Schizophrenie ist eine schwere psychische Stö­rung, die durch einen Verlust des Realitäts­bezugs (Psychose), Halluzinationen (gewöhn­lich Hören von Stimmen), Wahnvorstellungen, abwegiges Denken, Gefühlsverflachung und Antriebsschwäche gekennzeichnet ist und das gesellschaftliche und berufliche Leben beein­trächtigt.

Schizophrenie ist in der ganzen Welt ein be­deutendes gesundheitliches Problem. An ihr er­kranken in der Regel junge Menschen, und zwar gerade in dem Zeitraum, in dem sie unabhängig werden, und die Erkrankung kann zu lebens­langer Invalidität und Stigmatisierung führen.

Wann eine Schizophrenie einsetzt, ist oft schwer zu bestimmen, denn weil die Symptome nicht richtig gedeutet werden, dauert es oft mehrere Jahre, bis ein Betroffener medizinische Hilfe bekommt. Das durchschnittliche Alter für den Ausbruch einer Schizophrenie beträgt 18 Jahre bei Männern und 25 Jahre bei Frauen; nur selten erkranken Menschen im Kindes- oder Teenageralter oder im höheren Alter.

Wenn jemand mit seinem Alltag immer schlechter zurechtkommt, kann dies zu Alkohol- und Drogenmissbrauch, Armut und Obdachlo­sigkeit führen. Menschen mit einer unbehandel­ten Schizophrenie verlieren unter Umständen den Kontakt zu Familie und Freunden.

Schizophrenie

Ursachen

Schizophrenie und wahnhafte Störungen sind unterschiedliche Erkrankungen, denen bestimm­te Merkmale gemein sein können, z. B. Wahn­vorstellungen (Paranoia), Misstrauen und un­realistisches Denken. Schizophrenie ist jedoch eine Psychose, die mit dem Verlust des Reali­tätsbezugs und einem Abbau der allgemeinen Funktionsfähigkeit einhergeht. Bei wahnhaften Störungen bleibt der Realitätsbezug dagegen erhalten, abgesehen von dem sehr spezifischen und eng begrenzten unrealistischen Denken, das die Wahnvorstellungen beinhaltet. Zudem ist Schizophrenie relativ häufig, während wahn­hafte Störungen selten sind.

Störungen

KAPITEL 107

Schizophrenie und wahnhafte

Die eigentliche Ursache der Schizophrenie ist unbekannt, doch der heutige Stand der For­schung spricht für eine Kombination von ge­netischen und umweltbedingten Faktoren. Grundsätzlich handelt es sich jedoch um ein biologisches Problem, nicht um eines, das durch eine schwere Kindheit oder eine psy­chisch belastende Umgebung hervorgerufen wird. Bei Menschen mit einem schizophrenen Elternteil oder Geschwister ist das Risiko, ebenfalls zu erkranken, erhöht. Wenn bei einem eineiigen Zwillingspaar einer der Zwillinge unter Schizophrenie leidet, beträgt die Erkran­kungswahrscheinlichkeit für den anderen Zwil­ling 50 Prozent. Das spricht für eine starke erb­liche Komponente.

Zu den anderen möglichen Ursachen zählen z. B. Probleme vor, während und nach der Geburt, wie eine Grippeinfektion im zweiten Schwanger­schaftsdrittel, Sauerstoffmangel bei der Geburt, geringes Geburtsgewicht und eine Blutgruppen­unverträglichkeit von Mutter und Kind.

Symptome

Die Symptome können plötzlich, innerhalb von Tagen und Wochen, oder langsam und schlei­chend über Jahre hinweg einsetzen. Stärke und Art der Symptome sind individuell verschieden, gewöhnlich sind sie aber so ausgeprägt, dass sie die Fähigkeit beeinträchtigen, einer Arbeit nach­zugehen, mit anderen Menschen umzugehen und für sich selbst zu sorgen. Bei manchen Men­schen mit Schizophrenie nimmt die geistige Leistungsfähigkeit ab, was zu Konzentrations­problemen, Schwierigkeiten beim abstrakten Denken und beim Lösen von Problemen führt. Das Nachlassen der geistigen Fähigkeiten spielt bei den Behinderungen, unter der Menschen mit Schizophrenie leiden, eine Hauptrolle.

Stress, wie belastende Lebenserfahrungen, und Drogen- (auch Marihuana) und Medikamenten­missbrauch kann die Symptome auslösen bzw. verschlimmern. Die Symptome einer Schizo­phrenie lassen sich drei Hauptgruppen zuord-

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