Kapitel 175STÖRUNGEN DER PLASMAZELLEN999

Die Basophilen machen weniger als drei Pro­zent der zirkulierenden Leukozyten aus (bis 300 Basophile pro Mikroliter Blut). Diese Zellen spielen eine gewisse Rolle bei der Immunüber­wachung und Wundheilung. Sie können Hist­amin und andere Mediatoren freisetzen und sind auch am Entstehen von allergischen Reaktio­nen beteiligt. Eine verringerte Zahl von Baso-

Störungen der Plasmazellen (Plasmazelldys­krasien) sind selten. Sie entstehen, wenn sich eine Gruppe von Plasmazellen drastisch ver­mehrt und viele ungewöhnliche Antikörper produziert. Die Plasmazellen entwickeln sich aus den B-Lymphozyten, einem speziellen Typ weißer Blutkörperchen. Normalerweise bilden sie die Antikörper (Immunglobuline), die den Körper beim Kampf gegen Infektionen unter­stützen. Plasmazellen kommen hauptsächlich im Knochenmark und in den Lymphknoten vor. Jede Plasmazelle teilt sich mehrmals, um einen so genannten Klon aus vielen identischen Zel­len zu bilden. Die Zellen eines Klons produzie­ren jeweils immer nur einen speziellen Typ von Antikörpern. Da tausende verschiedene Klone existieren, kann der Körper viele verschiedene Antikörper herstellen, mit denen er die ver­schiedenen Infektionserreger bekämpft.

Bei Störungen der Plasmazellen vermehrt sich ein Klon unkontrolliert. Eine Folge ist, dass eine große Menge eines einzigen Antikörpers (mono­klonaler Antikörper) entsteht, der auch als M-Protein bekannt ist. Bei monoklonalen Gam­mopathien beispielsweise ist der produzierte Antikörper unvollständig und besteht nur aus leichten oder schweren Ketten. (Funktionale Antikörper bestehen normalerweise aus zwei Paaren mit zwei verschiedenen so genannten Ketten, einer leichten und einer schweren.) Diese ungewöhnlichen Plasmazellen und die von ihnen produzierten Antikörper sind auf einen Typ be­schränkt; die Zahl der anderen Arten von Anti-

Störungen der basophilen

Störungen der Plasmazellen

KAPITEL 175

philen (Basopenie) kann eine Reaktion auf eine Schilddrüsenüberfunktion, akute Überempfind­lichkeitsreaktionen oder Infektionen sein. Eine Vermehrung der Basophilen (Basophilie) kann bei Patienten mit einer Schilddrüsenunterfunk­tion beobachtet werden. Bei einer krankhaften Vermehrung der Blutzellen – myeloproliferati­ve Störungen, wie z. B. Polycythaemia rubra vera und Osteomyelofibrose – kann die Zahl der Basophilen deutlich zunehmen.

Granulozyten

körpern fällt. Immer mehr ungewöhnliche Plas­mazellen dringen in Gewebe und Organe ein und schädigen sie. Die Antikörper, die der Klon der Plasmazellen erzeugt, können lebenswichtige Organe, vor allem die Nieren, schädigen.

Zu den Störungen der Plasmazellen gehören die monoklonalen Gammopathien unbestimm­ter Bedeutung, das Plasmozytom, die Makro­globulinämie und die Schwere-Ketten-Krank­heiten. Diese Krankheiten sind bei älteren Menschen häufiger.

Eine monoklonale Gammopathie unbestimm­ter Bedeutung (benigne monoklonale Gammo­pathie) ist eine Ansammlung von monoklona­len Antikörpern, die aus fehlgebildeten, aber gutartigen Plasmazellen stammen.

Bei einer monoklonalen Gammopathie sind die Plasmazellen zwar fehlgebildet, aber nicht bös­artig verändert. Sie produzieren eine große Menge ungewöhnlicher Antikörper, was aber keine bedeutenden Probleme verursacht. Da diese Störungen meist symptomlos verlaufen, werden sie fast immer nur zufällig entdeckt, wenn das Blut aus anderen Gründen untersucht wird. Die monoklonalen Antikörper können sich an Nerven binden und zu Taubheit, ner­vösem Zittern und Schwäche führen.

Monoklonale Gammopathien

unbestimmter Bedeutung