Kapitel 125MALABSORPTIONSSYNDROME727

eine Pseudozyste, deren Wachstum Schmerzen verursacht, muss entlastet werden.

Wenn keine Komplikationen vorliegen, aber weiterhin Schmerzen auftreten, spritzt der Arzt für gewöhnlich Lidokain und Kortison, um die Nerven zu betäuben, die von der Bauchspeichel­drüse Impulse ans Gehirn leiten. Wenn das nicht hilft, kann eine Operation durchgeführt wer­den. Ist beispielsweise der Pankreasgang erwei­tert, kann man eine Umleitung (Bypass) von der Bauchspeicheldrüse zum Dünndarm anlegen, was bei den meisten Betroffenen die Schmerzen lindert. Wenn der Gang nicht erweitert ist, muss eventuell ein Teil der Bauchspeicheldrüse ent­fernt werden. Diese teilweise Entfernung der Bauchspeicheldrüse bedeutet, dass jene Zellen, die Insulin produzieren, auch entfernt werden. Dann ist die Folge ein Diabetes mellitus.

Menschen, die nicht mehr genügend Ver­dauungsenzyme produzieren, können diese als Medikament einnehmen. Das verbessert die Nährstoffaufnahme und lässt den Stuhl weniger fettig sein, beseitigt die Probleme jedoch nicht

Malabsorptionssyndrome beruhen darauf, dass Nährstoffe nicht richtig aus dem Dünndarm ins Blut aufgenommen werden.

Die Nahrung wird zunächst verdaut; dann wer­den die entstandenen Nährstoffe vornehmlich aus dem Dünndarm ins Blut aufgenommen. Störungen beruhen darauf, das entweder die Verdauung oder die Aufnahme der Nährstoffe beeinträchtigt ist.

Um Nahrung zu verdauen, muss sie ausrei­chend mit Magensäure und Verdauungsenzy­men vermischt werden. Dieser Vorgang ist z. B. dann gestört, wenn ein Teil des Magens entfernt wurde. Bei manchen Krankheiten produziert der Körper nicht genügend Verdauungsenzyme oder Galle. Eine häufige Ursache für Malabsorption ist die ungenügende Produktion von Verdau­ungsenzymen durch die Bauchspeicheldrüse, wie bei einigen Krankheiten der Bauchspeichel­drüse, oder durch den Dünndarm bei Laktase-

Malabsorptionssyndrome 

völlig. Wenn zu viel Magensäure Probleme be­reitet, können zusätzlich Antazida, H -Blocker

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oder Protonenpumpenhemmer eingesetzt wer­den. Eine solche Behandlung führt meist dazu, dass sich die Betroffenen insgesamt besser füh­len, an Gewicht zunehmen, weniger Stuhlgänge am Tag haben und keine Fetttropfen mehr im Stuhl sind.

Wenn diese Maßnahmen nicht wirken, kann man versuchen, den Fettanteil in der Nahrung zu verringern. Möglicherweise müssen dann die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K als Medi­kament eingenommen werden.

Der Diabetes, der durch eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung verursacht wird, muss üblicherweise mit Insulin behan­delt werden. Problematisch ist, dass die Betrof­fenen auch kaum noch Glukagon produzieren, ein Hormon, das die Wirkung von Insulin aus­gleicht. Ein Insulinüberschuss im Blut verur­sacht einen niedrigen Blutzuckerspiegel, der zu einem hypoglykämischen Schock führen kann.

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mangel. Die Verdauung kann darüber hinaus beeinträchtigt sein, wenn im Magen zu viel Säure oder in der Leber zu wenig Gallenflüssig­keit produziert werden und wenn die Bakterien­besiedlung im Dünndarm gestört ist.

Krankheiten, die die Schleimhaut des Dünn­darms schädigen, können die Nährstoffaufnah­me verschlechtern. Die normale Darmschleim­haut hat Falten mit kleinen und sehr kleinen Vorsprüngen (Villi und Mikrovilli). Dadurch be­kommen die Darmzotten eine enorme Oberflä­che, mit der sie Nährstoffe aufnehmen können. Wenn ein großer Abschnitt des Dünndarms chir­urgisch entfernt wurde, verkleinert sich diese Fläche beträchtlich (Kurzdarmsyndrom). Darm­schleimhautschäden treten auf bei Virus-, Bak­terien- und Parasiteninfektionen, durch Medi­kamente, wie Neomyzin, durch Alkohol, bei

siehe Seite 961