Kapitel 218ERKRANKUNGEN DES MITTEL- UND INNENOHRS1239

den Antibiotika eingenommen, bei schwerer Infektion werden sie gespritzt. Die Wahl des Antibiotikums hängt davon ab, wie schwer die Infektion ist und welche Erreger beteiligt sind.

Tumoren im Ohr können gutartig (benigne) und bösartig (maligne) sein. Die meisten Ohrtumo­ren werden entdeckt, wenn jemand sie sieht, das Ohr untersucht oder der Betroffene merkt, dass sich sein Gehör verschlechtert hat.

Gutartige Tumoren können im Gehörgang wachsen, ihn verlegen und zu Schwerhörigkeit und Ohrenschmalzablagerungen führen. Zu den gutartigen Tumoren zählen kleine Ausstülpun­gen mit Hautsekreten (Atherome), Knochen­tumore (Osteome) und wucherndes Narben­gewebe (Keloide). Wird der Tumor entfernt, normalisiert sich gewöhnlich das Hörvermögen wieder.

Im Bereich des Außenohrs entwickeln sich nicht selten Basalzell- und Plattenepithelkarzi­nome (zwei Formen von Hautkrebs, die oft ent­stehen, wenn das Außenohr wiederholt und un­geschützt der Sonne ausgesetzt wurde ). Im Frühstadium lassen sie sich durch Operation oder Strahlenbehandlung erfolgreich behan­deln. Bei fortgeschrittener Erkrankung muss möglicherweise ein größerer Bereich des äuße­ren Ohres entfernt werden.

Ein Ceruminom ist ein bösartiger Tumor aus den Zellen, die das Ohrenschmalz erzeugen. Er entsteht im äußeren Drittel des Gehörgangs

Das Mittelohr besteht aus dem Trommelfell (Membrana tympanica) und einer luftgefüllten Kammer, in der die drei Gehörknöchelchen (Ossicula) eine Verbindung vom Trommelfell zum Innenohr darstellen. Das Innenohr (Labyrinth) ist mit Flüssigkeit gefüllt. Es setzt sich aus dem Hörorgan, der Schnecke (Coch-

Erkrankungen des Mittel- und

Innenohrs

KAPITEL 218

und kann sich ausbreiten. Ceruminome haben nichts mit Ohrenschmalzansammlungen zu tun. Die Therapie besteht in der Entfernung des Tumors und des umliegenden Gewebes.

Tumoren

lea), und dem Gleichgewichtsorgan (Vestibular­apparat) mit Bogengängen (Sakkulus und Utri­kulus) zusammen. Das Mittelohr verstärkt den Schall. Das Innenohr wandelt die mechani-

Verletzungen

Ein stumpfer Schlag auf das Ohr kann einen Bluterguss zwischen Knorpel und umliegendem Bindegewebe (Perichondrium) hervorrufen. Wenn sich hier Blut ansammelt, schwillt das Ohr an und verfärbt sich blaurot. Das Blut (Hä­matom) kann die Blutversorgung des Knorpels unterbrechen und diesen Bereich des Knorpels absterben lassen. Daraus erwächst eine Ver­formung, die auch als Blumenkohl- oder Boxer­ohr bezeichnet wird, weil man sie häufig bei Ringern, Boxern und Rugbyspielern findet.

Das Hämatom wird aufgeschnitten und der Bluterguss abgesaugt. Nach der Entleerung wird für drei bis sieben Tage ein Druckverband an­gelegt. Dieser hält Haut und Perichondrium an der richtigen Stelle, und der Knorpel wird wie­der durchblutet.

Bei einem Schnitt durch das ganze Ohr wird die Wunde gereinigt, die Haut zusammenge­näht und ein Verband angelegt, der die Wunde schützt und die Heilung des Knorpels gestattet. Der Knorpel selbst wird nicht vernäht.

Ein kräftiger Schlag auf den Kiefer kann die Knochen im Bereich des Gehörgangs brechen lassen und die Form des Gehörgangs verändern. Meist verengt er sich. Die Form lässt sich durch eine Operation wiederherstellen.

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