Familienplanung bedeutet, die Anzahl und den Zeitpunkt der Schwangerschaften zu steuern. Die meisten Verhütungsmethoden verhindern eine Schwangerschaft, solange sie angewendet werden, eine Sterilisation unterbindet sie dauerhaft. Eine unerwünschte Schwangerschaft kann in Deutschland unter bestimmten, gesetz­lich festgelegten Bedingungen abgebrochen wer­den.

Unter Empfängnisverhütung versteht man Vor­kehrungen, die die Befruchtung einer Eizelle durch eine Samenzelle (Konzeption) bzw. die Einnistung des befruchteten Eies in die Gebär­mutterschleimhaut (Implantation) verhindern.

Keine Methode zur Empfängnisverhütung ist absolut sicher, bestimmte Verfahren sind aber deutlich zuverlässiger als andere. Welche Me­thode gewählt wird, hängt vom Lebensstil, per­sönlichen Vorlieben und vom Grad der benötig­ten Zuverlässigkeit ab.

Mit Östrogen und Gestagenen (Wirkstoffe, die dem Hormon Progesteron ähneln) lässt sich eine Empfängnis verhüten. Die empfängnisver­hütende Wirkung dieser Hormone beruht in erster Linie darauf, dass sie verhindern, dass die Eierstöcke reife Eier abgeben, oder dass sie den Schleim im Gebärmutterhals für Spermien un­durchlässig machen.

Orale Empfängnisverhütung

Empfängnisverhütungsmittel zum Einnehmen heißen im allgemeinen Sprachgebrauch die »Pil­le«. Sie enthalten entweder eine Kombination aus Östrogen und Gestagen oder nur ein Gesta­gen.

Kombinationspräparate werden gewöhnlich drei Wochen lang täglich eingenommen. Da­nach folgt eine Woche Pause, in der eine Blu­tung stattfindet. Anschließend beginnt die Ein­nahme erneut. Bei Präparaten mit 28 Tabletten nimmt die Frau in der hormonfreien Woche wirkstofffreie Tabletten ein, damit sie den Ein-

HORMONELLE VERHÜTUNGSMETHODEN

Empfängnisverhütung

KAPITEL 253

Familienplanung

nahmerhythmus nicht unterbrechen muss. Bei vorschriftsmäßiger Verwendung werden im ers­ten Jahr der Einnahme eines Kombinations­präparats weniger als zwei von 1000 Frauen schwanger. Das Schwangerschaftsrisiko steigt, wenn eine Tablette vergessen wird, insbesondere wenn es sich um Tabletten handelt, die zu Be­ginn des Zyklus eingenommen werden.

Der Östrogengehalt der verschiedenen Kom­binationspräparate unterscheidet sich. Präpara­te mit 20 bis 35 Mikrogramm Östrogenmenge rufen weniger ernste Nebenwirkungen hervor als Präparate mit 50 Mikrogramm. Gesunde Frauen, die nicht rauchen, können Mittel mit niedrig dosiertem Östrogen ohne Unterbre­chung bis zu den Wechseljahren einnehmen.

Reine Gestagenpräparate, die so genannte Mi­nipille, werden täglich eingenommen. Sie füh­ren häufig zu unregelmäßigen Blutungen. Etwa fünf bis 50 von 1000 Frauen, die auf diese Weise verhüten, werden innerhalb eines Jahres schwan­ger. Gestagenpräparate kommen für Frauen in­frage, bei denen Bedenken gegen die Anwen­dung von Östrogen bestehen. Bei Stillenden kann Östrogen z. B. Menge und Qualität der Milch mindern. Gestagentabletten beeinflussen die Milchproduktion nicht.

Vor der Verordnung der »Pille« muss die Frau körperlich untersucht und ihr Blutdruck ge­messen werden. Vorerkrankungen, bei denen hormonelle Mittel ein Risiko darstellen, schlie­ßen ihre Anwendung als Verhütungsmittel aus. Wenn die Frau oder nahe Verwandte an Diabe­tes oder Herzerkrankungen leiden, werden Blut­fettwerte und der Blutzucker bestimmt. Bei auf­fälligen Werten kann zwar ein niedrig dosiertes Hormonpräparat eingesetzt werden, doch Blut­fette und Blutzucker müssen regelmäßig über­wacht werden. Drei Monate nach Beginn der Pilleneinnahme ist eine erneute Blutdruckkon­trolle sinnvoll. Anschließend sollte die Frau mindestens einmal im Jahr untersucht werden.

Vor Beginn der Pilleneinnahme sollten Arzt und Patientin die Vor- und Nachteile dieser Me­thode in Bezug auf die individuelle Situation der Frau durchsprechen.

Vorteile: Bei vorschriftsmäßiger Einnahme wirkt die »Pille« zuverlässig und dauerhaft. Menstruationskrämpfe, prämenstruelles Syn­drom, unregelmäßige Blutungen, Blutarmut,