Kapitel 153UNTERERNÄHRUNG881

Fett und Cholesterin. Die Beverly-Hills-, Reis- und Pritikin-Diät sind fettarm und eiweißarm, aber reich an Kohlenhydraten. Bei der Beverly-Hills-Diät und der Reisdiät kommt es zu einem Mangel an Eisen, Kalzium und Vitamin B12 . Die Pritikin-Diät liefert Nährstoffe relativ ausge­wogen, aber ihre Fettarmut lässt sie wenig schmackhaft sein; sie ist deshalb kaum durch­zuhalten. Diese Diäten haben nicht bewiesen,

Unterernährung wird definiert als Kalorien­mangel oder Mangel an einem bzw. mehreren essenziellen Nährstoffen.

Das Problem der Industrieländer ist Überernäh­rung! Unterernährung kommt allenfalls bei sehr armen Menschen, namentlich Obdachlo­sen, und bei Menschen mit psychiatrischen Er­krankungen vor. Auch Menschen mit schweren Krankheiten essen bisweilen nicht genug. Bei sehr betagten, allein lebenden Menschen, wird manchmal eine Unterernährung registriert, und auch Menschen, die in Pflege- und Altenheimen leben, erhalten oft nicht genügend Kalorien.

Schwerer Nahrungsmangel, wie er in den Ent­wicklungsländern vorkommt, kann einen Ma­rasmus verursachen. Diese Krankheit tritt vor allem bei Kleinkindern und jüngeren Kindern auf; sie magern ab und trocknen aus. Die Kin­der zu stillen, ist ein guter Schutz gegen diese Krankheit. Ein schwerer Mangel an Eiweiß löst die Krankheit Kwashiorkor aus, die seltener vorkommt als Marasmus. Der Ausdruck ist von einem afrikanischen Wort abgeleitet, das »ers­tes Kind – zweites Kind« bedeutet – denn das Erstgeborene erkrankt häufig, wenn das zweite Kind kommt und den Platz des ersten an der Mutterbrust einnimmt. Die Kinder entwickeln Kwashiorkor erst, wenn sie entwöhnt sind; sie sind deshalb meist älter als die mit Marasmus. Kwashiorkor scheint auf die Regionen der Welt begrenzt zu sein, in denen die üblichen Nah­rungsmittel, die das Kind nach dem Abstillen bekommt, sehr wenig Eiweiß enthalten, auch wenn sie genügend Kalorien in Form von Koh-

Unterernährung

dass sie zu dauerhaftem Gewichtsverlust füh­ren; manche sind sogar gefährlich, weil sie unzureichende Mengen an essenziellen Nähr­stoffen liefern und zu schweren Stoffwechsel­störungen führen können – z. B. Verlust an Knochendichte (Osteoporose), Menstruations­störungen, Herzrhythmusstörungen, erhöhtem Cholesterinspiegel, Nierensteinen und Gicht­anfällen.

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lenhydraten liefern. Solche Nahrungsmittel sind Yamwurzeln, Cassava-Wurzeln, Reis, Süßkar­toffeln und grüne Bananen. Im Prinzip kann jeder Mensch, dessen Nahrung fast ausschließ­lich aus Kohlenhydraten besteht, Kwashiorkor entwickeln. Die Personen speichern Flüssigkeit und erscheinen dadurch aufgedunsen.

Bei einem Mangel an Kalorien und Eiweiß wird die Krankheit Kwashiorkor-Marasmus ge­nannt.

Hungern ist die extremste Form von Unter­ernährung. Davon spricht man, wenn lebens­wichtige Nährstoffe für eine längere Zeit teil­weise oder gänzlich fehlen.

Ursachen

Unterernährung kann auf Nahrungsmangel be­ruhen, aber auch auf Krankheiten, die die Auf­nahme, den Stoffwechsel und die Verarbeitung von Nährstoffen beeinträchtigen, oder die eine erheblich gesteigerte Zufuhr an bestimmten Nährstoffen erfordern.

Auch die Einnahme bestimmter Arzneimittel kann eine Unterernährung begünstigen. Viele Medikamente dämpfen den Appetit, manche verursachen Übelkeit. Thyroxin und Theophyl­lin beispielsweise beschleunigen den Stoffwech­sel, Colestyramin hingegen behindert die Auf­nahme von Nährstoffen im Darm. Auch der Entzug von Angst lösenden Medikamenten und anderen Psychopharmaka oder der von Alkohol kann zu Gewichtsverlust führen.

Bei der Unterermährung älterer Menschen kommen gewöhnlich mehrere Faktoren zusam­men: Sie nehmen nicht genügend Nahrung