Bei einer Transplantation werden lebende Zel­len, Gewebe oder Organe von einer Person auf eine andere oder von einer Stelle des Körpers an eine andere übertragen.

Die häufigste Form der Transplantation sind Bluttransfusionen , wie sie jedes Jahr Millio­nen von Menschen erhalten. Darüber hinaus werden Organe und Körpergewebe transplan­tiert.

Gewebe und Organe stammen von einem Spender. Dieser kann eine lebende Person sein oder jemand, der kurz vor der Organentnahme gestorben ist. Transplantationen von Geweben und Organen von lebenden Spendern verlaufen erfolgreicher als solche von toten Spendern. Al­lerdings können Organe wie das Herz natürlich nur toten Spendern entnommen werden.

Die am häufigsten transplantierten Lebend­spenden sind Stammzellen aus Knochenmark oder Blut und Nieren. Eine Niere kann gewöhn­lich problemlos entnommen werden, da der Körper zwei Nieren hat und im Normalfall eine ausreicht, um alle Funktionen zu erfüllen. Eine Lebendspende ist auch mit Teilen der Lunge oder Leber möglich.

Die meisten Organe stammen jedoch von Spendern, die sich noch zu Lebzeiten zur Organ­spende bereit erklärt haben oder bei deren heran­nahendem Tod ein enger Familienangehöriger der Organentnahme zugestimmt hat. Vielfach handelt es sich bei den Spendern um gesunde Menschen, die aufgrund eines Unfalls gestor­ben sind. Als Spenderorgane kommen die Horn­haut beider Augen, beide Nieren, die Leber, beide Lungenflügel und das Herz infrage. Einige Organe überleben lediglich einige Stunden außerhalb des Körpers; andere können einige Tage gekühlt gelagert werden.

Seit Ende 1997 regelt in Deutschland das Transplantationsgesetz die Spende, Entnahme und Übertragung von Organen, ausgenommen die von Knochenmark. In ihm werden die Kran­kenversicherungen aufgefordert, ihren Mitglie­dern nahe zu legen, sich mit einem Ausweis als potenzieller Organspender zu deklarieren. Mit einem solchen Organspendeausweis kann man der Organentnahme grundsätzlich zustimmen, man kann sie aber auch auf bestimmte Organe beschränken. Die Daten des Ausweises können

KAPITEL 187

Transplantation

in einem Organspenderegister gespeichert und einem Krankenhaus jederzeit zur Verfügung ge­stellt werden.

In Deutschland werden jährlich etwa 3 000 Organstransplantationen durchgeführt. Doppelt so viele wären nötig, und etwa 13 000 Patienten warten auf ein passendes Spenderorgan. Doch erst etwa acht Prozent der Deutschen haben einen Organspendeausweis.

Damit eine Organtransplantation ohne Ver­zögerung durchgeführt werden kann, werden die Informationen über Patienten, die ein be­stimmtes Organ zum Überleben brauchen, in einer Computerdatenbank gespeichert, ebenso der jeweilige Gewebetyp, um prüfen zu können, wie genau Spender und Empfänger zueinander passen. Diese Datenbank heißt Eurotransplant, hat ihren Sitz in den Niederlanden und arbeitet europaweit. Von dort haben die deutschen Trans­plantationszentren bisher erheblich mehr Orga­ne erhalten, als sie dorthin abgegeben haben.

Eine Organtransplantation macht, anders als die Bluttransfusion, üblicherweise eine »große« Operation und den Einsatz von Medikamenten, die die Immunabwehr unterdrücken (Immun­suppressiva), erforderlich. Darüber hinaus be­steht die Gefahr der Transplantatabstoßung so­wie ernster Komplikationen. Und doch ist die Organtransplantation für viele Menschen mit einer irreparablen Funktionsstörung lebens­wichtiger Organe die einzige Hoffnung auf ein normales Leben oder sogar Überleben.

Gewebevergleich

Es ist wünschenswert, dass die Gewebeeigen­schaften von Organspender und -empfänger möglichst genau übereinstimmen, da das Im­munsystem fremdes Gewebe normalerweise angreift. (Für den Körper ist transplantiertes Gewebe fremdes Gewebe.) Das wird als Ab­stoßungsreaktion bezeichnet. Eine möglichst genaue Übereinstimmung der Gewebe mindert

Grundlagen der Organ-

transplantation

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