Kapitel 262STÖRUNGEN BEI NEUGEBORENEN1467

in Deutschland noch vor und sind in anderen Ländern der Welt sogar weit verbreitet. Sie kön­nen sich bei Kindern ohne entsprechenden Impf­schutz, die bei einer Reise in entsprechende En­demiegebiete besonders gefährdet sind, schnell ausbreiten.

Kein Impfstoff ist 100-prozentig wirksam oder 100-prozentig sicher. Einige wenige geimpfte Kinder entwickeln keine Immunität, bei eini­gen wenigen treten unerwünschte Impfreak­tionen auf. Diese Nebenwirkungen sind meist mild, so etwa Schmerzen an der Injektionsstel­le, ein juckender Hautausschlag und leichtes Fieber. In ganz seltenen Fällen sind jedoch auch schwerwiegendere Komplikationen möglich. Der Polioschluckimpfstoff, der aus einem abge­schwächten Lebendvirus hergestellt wird, kann tatsächlich Polio verursachen, wenn das abge­schwächte, von einem Impfling ausgeschiedene Virus in der Natur zu einem so genannten Wild­virus wird – das geschieht mit einer Häufig­keit von 1 zu 2,4 Millionen geimpften Kindern. Aufgrund dieses Risikos wird seit einigen Jah­ren mit einem inaktivierten Polioimpfstoff bzw. Poliototimpfstoff geimpft, der gespritzt wird. Auch die Keuchhusten-Komponente des älteren Diphtherie-,Tetanus- und Ganzzell-Per­tussis-Impfstoffes (DTP) verursachte Neben­wirkungen: Bei etwa einem von 10 000 Kin­dern kam es zu Fieberkrämpfen und in noch selteneren Fällen zu Verwirrtheit und Ohn­macht. Selbst wenn diese Episoden keine Dauerschäden verursachen, so versetzen sie die Eltern doch in Sorge und Aufregung. Heute wird in Deutschland zur Keuchhustenimpfung nur noch der azelluläre Pertussisimpfstoff (DTaP) verwendet, der nebenwirkungsärmer ist. Zu Fieberkrämpfen kam es auch als Reak­tion auf eine Masern-Mumps-Röteln-Impfung

Manche der Störungen, die beim Neugeborenen nach der Geburt auftreten können, sind durch den Geburtsvorgang verursacht, viele von ih­nen beeinträchtigen die Atemfunktion des Neu­geborenen. Das Neugeborene kann ungewöhn-

Störungen bei Neugeborenen

(MMR) bei drei von 10 000 Kindern. Ein vermu­teter Zusammenhang zwischen der MMR-Imp­fung und dem Auftreten von Autismus ist wis­senschaftlich widerlegt.

In Deutschland sind Ärzte seit 2001 gesetzlich verpflichtet, beim Verdacht einer über das übli­che Maß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung das zuständige Gesundheitsamt zu informieren. Den Betroffe­nen soll durch das Gesundheitsamt Hilfestel­lung bei einem möglichen Entschädigungsver­fahren angeboten werden. Bei der Abwägung der Impfrisiken sollten Eltern jedoch immer beden­ken, dass die durch die betreffende Impfung vermeidbare Erkrankung eine weitaus größere Gesundheitsgefährdung für ihr Kind darstellt als das Impfrisiko.

Nach dem Standardimpfplan wird empfohlen, Kinder im 2., 3., 4. und 12. Lebensmonat gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Kinderläh­mung (Polio), HiB-Infektionen und Hepatitis B zu impfen. Um den ersten und zweiten Geburts­tag herum sollen dann noch Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln stattfinden. Mit eineinhalb Jahren sollte die Grundimmunisie­rung gegen alle wichtigen Krankheiten abge­schlossen sein. Mit sechs Jahren wird die Imp­fung gegen Tetanus und Diphtherie, mit etwa 16 Jahren die gegen Tetanus, Diphtherie, Keuch­husten, Polio und Hepatitis B noch einmal auf­gefrischt.

Viele Impfungen müssen mehrfach wieder­holt werden, bevor ein voller Impfschutz gege­ben ist. Verzögerungen einzelner Schritte be­einträchtigen aber die Immunität nicht; es ist nicht notwendig, mit dem Impfschema neu zu beginnen.

Wenn die Eltern es wünschen, können sie von dem empfohlenen Impfschema abweichen.

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lich groß oder klein sein oder z. B. einen unge­wöhnlich hohen oder niedrigen Blutzuckerspie-

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