Kapitel 259GEBURTSKOMPLIKATIONEN1441

Plazenta löst und herauskommt. Wenn die Nachgeburt länger als 30 Minuten ausbleibt, muss der Geburtshelfer möglicherweise eine Hand durch die Scheide einführen und die Pla­zenta manuell lösen.

Nach der Austreibung der Plazenta wird sie auf Vollständigkeit überprüft, denn eventuell in der Gebärmutter verbliebene Reste hindern die­se daran, sich zusammenzuziehen. Diese Kon­traktionen sind jedoch wichtig, damit die Blu­tung an der Stelle, wo die Plazenta gehaftet hat, zum Stillstand kommt. Bleiben Plazentafet­zen zurück, kann es nach der Geburt zu erheb­lichen Blutverlusten kommen. Deshalb müssen diese manuell oder mit Instrumenten entfernt werden.

Häufig erhält die Mutter nach der Austrei­bung oder Entfernung der Plazenta Oxytozin. Außerdem wird ihr Bauch regelmäßig massiert, damit sich die Gebärmutter zusammenzieht.

Danach näht der Arzt eventuelle Risse im Ge­bärmutterhals, in der Scheide und im umliegen-

Eine normale Geburt verläuft problemlos. Ernste Schwierigkeiten treten nur selten auf und sind normalerweise vorhersehbar und behandelbar. Mitunter kommt es jedoch zu unerwarteten Komplikationen. Wenn die Schwangere alle Vor­sorgeuntersuchungen wahrnimmt, hat sie jedoch gute Chancen, mögliche Probleme im Vorfeld zu erkennen; dann sind die Aussichten auf ein gesundes Kind und eine sichere Geburt gut.

Die Wehen können zu früh (vor der 37. Woche) oder zu spät (nach der 41. bis 42. Woche) ein­setzen. Beides kann das Leben des Ungeborenen gefährden. Zu frühe oder zu späte Wehen gehen häufig auf medizinische Probleme bei Mutter oder Kind zurück. Mitunter liegt das Kind auch falsch.

Nur etwa zehn Prozent aller Entbindungen finden zum errechneten Termin nach rund 40

Wehenprobleme 

Geburtskomplikationen

den Muskelgewebe. Auch ein Dammschnitt wird vernäht, ehe die Mutter in ein anderes Zimmer verlegt wird. Wenn das Kind gesund ist, kann es meist bei der Mutter bleiben. Um die Mutter-Kind-Bindung zu unterstützen, dür­fen die Frau und ihr Baby häufig zunächst drei bis vier Stunden an einem warmen, privaten Ort zusammen sein. Viele Frauen möchten ihr Kind möglichst rasch nach der Geburt zum ersten Mal stillen. Später wird es vielleicht auf die Säuglingsstation gebracht. In vielen Klini­ken kann die Frau das Kind auf Wunsch auf dem Zimmer behalten (Rooming-in). Dabei wird das Kind gewöhnlich gestillt, sobald es Hunger zeigt, und die Frau lernt vor der Entlassung, wie sie es versorgen muss. Wenn eine Frau Ruhe braucht, kann sie das Kind auf die Säuglings­station bringen lassen.

Da die meisten Komplikationen, insbeson­dere Blutungen, innerhalb von 24 Stunden nach der Entbindung auftreten, werden Mutter und Kind während dieser Zeit sorgfältig beobachtet.

KAPITEL 259

Wochen Schwangerschaft statt. Etwa die Hälfte der Frauen entbindet innerhalb von einer Woche davor und danach, rund 90 Prozent innerhalb von zwei Wochen um das errechnete Datum. Die Dauer der Schwangerschaft ist mitunter schwierig zu ermitteln, weil der genaue Termin der Empfängnis selten bekannt ist. Eine Ultra­schalluntersuchung zu Beginn der Schwanger­schaft kann bei der Festlegung helfen. Ultra­schallaufnahmen in der Mitte oder gegen Ende der Schwangerschaft sind zur Ermittlung der Schwangerschaftsdauer weniger hilfreich.

Vorzeitiger Blasensprung: Die Fruchthüllen um den Fetus können schon vor dem Beginn der Wehen einreißen. Diese folgen jedoch meist in­nerhalb von zwölf bis 48 Stunden. Bei einem sol­chen Blasensprung läuft das Fruchtwasser tröp­felnd oder schwallartig aus der Scheide. Sobald die Frau Fruchtwasser verliert, sollte sie Arzt oder Hebamme verständigen.

Wenn nicht innerhalb von 24 bis 48 Stunden die Wehen einsetzen, steigt das Risiko einer In-