Alle weiblichen Geschlechtsorgane können an Krebs erkranken – Vulva, Scheide, Gebärmut­terhals, Gebärmutter, Eileiter oder Eierstöcke.

Ein gynäkologisches Karzinom kann direkt in umliegende Gewebe und Organe einwachsen und sich über Lymphgefäße und Lymphknoten und das Blut in entfernte Teile des Körpers ver­breiten.

Diagnose

Regelmäßig durchgeführte Früherkennungs­untersuchungen können Krebserkrankungen, insbesondere an Gebärmutterhals und Gebär­mutter, frühzeitig aufdecken. Wenn auffällige Stellen bereits im Vorstadium (Präkanzerosen) entdeckt werden, können solche Untersuchun­gen sogar Krebs verhüten.

Eine Biopsie kann einen Krebsverdacht ge­wöhnlich bestätigen oder ausräumen. Bei einem diagnostizierten Krebs muss das Stadium durch bestimmte Verfahren näher bestimmt werden. Es richtet sich nach der Größe und Ausbreitung des Karzinoms. Zu den häufig genutzten Verfah­ren gehören Ultraschall, Computer- und Magnet­resonanztomographie, Röntgenaufnahmen des Brustkorbs und Knochen- bzw. Leberszintigra­phie.

Oft wird das Stadium erst bestimmt, nach­dem das Karzinom entfernt wurde und Biopsien des umliegenden Gewebes einschließlich der Lymphknoten vorliegen. Karzinome der Gebär­mutter und der Eierstöcke werden den Stadien I (frühestes Stadium) bis IV (fortgeschritten) zu­geteilt. Bei manchen Krebsformen werden die Stadien durch alphabetische Buchstaben weiter unterschieden.

Behandlung

Die Hauptbehandlung gynäkologischer Karzi­nome besteht in der operativen Entfernung des Tumors. Der Operation kann eine Strahlen- oder Chemotherapie folgen. Die Bestrahlung kann von außen kommen oder innerlich erfolgen, in­dem radioaktive Implantate direkt auf den Tu­mor gesetzt werden. Eine äußerliche Strahlen­therapie wird gewöhnlich über mehrere Wochen hinweg an mehreren Wochentagen durchge­führt. Für die innere Strahlentherapie muss die

Geschlechtsorgane

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Krebserkrankungen der weiblichen

Frau einige Tage in der Klinik bleiben, bis die Implantate wieder entnommen werden.

Für eine Chemotherapie werden die Medika­mente infundiert oder eingenommen. Sie dauert fünf Tage bis sechs Wochen, auf die eine Erho­lungsphase von mehreren Wochen folgt. Dieser Zyklus kann etliche Male wiederholt werden. Unter Umständen muss die Frau während der Chemotherapie im Krankenhaus bleiben.

Bei sehr fortgeschrittenem gynäkologischem Krebs kann eine Strahlen- oder Chemotherapie die Größe des Tumors und der Metastasen ver­ringern und Schmerzen und andere Symptome lindern. Darüber hinaus ist eine medikamentö­se Schmerzbehandlung möglich.

Gebärmutterkrebs

Gebärmutterkrebs beginnt in der Gebärmutter­schleimhaut (Endometriumkarzinom). Es ist der häufigste gynäkologische Krebs; zwei Drittel der betroffenen Frauen haben die Wechseljahre bereits hinter sich.

Zu den Risikofaktoren für Gebärmutterkrebs zählen:

• Erhebliches Übergewicht

• Frühes Einsetzen der Menstruation

• Spätes Einsetzen der Wechseljahre

• Keine oder wenig Geburten

• Syndrom der polyzystischen Ovarien

• Östrogen bildende Tumoren

• Östrogenbehandlung ohne Gestagenzusatz

• Behandlung mit Tamoxifen

• Bestrahlungstherapie

Viele dieser Faktoren erhöhen das Krebsrisiko, weil sie den Spiegel an Östrogen, nicht aber den von Progesteron erhöhen. Östrogen fördert das Gewebewachstum und eine rasche Zellteilung in der Gebärmutterschleimhaut. Da der Östro­genspiegel in bestimmten Phasen des Menstrua­tionszyklus hoch ist, kann das Risiko für Ge­bärmutterkrebs steigen, wenn eine Frau viele Menstruationen erlebt hat. Tamoxifen wird zur Brustkrebsbehandlung eingesetzt. In der Brust

siehe Abbildung Seite 1337