Die Versorgung der Nieren mit Blut ist wesent­lich für ihre Arbeit. Jede Verringerung oder Unterbrechung der Blutversorgung kann zu Problemen wie Nierenschaden, Nierenfunk­tionsstörung und erhöhtem Blutdruck führen. Wenn die Nierenarterien vollständig blockiert sind, stirbt die gesamte Niere oder der Teil, der von diesen Arterien versorgt wurde, ab (Nieren­infarkt); das kann zu Nierenversagen führen.

Erkrankungen der Blutgefäße der Niere kön­nen viele Ursachen haben, beispielsweise Ver­schluss der Nierenarterien oder -venen, Entzün­dung der Blutgefäße (Vaskulitis) und Verletzung der Nieren oder Blutgefäße.

Es gibt zwei Nierenarterien; eine versorgt die rechte, die andere die linke Niere mit Blut. Die­se Arterien verzweigen sich in viele kleinere Arterien. Ein Verschluss der Nierenarterie oder einer ihrer mittelgroßen Äste ist selten und entsteht am ehesten, wenn ein im Blut schwim­mendes Teilchen (Embolus) in der Arterie ste­cken bleibt. Der Embolus kann von einem grö­ßeren Blutgerinnsel (Thrombus) im Herzen stammen oder sich von einer Cholesterinabla­gerung (Atherom) in der Aorta abgelöst haben.

Andererseits kann der Infarkt von einem Ge­rinnsel in der Nierenarterie (akute Thrombose) selbst herrühren, das in einer verletzten Arterie entstanden ist. Die Verletzung kann durch eine Operation, eine Angiographie oder Gefäßplas­tik verursacht sein. Das Gerinnsel kann auch von einer schweren Arteriosklerose stammen, einer Arterienentzündung (Arteriitis) oder einem gerissenen Aneurysma der Nierenarterie. (Ein Aneurysma ist eine bauchige, dünne Stelle in der Gefäßwand.)

Ein Riss in der Innenwand der Aorta oder Nie­renarterie blockiert den Blutfluss in der Arterie, oder die Arterie platzt. Zu den dem Nieren­infarkt zugrunde liegenden Ursachen gehören Arteriosklerose und eine krankhafte Entwick­lung von Bindegewebe in der Arterienwand (fi­bröse Dysplasie). Diese Erkrankungen können selbst ohne Blutgerinnsel zu einer starken Ver­engung oder zu einer teilweisen Blockade der Nierenarterien führen (Nierenarterienstenose).

Niereninfarkt

KAPITEL 145

Erkrankungen der Blutgefäße der Nieren

Symptome 

Ist die Nierenarterie teilweise blockiert, verur­sacht dies gewöhnlich keine Symptome. Es kann aber an der betroffenen Seite einen ständigen Schmerz im unteren Rücken (Flankenschmerz), gelegentlich auch im Unterbauch auslösen. Der Teilverschluss kann zudem allmählich zu Blut­hochdruck führen. Wenn jemand unter einem allmählich fortschreitenden Verschluss einer oder beider Nierenarterien leidet, kann sich ein bereits vorliegender Bluthochdruck plötzlich verschlechtern. Wenn eine Person zur Behand­lung des Bluthochdrucks einen ACE-Hemmer oder einen Angiotensin-II-Blocker erhält, kann die Nierenfunktion rasch abnehmen. Wird das Medikament sofort abgesetzt, kann sich die Nierenfunktion wieder erholen.

Wurde der Arterienverschluss von einem Blutgerinnsel hervorgerufen, das sich in einem Nierenarteriensegment festgesetzt hat, können sich auch an anderen Stellen im Körper Blut­gerinnsel befinden, z. B. im Darm, im Gehirn und in der Haut von Fingern und Zehen. Diese Blutgerinnsel können Schmerzen hervorrufen, aber auch kleine Geschwüre, einen Wundbrand und einen leichten Schlaganfall.

Eine vollständige Blockade einer der beiden Nierenarterien kann zu Fieber, Übelkeit, Er­brechen und Rückenschmerzen führen. Selten ruft Derartiges Blutungen hervor, die den Harn rot oder dunkelbraun färben. Eine vollständige Blockade beider Nierenarterien – oder einer bei Menschen mit nur einer Niere – stoppt die Harn­produktion völlig und legt die Nieren lahm (akutes Nierenversagen).

Diagnose

Ein Verdacht auf Niereninfarkt basiert auf den Symptomen. Bluttests zeigen meistens eine un­gewöhnlich große Zahl weißer Blutkörperchen. Im Urin finden sich Eiweiß und mikroskopisch kleine Mengen Blut; selten ist es so viel, dass man es sehen kann. Der Laktatdehydrogenase­spiegel im Blut ist häufig erhöht; Laktatdehy­drogenase ist ein Enzym, das oft freigesetzt wird, wenn ein Organ geschädigt ist.

Für die Diagnose ist eine Aufnahme der Niere notwendig, weil man aufgrund der Symptome oder Labortests einen Niereninfarkt nicht genau diagnostizieren kann; nur so lässt sich nach-