Kapitel 233ERKRANKUNGEN DES SEHNERVEN1299

Krebsgeschwülste, die die Netzhaut in Mitlei­denschaft ziehen, entwickeln sich gewöhnlich in der Aderhaut, einer dichten Schicht von Blut­gefäßen, die die Netzhaut versorgt. Die Ader­haut liegt zwischen der Netzhaut und der Le­derhaut (dem äußeren weißen Teil des Auges). Da die Netzhaut auf die Blutversorgung durch die Aderhaut angewiesen ist, beeinträchtigt eine Schädigung der Aderhaut durch eine Krebs­geschwulst meist das Sehvermögen.

Malignes Melanom der Aderhaut: Dieser Krebs entwickelt sich in den pigmentproduzierenden Zellen (Melanozyten) der Aderhaut. Es ist der häufigste bösartige Tumor des Auges und tritt vorwiegend bei hellhäutigen blauäugigen Men­schen auf. Im Frühstadium beeinträchtigt der Tumor die Sehfähigkeit nicht. Später kann er in­folge einer Netzhautablösung zu Schleiersehen und völligem Erblinden führen. Zudem können in anderen Körperregionen Metastasen auftreten.

Eine Frühdiagnose ist wichtig, da die Hei­lungschancen von der Tumorgröße abhängen; sie wird mithilfe von Ophthalmoskop, Ultra­schall und Serienfotografien erstellt.

Bei kleinen Tumoren können Auge und Augen­licht gerettet werden, indem man den Tumor

Die Sehzellen der Netzhaut nehmen Licht wahr und übermitteln Impulse an den Sehnerv, der diese zum Gehirn weiterleitet. Störungen im Bereich des Sehnerven und seiner Äste und in den Bereichen an der Rückseite des Gehirns, wo die visuellen Information verarbeitet werden (Sehrinde), können Sehveränderungen verursa­chen. Eine häufige Ursache für eine Sehnerven­schädigung ist ein Hypophysentumor, der auf den Nerv drückt.

Die beiden Sehnerven nehmen von den Augen bis zur Rückseite des Gehirns einen ungewöhn­lichen Weg: An der Sehnervenkreuzung (Chias­ma opticum) teilen sich die Nerven, und jeweils die Hälfte der Nervenfasern eines Sehnerven kreuzt auf die andere Seite über. Wegen dieser

Bösartige Netzhauttumoren

Erkrankungen des Sehnerven

mit Laserlicht operiert oder ihn durch Strah­lung zerstört, die von eingepflanztem radioakti­vem Material ausgesendet wird. Ist der Tumor groß, muss das Auge entfernt werden. Geschieht das nicht, kann er sich in die Augenhöhle (Orbi­ta) und über das Blut zu anderen Organen aus­breiten (metastasieren).

Metastasen in der Aderhaut: Da die Aderhaut sehr gut durchblutet ist, siedeln sich in ihr oft Metastasen eines Krebses aus anderen Körper­regionen an. Bei Frauen handelt es sich meist um Metastasen eines Brustkrebses, bei Männern um solche von Prostata- oder Lungenkrebs.

Häufig verursachen diese Krebsgeschwülste keine Symptome und werden bei einer Routine­untersuchung entdeckt. Treten Symptome auf, sind es im Frühstadium abnehmendes Sehver­mögen und Lichtblitze. Später verschlechtert sich das Sehvermögen weiter, und es kann zu einer Netzhautablösung kommen.

Die Diagnose wird manchmal bei einer Routineuntersuchung mit dem Ophthalmoskop gestellt; hilfreich ist auch eine Ultraschallauf­nahme. Um die Diagnose zu bestätigen, wird meist eine Gewebeprobe entnommen und unter dem Mikroskop untersucht (Biopsie). Behandelt wird gewöhnlich mit Chemo- und Strahlen­therapie.

KAPITEL 233

anatomischen Besonderheit verursachen Schä­den entlang der Sehbahn ein ganz eigentüm­liches Muster von Sehverschlechterung, auf­grund dessen sich häufig diagnostizieren lässt, wo in der Sehbahn das Problem liegt.

Diese Störung, die fast immer beidseitig auf­tritt, wird meist durch einen Gehirntumor oder

Stauungspapille

Bei einer Stauungspapille (Papillenödem) ist das Gewebe an der Stelle, wo der Sehnerv in das Auge übertritt, geschwollen. Grund ist meist ein erhöhter Schädelinnendruck.