Kapitel 163SCHILDDRÜSENERKRANKUNGEN941

werden, mit Dopaminagonisten den Tumor zu verkleinern. Auch nach der Operation sind sie oft noch notwendig.

Eine Bestrahlungstherapie mit radioaktiver Strahlung kann manchmal nötig sein, wenn der Tumor auf andere Behandlungsmethoden nicht anspricht.

Beim Empty-Sella-Syndrom vergrößert sich der Türkensattel, das knöcherne Bett der Hirnan­hangdrüse an der Gehirnbasis, während die Drüse selbst normal groß bleibt oder sogar schrumpft.

Das Empty-Sella-Syndrom ist ein Defekt in der Gewebebarriere, die normalerweise die Gehirn­flüssigkeit vom Türkensattel fern hält. Als Fol­ge davon drückt die Gehirnflüssigkeit auf die Hirnanhangdrüse und die Wände des Türken-

Die Schilddrüse misst etwa fünf Zentimeter im Durchmesser und liegt direkt unter der Haut unter dem Kehlkopf. Die beiden Lappen der Drüse sind in der Mitte miteinander verbunden und verleihen ihr die Form einer Schleife. Nor­malerweise kann man die Drüse nicht sehen und kaum fühlen; doch wenn sie sich vergrö­ßert, ist sie leicht zu ertasten. Es kann auch eine deutliche Wölbung entstehen.

Die Schilddrüse setzt Hormone frei, die die Geschwindigkeit chemischer Funktionsabläufe regeln (Stoffwechselrate). Schilddrüsenhormo­ne regen fast alle Körpergewebe an, Eiweiß­stoffe zu bilden, und sie erhöhen die Sauerstoff­menge, die die Zellen verbrauchen. Zudem beeinflussen sie die Frequenz von Herzschlag und Atmung, die Geschwindigkeit der Ver­brennung von Kalorien, den Zustand der Haut, das Wachstum, die Körpertemperatur, die Fruchtbarkeit und die Verdauung.

Die Schilddrüse produziert zwei Hormone: T4 (Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin). T4 be-

Schilddrüsenerkrankungen

KAPITEL 163

sattels. Dadurch kann er sich vergrößern und die Hypophyse schrumpft.

Das Empty-Sella-Syndrom kommt am häu­figsten bei Frauen in mittleren Jahren vor, die übergewichtig sind und zu hohen Blutdruck haben. Weniger häufig tritt die Störung nach Operationen, Strahlenbehandlung und Abster­ben eines Hypophysentumors auf.

Das Empty-Sella-Syndrom kann symptomlos verlaufen. Etwa die Hälfte der Betroffenen hat Kopfschmerzen, bei manchen kommt es zu Bluthochdruck. Selten tritt Gehirnflüssigkeit durch die Nase aus, und es kommt zu Sehstö­rungen.

Diagnostiziert wird das Empty-Sella-Syndrom durch Computer- oder Kernspintomographie. Die Funktion der Hirnanhangdrüse wird über­prüft, um Hormonüberproduktion oder -mangel auszuschließen.

Eine Behandlung ist nur bei Über- oder Unter­produktion von Hypophysenhormonen notwen­dig.

Empty-Sella-Syndrom

einflusst die Stoffwechselrate nur wenig. Das aktivere Hormon ist T , in das T umgewandelt

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wird. Dieses geschieht in der Leber und in anderen Geweben.

Um Hormone herstellen zu können, braucht die Schilddrüse Jod, ein Element, das in Nah­rungsmitteln und im Wasser vorkommt. Die Schilddrüse speichert Jod und verarbeitet es zu Schilddrüsenhormonen. Dabei löst sich ein Teil der Jodmenge, kehrt zur Schilddrüse zurück und wird zur Bildung weiterer Schilddrüsen­hormone benutzt. Seltsamerweise setzt die Schilddrüse etwas weniger Hormone frei, wenn sie große Mengen Jod mit dem Blut bekommt.

Der Körper regelt die Konzentration an Schild­drüsenhormonen mit einem komplizierten Me­chanismus. Der Hypothalamus im Gehirn son­dert Thyrotropin-Releasing-Hormon (TRH) ab, das die Hirnanhangdrüse anregt, thyroideasti­mulierendes Hormon (TSH) zu erzeugen. Die­ses regt die Schilddrüse an, Hormone zu bilden. Die Hirnanhangdrüse verlangsamt oder be-