Kapitel 142SYMPTOME UND DIAGNOSE815

Wenn Menschen älter werden, verlieren ihre Nieren langsam, aber stetig an Gewicht. Nach dem 30. bis 40. Lebensjahr nimmt bei rund zwei Drittel aller Menschen (selbst bei denjenigen ohne Nierenerkrankungen) die Rate, mit der ihre Nieren Blut filtern, allmählich ab. Bei dem verbleibenden Drittel älterer Menschen ändert sich diese Rate jedoch nicht, was dafür spricht, dass auch andere Faktoren als das Alter die Nierenfunktion beeinträchtigen können.

Mit dem Alter gehen viele Glomeruli ver­loren, weil sich die Wände einiger der kleinen Arterien, die die Glomeruli mit Blut versorgen, verdicken oder weil diese Arterien gänzlich ver­stopfen. Zusammen mit dem Verlust der Glo­meruli nimmt die Fähigkeit der Nephrone ab, den Urin zu konzentrieren oder zu verdünnen und Säure (Wasserstoffionen) auszuscheiden. Trotz solcher altersbedingter Veränderungen bleiben die Nieren jedoch in der Lage, die Be­dürfnisse des Körpers zu erfüllen. Altersbeding­te Veränderungen führen nicht automatisch zu einer Nierenerkrankung, doch sie verringern die verfügbare Reservekapazität der normalen Nie­renfunktion.

Erkrankungen der Nieren und Harnwege können eine oder beide Nieren, einen oder beide Harn­leiter, die Harnblase oder die Harnröhre betreffen.

Die Symptome von Nieren- und Harnweger­krankungen liefern dem Arzt häufig wichtige Hinweise. Einige Nieren- und Harnwegerkran­kungen, wie Infektionen, Steine, Harnwegver­engung und Tumoren, können jedoch vorliegen, ohne dass der Betroffene Symptome verspürt. Insbesondere chronisches Nierenversagen ruft keine Symptome hervor, bis die Krankheit fort-

Erkrankungen der Nieren und Harnwege

Alterserscheinungen

Symptome und Diagnose von

Symptome

Die Harnleiter verändern sich mit zuneh­mendem Alter kaum, anders als Harnblase und Harnröhre. Die Höchstmenge an Urin, die die Blase halten kann, nimmt ab. Ebenso verringert sich die Fähigkeit, den Zeitpunkt des Wasser­lassens hinauszuschieben, nachdem zum ersten Mal Harndrang verspürt wurde. Die Rate des Urinflusses aus der Blase in die Harnröhre ver­langsamt sich. Das ganze Leben hindurch zieht sich die Wandmuskulatur der Harnblase ganz unabhängig von jedem Harndrang oder einer Möglichkeit zum Wasserlassen immer wieder einmal zusammen. Bei jüngeren Menschen wer­den die meisten dieser Blasenmuskelkontrak­tionen durch Signale übergeordneter Zentren in Rückenmark und Gehirn blockiert, doch die Zahl sporadischer Kontraktionen, die nicht blo­ckiert werden, steigt mit zunehmendem Alter. Außerdem nimmt die Menge an Urin zu, die nach dem Wasserlassen in der Blase verbleibt. Bei Frauen verkürzt sich die Harnröhre und ihre Auskleidung wird dünner; durch diese Verände­rungen fällt es dem Blasenschließmuskel schwe­rer, die Blase dicht zu verschließen. Der Aus­löser für diese Veränderungen in der weiblichen Harnröhre ist offenbar der sinkende Östrogen­spiegel während der Wechseljahre.

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geschritten ist. Erste Anzeichen sind oft ein all­gemeines Krankheitsgefühl und Appetitman­gel. Bei älteren Menschen kann das erste er­kennbare Symptom Verwirrtheit sein.

Fieber

Fieber kann ein Symptom einer Nierenentzün­dung (Nephritis) oder von Nierensteinen auf­grund einer Infektion sein. Eine bakterielle In­fektion der Niere (Pyelonephritis) verursacht meistens hohes Fieber. Nierenkrebs tut das nur manchmal. Eine Blasenentzündung (Zystitis) ruft im Allgemeinen kein Fieber hervor, es sei denn, sie wird durch Steine oder einen Ver­schluss (Obstruktion) kompliziert.