Allergische Reaktionen (Überempfindlichkeits­reaktionen) sind eine unangemessene und ge­steigerte Reaktion des Immunsystems auf eine normalerweise harmlose Substanz.

Normalerweise verteidigt das Immunsystem mit seinen Komponenten – Antikörper, weiße Blutkörperchen, Mastzellen, Komplementprote­ine und anderen Substanzen – den Körper gegen fremde Substanzen, die so genannten Antigene. Bei dafür empfänglichen Menschen kann das Immunsystem auf bestimmte Antigene, so ge­nannte Allergene, die für die meisten Menschen harmlos sind, jedoch überreagieren. Die Folge davon ist eine allergische Reaktion. Manche Menschen reagieren auf nur eine Substanz aller­gisch, andere auf viele. Etwa ein Viertel aller Bundesbürger leidet an Allergien.

Allergene können, wenn sie mit der Haut oder dem Auge in Kontakt kommen, eingeatmet, gegessen oder gespritzt werden, eine allergische Reaktion auslösen. Diese kann als saisonale Allergie auftreten, wie z. B. Heuschnupfen, der durch den Kontakt mit Pflanzenpollen verur­sacht wird. Ebenso kann sie durch die Einnah­me eines bestimmten Medikaments, durch den Verzehr bestimmter Nahrungsmittel oder Ein­atmen von Hausstaub oder tierischen Haut­schuppen ausgelöst werden.

Bei den meisten allergischen Reaktionen pro­duziert das Immunsystem beim ersten Kontakt mit einem Allergen Immunglobulin E (IgE), einen Typ von Antikörpern. Diese IgE-Anti­körper binden sich an spezielle Typen weißer Blutkörperchen: an die Basophilen im Blut und an die Mastzellen im Gewebe. Der Erstkontakt verursacht keine Symptome, kann die betref­fende Person aber für das Allergen sensibel machen. Wenn diese sensibilisierte Person das nächste Mal mit dem Allergen in Kontakt kommt, setzen die Zellen, die IgE-Antikörper an ihrer Oberfläche gebunden haben, Substan­zen wie Histamine, Prostaglandine und Leuko­triene frei. Diese verursachen im umliegenden Gewebe Schwellung und Rötung. Diese Sub­stanzen lösen eine Kaskade von Reaktionen aus, durch die das Gewebe weiter gereizt und geschädigt wird. Diese allergischen Reaktionen können nur schwach ausgeprägt, aber auch schwerer Art sein.

KAPITEL 185

Allergische Reaktionen

Symptome und Diagnose

Die meisten allergischen Reaktionen sind leich­ter Art, dazu gehören tränende, juckende Augen, laufende Nase, juckende Haut oder Niesen. Hautausschlag kommt häufig vor und geht oft mit Juckreiz einher. Es können Schwellungen auftreten, die als Quaddeln bezeichnet werden, wenn sie auf kleinere Hautbereiche begrenzt bleiben und oberflächlich sind, als Angioödem, wenn sie große Hautstellen bedecken und das tiefere Gewebe unter der Haut betreffen . Die Schwellung wird durch die aus den Blutgefäßen austretende Flüssigkeit verursacht. Abhängig von dem Körperteil, an dem es auftritt, kann das Angioödem ernsthaft sein. Auch Asthma­anfälle können allergisch bedingt sein. So ge­nannte anaphylaktische Reaktionen können lebensbedrohlich sein. Bei diesen verengen sich die Atemwege, sodass das Atmen schwer fällt, die Blutgefäße weiten sich, und der Blutdruck sinkt ab.

Der Arzt muss als Erstes feststellen, ob es sich um eine allergische Reaktion handelt. Da­zu wird er unter anderem nach nahen Verwand­ten mit Allergien fragen. Mit einer Blutunter­suchung lässt sich ein spezieller Typ weißer Blutkörperchen, die so genannten Eosinophi­len, nachweisen. Bei einer allergischen Reak­tion produziert der Körper sie in großer Menge.

Da jede allergische Reaktion durch ein spezi­fisches Allergen ausgelöst wird, ist es die Haupt­aufgabe der Diagnostik, das jeweilige Allergen zu identifizieren. Oft lässt sich das verantwort­liche Allergen daran erkennen, wann die Aller­gie erstmals auftrat und wann und wie oft sie abläuft – z. B. während einer bestimmten Jah­reszeit oder nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel.

Mit Hauttests lassen sich bestimmte Aller­gene am besten bestimmen. Normalerweise wird als Erstes ein Prick-Test durchgeführt. Da­bei wird aus den Pollen von Bäumen, Gräsern und Kräutern, aus Pilzsporen, Hausstaub, tieri­schen Hautschuppen, Insektengift, Nahrungs­mitteln und einigen Arzneimitteln eine ver­dünnte Lösung hergestellt. Sodann bekommt die Testperson einen Tropfen von jeder Lösung

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