Die Speiseröhre ist ein Schlauch, der vom Rachen bis zum Magen führt. Die Wände der Speiseröhre befördern die Nahrung nicht durch die Schwerkraft, sondern durch rhythmische Muskelbewegungen in den Magen.

Unter der Einmündung des Rachens in die Speiseröhre befindet sich ein Muskelband (obe­rer Ösophagussphinkter), etwas über der Ein­mündung der Speiseröhre in den Magen gibt es ein weiteres Muskelband (unterer Ösophagus­sphinkter). Wenn die Speiseröhre nicht tätig ist, ziehen sich diese Schließmuskeln zusammen, damit weder Nahrung noch Magensäure vom Magen in den Mund zurückfließen kann. Beim Schlucken entspannen sich die Schließmus­keln, damit Nahrung in den Magen gelangen kann. Mit zunehmendem Alter nehmen die Peristaltik in der Speiseröhre und die Spannung in den Schließmuskeln ab. Dieser so genannten Presbyösophagus bedingt, dass ältere Menschen anfälliger für Säurerückfluss aus dem Magen sind, vor allem wenn sie sich nach dem Essen hinlegen.

Zwei der häufigsten Symptome von Speise­röhrenerkrankungen sind Schluckstörungen (Dysphagie) und Brust- oder Rückenschmerzen. Sie können bei jeder Erkrankung der Speiseröh­re auftreten.

Die in diesem Kapitel behandelten Erkran­kungen der Speiseröhre sind durch Verengung, Motorik oder Verletzung bedingt. Bei einer an­deren Erkrankung der Speiseröhre, den Krampf­adern (Ösophagusvarizen) , sind die Venen am unteren Ende der Speiseröhre erweitert und blu­ten leicht.

Die Speiseröhre kann verengt oder völlig ver­stopft sein. Selten ist die Ursache genetisch bedingt, meist handelt es sich um das Fort­schreiten einer Speiseröhrenverletzung oder um einen Tumor. Auch Essen und Fremdkörper kön­nen die Speiseröhre verengen. Verletzungen, die zu einer Verengung führen können, entstehen oft durch Schäden, die durch meist jahrelangen Rückfluss von Magensäure bedingt sind. Auch Medikamente und ätzende Substanzen können Verletzungen hervorrufen. Druck gegen die

Verengung der Speiseröhre

KAPITEL 120

Erkrankungen der Speiseröhre

Außenseite der Speiseröhre kann ebenfalls eine Verengung verursachen. Der Druck entsteht z. B. durch Vergrößerung des linken Herzvor­hofs, ein Aortenaneurysma, eine Fehlbildung einer Arterie (Dysphagia lusoria), eine Fehlfunk­tion der Schilddrüse, einen Knochenvorsprung der Wirbelsäule und Krebs – am häufigsten Lun­genkrebs. Eine weitere Ursache von Verengung sind gutartige und bösartige Tumoren der Spei­seröhre.

Da diese Störungen die Speiseröhre verengen, haben die Betroffenen meistens Beschwerden beim Schlucken fester Nahrung. Schluckbe­schwerden bei Flüssigkeiten treten, wenn über­haupt, viel später auf.

In der Regel wird eine Röntgenkontrastauf­nahme (Breischluck) gemacht, um die Ursache und Position der Verengung zu bestimmen. Be­handlung und Ergebnis sind von der Ursache abhängig.

Normalerweise hat die Speiseröhre einen Durchmesser von 3,5 bis fünf Zentimetern. Ist sie durch einen Ring aus dichtem Gewebe auf weniger als einen Zentimeter eingeengt, kann das Schlucken fester Nahrung Schwierigkeiten machen. Dieses Symptom kann in jedem Le­bensalter einsetzen, meist tritt es aber nach dem 25. Lebensjahr auf, weil der Ring durch die Säureschäden erst nach einiger Zeit entsteht. Die Schluckbeschwerden kommen und gehen wieder. Sie verschlimmern sich besonders durch Fleisch und trockenes Brot. Oft wird eine Rönt­genkontrastaufnahme (Breischluck) gemacht, um den Schatzki-Ring zu entdecken.

Wenn man das Essen gut kaut und etwas Wasser trinkt, treten keine Symptome auf. Der Arzt kann die Engstelle reparieren, indem er ein Endoskop durch Mund und Rachen in die Spei­seröhre einführt oder eine Dehnsonde (Bougie)

SCHATZKI-RING

Der Schatzki-Ring (unterer Ösophagusring) ent­steht durch einen chronischen Säureschaden und verengt den unteren Teil der Speiseröhre.

siehe Seiten 771  und 788  
siehe Seite 702