Kapitel 238SEXUELLE FUNKTIONSSTÖRUNGEN1319

eine chronische entsteht langsam und neigt da­zu, immer wieder aufzutreten. Nur selten füh­ren Infektionen mit Pilzen, Viren oder Einzel­lern zu einer Prostataentzündung.

Viele Symptome einer Prostataentzündung gehen auf Krämpfe (Spasmen) der Blasen- und Becken­muskulatur, insbesondere im Bereich zwischen Hodensack und After, zurück. Die Entzündung verursacht Schmerzen im Bereich zwischen Ho­densack und After und im Lendenwirbelbereich; nicht selten schmerzen auch Penis und Hoden. Oft kommt häufiger starker Harndrang hinzu, unter Umständen ist das Wasserlassen schmerz­haft oder verursacht Brennen. Auch Erektion und Ejakulation können erschwert oder schmerzhaft sein. Verstopfung kann Schmerzen beim Stuhl­gang bewirken. Einige Symptome treten beson­ders häufig im Zusammenhang mit einer akuten bakteriellen Prostataentzündung auf, z. B. Fieber, Schwierigkeiten beim Wasserlassen und Blut im Urin. Eine bakterielle Prostatitis kann zu Eiter­ansammlung (Abszess) in der Prostata oder einer Nebenhodenentzündung (Epididymitis) führen. Eine chronische Prostataentzündung beeinträch­tigt unter Umständen die Fruchtbarkeit.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose der Prostataentzündung stützt sich auf die Symptome und eine körperliche Untersuchung. Bei der rektalen Untersuchung kann sich die Prostata geschwollen anfühlen und berührungsempfindlich sein. Gelegentlich wird während der Untersuchung eine Harnprobe oder durch Drücken der Prostata etwas Flüssigkeit für eine Kultur entnommen. Werden Bakterien in der Prostataflüssigkeit nachgewiesen, ist die­ses Organ eindeutig der Sitz der Infektion.

Mit sexueller Funktionsstörung (sexuelle Dys­funktion) sind Schwierigkeiten beim Ge­schlechtsverkehr gemeint. Hierunter wird eine Vielzahl von Störungen zusammengefasst, die den Sexualtrieb (Libido), die Fähigkeit, eine Erek-

Sexuelle Funktionsstörungen

KAPITEL 238

Ergeben die Kulturen keinen Hinweis auf eine bakterielle Infektion, ist eine Prostataent­zündung gewöhnlich schwer zu heilen. Sym­ptomatische Behandlungen können auch bei einer chronischen bakteriellen Prostatatis hilf­reich sein.

Bei einer nichtinfektiösen Prostatitis helfen Prostatamassage (per Mastdarm), häufiges Ejaku­lieren und warme Sitzbäder. Entspannungstech­niken (z. B. Biofeedback) wirken krampflösend auf die Beckenmuskulatur und sind dadurch schmerzlindernd. Bei Verstopfung lindern stuhl­erweichende Medikamente Schmerzen beim Stuhlgang. Mit schmerz- und entzündungshem­menden Medikamenten lassen sich Schmerzen und Schwellungen unabhängig von ihrer Ursache bekämpfen. Alpha-Rezeptorenblocker, wie Do­xazosin, Alfuzosin, Tamsulosin und Terazosin, mit denen eine Prostatavergrößerung behandelt wird, können Symptome lindern, indem sie die Muskeln in der Prostata entspannen; dasselbe gilt aus unbekannten Gründen für Antibiotika. Wenn die Symptome trotz Behandlung schwer sind, ist als letzter Ausweg eine teilweise oder vollständige chirurgische Entfernung der Pros­tata in Betracht zu ziehen. Alternativ kann das Prostatagewebe durch eine Mikrowellen- oder Laserbehandlung zerstört werden.

Bei einer bakteriellen Prostataentzündung werden für 30 bis 90 Tage Antibiotika, wie Ciprofloxacin, Levofloxacin, Ofloxacin oder Cotrimoxazol, die in das Gewebe der Prostata eindringen, gegeben. Bei einer kürzeren Be­handlungszeit heilt die Infektion eventuell nicht vollständig ab und wird chronisch. Eine chronische Prostataentzündung ist nur schwer heilbar. Ein Prostataabszess muss gewöhnlich chirurgisch entleert werden (Drainage).

Symptome

tion zu erreichen und aufrechtzuerhalten (erek­tile Dysfunktion oder Impotenz), die Ejakula­tions- und Orgasmusfähigkeit beeinflussen.

Eine sexuelle Funktionsstörung kann physi­sche oder psychische Ursachen haben; viele se-