Kapitel 172BLUTARMUT977

gende Maßnahmen, die eine Blutübertragung auch für solche Patienten verträglich machen, bei denen früher allergische Reaktionen auf­traten. Solchen Patienten können gewaschene rote Blutkörperchen verabreicht werden. Das Waschen der roten Blutkörperchen entfernt Be­standteile aus dem Spenderblut, die allergische Reaktionen auslösen können. Häufiger wird das übertragene Blut gefiltert, um die Anzahl der weißen Blutkörperchen zu verringern (Leuko­zytenreduktion). Die Leukozytenreduktion er­folgt meistens, indem ein Spezialfilter in den Transfusionsschlauch eingesetzt wird. Das Blut kann auch vor der Lagerung gefiltert werden.

Auch nach der sorgfältigsten Blutgruppen­bestimmung und durchgeführter Kreuzprobe kann eine Unverträglichkeit auftreten und etwa dazu führen, dass die roten Blutkörper­chen kurz nach der Transfusion durch das Ab­wehrsystem des Empfängers zerstört werden (hämolytische Reaktion). Gewöhnlich beginnt dieser Abwehrkampf mit einem allgemeinen Unwohlsein oder Angstzuständen des Patien­ten während oder unmittelbar nach der Trans­fusion. Manchmal zeigen sich Atembeschwer­den, Brustbeklemmungen, Hitzewallungen oder starke Rückenschmerzen. Sehr selten nehmen

Blutarmut (Anämie) entsteht bei einem Mangel an roten Blutkörperchen oder an rotem Blut­farbstoff (Hämoglobin). Dieses Eiweiß trans­portiert den Sauerstoff im Blut.

Mithilfe von Hämoglobin transportieren die ro­ten Blutkörperchen den Sauerstoff von der Lunge in alle Bereiche des Organismus. Ist die Zahl der roten Blutkörperchen oder der Hämoglobingehalt vermindert, kann das Blut nicht mehr genügend Sauerstoff transportieren. Durch die ungenügen­de Sauerstoffversorgung der Gewebe entstehen die Symptome der Blutarmut.

Ursachen

Die zahlreichen Ursachen von Blutarmut lassen sich in drei Gruppen zusammenfassen: Blutver-

Blutarmut

diese Reaktionen einen tödlichen Verlauf. Der Arzt kann bei einer Untersuchung feststellen, ob eine hämolytische Reaktion rote Blutkörper­chen zerstört; dann wird nämlich Hämoglobin, der rote Blutfarbstoff, ins Blut und in den Urin freigesetzt.

Der Organismus von Transfusionspatienten kann von der Menge der verabreichten Flüssig­keit überlastet werden. Blutempfänger, die unter einer Herzkrankheit leiden, sind dafür besonders anfällig. Deshalb wird bei solchen Patienten die Transfusion besonders langsam verabreicht, und sie werden dabei pausenlos beobachtet.

Die Graft-versus-host-Reaktion ist eine unge­wöhnliche Komplikation bei Bluttransfusio­nen. Sie betrifft hauptsächlich Menschen, deren Abwehrkraft durch Medikamente oder Krank­heit geschwächt ist. Bei dieser Reaktion greifen die gespendeten weißen Blutkörperchen (Trans­plantat = graft) das Gewebe des Blutempfängers (des Wirtes = host) an. Die Anzeichen dafür sind Fieber, Ausschlag, niedriger Blutdruck, Zerstö­rung von Gewebe und Schock. Diese Reaktio­nen können tödlich sein, werden aber ausge­schaltet, indem die Blutprodukte für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem be­strahlt werden.

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lust (übermäßig starke Blutung), unzureichende Bildung von roten Blutkörperchen und Zer­störung roter Blutkörperchen (Hämolyse).

Starker Blutverlust kann plötzlich bei einem Unfall oder während einer Operation auftreten. Er entwickelt sich langsam, wenn es im Verdau­ungs- oder Harntrakt immer wiederkehrende Blutungen gibt. Chronische Blutungen lassen den Eisenspiegel absinken, was die Blutarmut verschlimmert.

Blutarmut kann auch entstehen, wenn der Körper nicht genug rote Blutkörperchen pro­duziert. Für ihre Produktion sind viele Sub­stanzen notwendig; die wichtigsten sind Eisen, Vitamin B und Folsäure. Der Körper braucht

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aber auch Spuren von Vitamin C, B2 und Kupfer, sowie Hormone (vor allem Erythropoietin, das