Kapitel 111ERKRANKUNGEN DER SPEICHELDRÜSEN655

Umständen, Reizstoffe, wie Alkohol, Gewürze und Tabak, wegzulassen, die Marke von Zahn­pasta, Mundwasser oder Kaugummi zu wech­seln und einen scharfkantigen Zahn richten zu

Es gibt drei große Speicheldrüsenpaare im Mund. Das größte Paar liegt direkt hinter dem Kiefer­gelenk vor den Ohren (Ohrspeicheldrüse, Paro­tis). Zwei kleinere Paare, die Unterzungenspei­cheldrüse und die Unterkieferspeicheldrüse, liegen unterhalb des Mundbodens. Weitere klei­ne Speicheldrüsen sind im ganzen Mundraum verteilt. All diese Drüsen produzieren Speichel, der bei der Verdauung der Nahrung hilft.

Neben Krebs sind es besonders zwei Stö­rungen, die die Speicheldrüsen betreffen: eine führt zu einer Fehlfunktion der Speicheldrüsen, sodass nicht genug Speichel produziert wird, eine weitere bewirkt ein Anschwellen der Spei­cheldrüsen. Bei zu geringem Speichelfluss fühlt sich der Mund trocken an (Xerostomie).

Fehlfunktion der Speicheldrüsen

Gewisse Erkrankungen und Störungen können zu einer Fehlfunktion der Speicheldrüsen füh­ren und damit die Speichelproduktion verrin­gern. Dazu gehören die Parkinson-Krankheit, Depressionen, chronische Schmerzen, eine HIV-Infektion und das Sjögren-Syndrom. Auch Antidepressiva, Antihistaminika, Neurolepti­ka, Beruhigungsmittel, Methyldopa und Ent­wässerungsmittel können die Speichelproduk­tion reduzieren.

Nach einer Chemotherapie und nachdem ein Patient im Rahmen einer Krebsbehandlung im Kopf- oder Halsbereich bestrahlt wurde, funk­tionieren die Speicheldrüsen oft nicht mehr richtig. Eine Mundtrockenheit aufgrund einer Bestrahlung bleibt gewöhnlich bestehen, be­sonders wenn hohe Strahlendosen eingesetzt wurden. Bei einer Chemotherapie erholen sich die Speicheldrüsen nach gewisser Zeit gewöhn­lich wieder.

Nicht immer beruht Mundtrockenheit auf einer Fehlfunktion der Speicheldrüsen. Sie kann

Erkrankungen der Speicheldrüsen

lassen. Auch Spülungen mit warmem Salz­wasser können hilfreich sein. Soor kann mit dem Pilzmittel Nystatin behandelt werden, das auf die Mundschleimhaut aufgetragen wird.

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auch auftreten, wenn man zu wenig trinkt und durch den Mund atmet; weitere mögliche Ur­sachen sind Angst und Stress. Mit zunehmen­dem Alter kann der Mund ebenfalls trockener werden; oft liegt dieses aber eher an den Medi­kamenten, die die Menschen einnehmen, als am Alterungsprozess.

Da Speichel einen gewissen natürlichen Schutz vor Zahnschäden darstellt, bilden sich bei wenig Speichel eher Löcher in den Zähnen – besonders an den Zahnwurzeln. Starke Mund­trockenheit kann zu Sprach- und Schluck­schwierigkeiten führen.

Nur selten produzieren die Speicheldrüsen zu viel Speichel. Eine erhöhte Speichelproduktion hält gewöhnlich nur sehr kurz an und tritt beim Verzehr bestimmter – häufig besonders saurer – Lebensmittel auf. Oft genügt es schon, an diese Lebensmittel zu denken, damit sich die Spei­chelproduktion erhöht.

 

Anschwellen der Speicheldrüsen

Die Speicheldrüsen schwellen an, wenn einer der Gänge, durch die der Speichel in den Mund fließt, verstopft ist. Besonders beim Essen kann es dann zu Schmerzen kommen.

Der häufigste Grund für eine solche Verstopfung ist ein so genannter Speichelstein. Durch ihn wird der Speichel zurückgehalten, und die Drüse schwillt an. Außerdem können Bakterien die Drüse infizieren. Wenn die Schwellung kurz vor den Mahlzeiten zunimmt oder dann, wenn der Betroffene etwas Saures isst, handelt es sich wahrscheinlich um einen verstopften Drüsen­gang, denn die Erwartung der Nahrung regt die Speichelproduktion an, aber der Speichel kann nicht abfließen, wenn der Gang versperrt ist.

siehe Seite 662