Clostridium-difficile-Kolitis, die nicht
durch Antibiotika verursacht wird

Manchmal tritt eine Kolitis mit erwiese­ner Clostridium-difficile-Infektion auf, ob­wohl kurz zuvor keine Antibiotika ver­wendet wurden. Körperlich belastende Ereignisse, wie Operationen, können wahrscheinlich zu der gleichen Art von Ungleichgewicht bei Art und Menge von Bakterien im Darm führen, die wiederum eine Clostridium-difficile-Infektion und die Entwicklung einer Kolitis ermöglicht. Krankenhauspatienten und Bewohner eines Pflegeheims können eine Kolitis bekommen, wenn sie sich bei anderen Infizierten mit Clostridium difficile an­stecken. Da die Bakterien oft unbemerkt mit den Händen weitergetragen werden, lässt sich ihre Verbreitung durch sorgfäl­tiges Händewaschen verhindern. Sonst gesunde Menschen können Träger der Clostridium-difficile-Bakterien sein, ob­wohl sie selbst keine Kolitissymptome haben.

Diese Entzündung des Dickdarms ist auf die Einnahme von Antibiotika zurückzuführen, die das Wachstum darmfremder Bakterien begüns­tigen.

Viele Antibiotika verändern das Gleichgewicht zwischen den Arten und der Menge der Bakte­rien, die normalerweise den Darm besiedeln, sodass sich bestimmte krankheitsverursachen­de Bakterien vermehren und andere verdrängen können. Infektionen und Überwucherung ver­ursachen vor allem Clostridium-difficile-Bak­terien, die zwei Giftstoffe produzieren, welche die schützende Darmschleimhaut angreifen.

Die Antibiotika, die am häufigsten Darmpro­bleme verursachen, sind Clindamyzin, Penizil­line, wie z. B. Ampizillin, und Cephalosporine, wie z. B. Cephalotin. Auch Erythromyzin, Cotri­moxazol, Chloramphenicol, Tetrazyklin und Chinolone, wie Norfloxazin, können solche Er­krankungen hervorrufen.

Am häufigsten tritt eine Infektion mit Clos­tridium difficile auf, wenn ein Antibiotikum geschluckt wird; sie kann aber auch vorkom­men, wenn es gespritzt oder über Infusionen verabreicht wird. Das Risiko nimmt mit stei­gendem Lebensalter zu.

Symptome

Die Symptome zeigen sich gewöhnlich bereits, während der Betroffene das Antibiotikum ein­nimmt. Bei einem Drittel der Kranken kommt es jedoch erst ein bis zehn Tage nach Abschluss der Behandlung zu Beschwerden, manchmal sogar erst nach bis zu sechs Wochen.

Typische Symptome reichen entsprechend dem Grad der Entzündung von leichtem bis zu blutigem Durchfall mit Bauchschmerzen und Fieber. Ganz schwere Erkrankungen verursa­chen eine lebensbedrohliche Austrocknung, Blutdruckabfall, toxisches Megakolon und einen Durchbruch des Dickdarms.

Diagnose

Die Diagnose einer antibiotikaassoziierten Koli­tis bestätigt sich, wenn in einer Stuhlprobe die Giftstoffe, die diese Bakterien produzieren, nach­weisbar sind. In etwa 20 Prozent der leichten Fäl­le von antibiotikaassoziierter Kolitis und über 90 Prozent der schweren Fälle sind Giftstoffe

KAPITEL 127

Antibiotikaassoziierte Kolitis

von Clostridium difficile nachweisbar. Manch­mal müssen zwei oder drei Stuhlproben gewon­nen werden, damit der Giftstoff nachgewiesen werden kann.

Der Arzt diagnostiziert die Kolitis, indem er sich den entzündeten Dickdarm (Sigmakolon) mithilfe eines endoskopischen Geräts ansieht. Wenn sich die erkrankten Darmabschnitte außerhalb der Reichweite des Sigmoidoskops befinden, muss möglicherweise eine Kolosko­pie durchgeführt werden, bei der der gesamte Dickdarm mit dem längeren Endoskop begut­achtet werden kann. Das ist aber in der Regel nicht notwendig.

Behandlung

Wenn bei jemandem mit einer antibiotikaasso­ziierten Kolitis starker Durchfall auftritt, wäh-

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