Wunde Stellen im Mund variieren in Aussehen und Größe beträchtlich. Einige sind erhaben und mit Flüssigkeit gefüllt (dann werden sie als Blase oder Bulla bezeichnet), andere können ge­schwürig sein. Ein Geschwür (Ulkus) ist ein Loch, das sich in der Mundschleimhaut bildet, wenn die oberste Zellschicht zerstört wird und das darunter liegende Gewebe sichtbar wird. Wegen der toten Zellen und der Nahrungsreste, die sich in der Vertiefung ablagern, erscheint ein solches Geschwür weiß.

Wunde Stellen und Bläschen können überall im Mund auftreten, innen und außen. Aphthen und Lippenherpes (Fieberbläschen) sind wohl die bekanntesten, aber es gibt viele weitere Typen und Ursachen für wunde Stellen am Mund. Jede derartige Stelle, die länger als zehn Tage bestehen bleibt, sollte von einem Arzt oder Zahnarzt untersucht werden, um sicher­zustellen, dass es sich nicht um etwas handelt, woraus eine Krebserkrankung entstehen kann.

Aphthen sind kleine, schmerzhafte Geschwüre im Mundinneren.

Aphthen sind sehr häufig. Ihre Ursache ist nicht bekannt, aber offenbar spielt Stress eine Rolle. Eine Aphthe zeigt sich als runder, weißer Fleck mit rotem Rand. Die Entzündung bildet sich fast immer auf weichen, lockeren Geweben, ins­besondere auf den Innenseiten von Lippen und Wangen, auf der Zunge, dem weichen Gaumen und manchmal im Rachen. Kleine Entzündun­gen (mit einem Durchmesser von weniger als einem Zentimeter) treten oft zu zweit oder dritt auf; im Allgemeinen verschwinden sie inner­halb von zehn Tagen von selbst und hinterlassen keine Narben. Größere Aphthen sind seltener; sie können unregelmäßig geformt sein, mehrere Wochen brauchen, um abzuheilen, und hinter­lassen häufig Narben. Aids-Kranke haben oft gro­ße Aphthen, die wochenlang bestehen bleiben.

Viele Betroffene leiden immer wieder – oft mehrmals im Jahr – unter Aphthen.

Symptome und Diagnose

Eine Aphthe macht sich hauptsächlich durch Schmerzen bemerkbar, die gewöhnlich sehr viel

Aphthen

KAPITEL 112

Wunde Stellen im Mund

stärker sind, als man es von einer so kleinen Entzündung erwartet. Die Schmerzen, die vier bis zehn Tage anhalten, verschlimmern sich, wenn der Betroffene heiße oder scharfe Ge­richte zu sich nimmt. Eine schwere Aphthen­bildung kann Fieber, Schwellungen der Lymph­knoten im Hals und ein Gefühl allgemeiner Erschöpfung verursachen.

Ein Arzt oder Zahnarzt erkennt eine Aphthe anhand ihres Aussehens und der Schmerzen, die sie hervorruft.

Behandlung

Die Behandlung besteht darin, die Schmerzen zu lindern, bis die Entzündungen von selbst heilen. Ein Mittel zur örtlichen Betäubung, z. B. Lidokain, kann auf die betroffenen Stellen ge­tupft oder als Mundspülung verwendet werden. Da diese Mundspülung jedoch Mund und Rachen taub macht und daher das Schlucken er­schweren kann, sollte bei Kindern darauf ge­achtet werden, dass sie sich nicht verschlucken. Lidokain als Salbe kann auch direkt auf die Aphthe getupft werden. Gegen die Schmerzen kann ein schützender Zahnlack aus Carboxy­methylzellulose, oft in Kombination mit einem Kortisonpräparat, wie Triamcinolon oder Beta­methason, aufgetragen werden.

Bei vielen einzelnen Wunden kann mit einer Tetrazyklinlösung gespült werden. Wenn je­mand immer wieder starke Entzündungen im Mund hat, kann er diese Mundspülung auch benutzen, sobald sich neue Stellen zeigen. Eine andere Behandlung besteht darin, Silbernitrat auf die Aphthe aufzutragen; dadurch wird der darunter liegende Nerv abgetötet, und die Schmerzen verschwinden.

In sehr schweren Fällen raten Arzt oder Zahn­arzt zu einem Kortisonpräparat, sei es in Form einer Dexamethason-Mundspülung oder selten auch als Prednisontabletten. Vorher muss je­doch sichergestellt sein, dass der Patient keine Herpesinfektion im Mund hat, denn diese kann durch Kortison verstärkt werden. Kortisonhal­tige Mundspülungen und Tabletten werden vom Körper stärker aufgenommen als Kortison aus Salben, daher können Nebenwirkungen zu einem Problem werden .

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