen Funktions­störungen führen.

Wie die Selbstbefriedigung sah die Medizin die Homosexualität lange Zeit als »abartig« an. Homosexualität ist jedoch eine von Kindheit an bestehende sexuelle Orientierung, die die Er­wachsenen dann zu einem homosexuellen Le­ben führt. Viele Menschen machen in der Ju­gend Erfahrungen mit Gleichgeschlechtlichen, leben als Erwachsene aber heterosexuell .

Homosexuelle entdecken, dass sie sich zu

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