Kapitel 166UNTERZUCKERUNG961

getragen. Ein hörbarer Alarm kann eingestellt werden, wenn die Messwerte zu hoch oder zu tief ausfallen. Der Nachteil dieses Geräts ist, dass es regelmäßig mithilfe einer Blutunter­suchung geeicht werden muss, die Haut irritiert und unförmig groß ist.

Hilfreich für die Behandlung ist das Führen eines Tagebuchs, in das die Blutzuckerwerte, die Medikamentendosierung und besondere Er­eignisse eingetragen werden.

Bei einigen Formen der konventionellen The­rapie kann es genügen, wenn der Diabetiker zu bestimmten Zeiten den Zucker im Urin be­stimmt. Der Urintest sagt allerdings nur, dass der Blutzucker eine bestimmte Grenze über­schritten hat; er gibt nicht den genauen Wert des Zuckergehalts im Blut an.

Bei den regelmäßigen ärztlichen Kontrollen wird der HbA1c -Wert bestimmt. Wenn das Blut lange Zeit viel Zucker enthält, verändert sich das Hämoglobin – das Eiweiß, das im Blut den Sauerstoff transportiert. Während der Blut­zuckerwert nur eine Momentaufnahme darstellt,

Bei einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) ent­hält das Blut ungewöhnlich wenig Zucker (Glu­kose).

Gewöhnlich hält der Körper den Blutzucker­spiegel zwischen 70 und 110 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) aufrecht. Bei einer Unterzu­ckerung sinkt der Blutzucker stark ab. Im Ge­gensatz dazu steigt der Blutzuckerspiegel bei Diabetes mellitus stark an (Überzuckerung, Hyperglykämie). Dennoch können bei Patien­ten mit Diabetes, die mit Insulin oder Sulfo­nylharnstoffen behandelt werden, immer wie­der Unterzuckerungen auftreten.

Niedrige Blutzuckerspiegel beeinträchtigen die Funktion vieler Organe. Vor allem das Ge­hirn reagiert empfindlich, denn Zucker ist seine wichtigste Energiequelle. Wenn der Blutzucker weit unter den Normwert abfällt, regt das Ge­hirn die Nebennieren zur Ausschüttung von Adrenalin, die Bauchspeicheldrüse zur Freiset-

Unterzuckerung

KAPITEL 166

gibt der HbA1c -Wert Auskunft, wie die Blutzu-

ckereinstellung in den vergangenen Wochen war. Den HbA1c -Normalwert von unter sieben Pro­zent erreichen Diabetiker kaum. Bei einer guten Blutzuckereinstellung liegt der HbA1c -Wert un­ter acht Prozent. Werte über neun Prozent lassen eine weniger gute und solche über zwölf Pro­zent eine sehr schlechte Einstellung erkennen. Im Rahmen des strukturierten Behandlungsprogramms wird der HbA 1c -Wert alle drei Monate bestimmt und so die Diabeteseinstellung in den vergangenen drei Monaten kontrolliert.

Therapien im Versuchsstadium Die Transplantation von Insulin produzieren­den Zellen bei Patienten mit Typ-1-Diabetes be­findet sich noch im experimentellen Stadium. Nach einer solchen Transplantation müssen re­gelmäßig Medikamente eingenommen werden, die das Immunsystem unterdrücken, damit die fremden Zellen nicht abgestoßen werden. Neu­ere Verfahren können die Immunsuppression eventuell unnötig machen.

zung von Glukagon und die Hirnanhangdrüse zur Ausschüttung von Wachstumshormon an – insgesamt bewirkt dies die Freisetzung von Zu­cker ins Blut durch die Leber.

Ursachen

Medikamente: Die meisten Unterzuckerungen bei Diabetikern werden durch Insulin oder Me­dikamente, wie Sulfonylharnstoffe, verursacht, mit denen der Blutzucker gesenkt wird. Sie tre­ten häufiger auf, wenn der Blutzucker beson­ders genau dem Normwert angepasst werden soll. Patienten, die abnehmen oder ein Nieren­versagen entwickeln, neigen besonders zur Un­terzuckerung. Ältere Menschen sind empfind­licher als jüngere für Unterzuckerungen als Reaktion auf Sulfonylharnstoffe.

Wenn ein Diabetiker nach dem Spritzen von Insulin weniger als gewöhnlich isst oder sich körperlich mehr anstrengt, kann das Hormon den Blutzucker stark absenken. Vor allem Pa-