Kapitel 271VIRUSINFEKTIONEN1545

eingeführt wird, gewonnen. Säuglingen wird manchmal der Urin über eine Nadel entnom­men, die direkt über dem Schambein in die Haut gestochen wird. Einen auf die Genitalregion aufgebrachten Klebebeutel zum Auffangen des Urins zu verwenden, ist wenig sinnvoll, da der Urin häufig mit Bakterien und anderem Mate­rial der Haut verunreinigt wird.

Der Urin wird mikroskopisch und chemisch auf weiße Blutzellen und Bakterien untersucht. Außerdem wird eine Urinkultur angelegt, um die Bakterienart zu bestimmen. Die Urinkultur ist die verlässlichste Nachweismethode.

Bei Mädchen unter zwei bis drei Jahren und bei Jungen jeden Alters macht eine Harnwegin­fektion diagnostische Tests erforderlich, um ab­zuklären, ob eine Fehlbildung der Harnwege vorliegt. Dasselbe gilt für ältere Mädchen mit stets wiederkehrenden HWIs. Zu diesen Unter­suchungen gehören eine Ultraschalluntersu­chung, mit der sich Nierenfehlbildungen und -verengungen nachweisen lassen, sowie eine Miktionszystourethrographie (MCUG), mit der sich ebenfalls Fehlbildungen der Nieren, des Harnleiters und der Blase erkennen lassen, und die außerdem feststellt, ob ein Harnrückfluss (Reflux) stattfindet. Hierzu wird ein Katheter durch die Harnröhre in die Blase geschoben. Nachdem ein Kontrastmittel über den Katheter eingespült wurde, wird vor und nach dem Was­serlassen geröntgt. Bei der so genannten Iso­topen-MCUG wird im Unterschied dazu ein ra­dioaktives Kontrastmittel in die Blase gespritzt. Die Bilder werden mit einem speziellen Scanner gemacht. Bei diesem Verfahren werden die Eier­stöcke bzw. Hoden des Kindes einer geringeren Strahlenmenge ausgesetzt als bei der Miktions­zystourethrographie. Die Isotopen-MCUG eig­net sich jedoch besser zur Verlaufskontrolle als zur Diagnose einer Harnabflussbehinderung und

Es gibt eine Reihe viral bedingter Kinderkrank­heiten. Da die meisten von ihnen aber nicht ernst sind und die Kinder auch ohne Behand­lung schnell wieder gesund werden, wird meist

Virusinfektionen

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des Harnrückflusses, da sie die Strukturen we­niger deutlich darstellt. Nierenbeckenentzün­dung und Nierenvernarbung lassen sich mit ei­ner Szintigraphie nachweisen.

Vorbeugung und Behandlung

Einem Harnweginfekt lässt sich nur schlecht vorbeugen, vernünftige Hygiene kann jedoch zum Gesundbleiben beitragen. Kleine Mädchen müssen beizeiten lernen, sich nach dem Stuhl­gang von vorn nach hinten – und nicht um­gekehrt – abzuwischen. Damit soll verhindert werden, dass Darmbakterien in die Harnröhre gelangen. Außerdem sollte bei Jungen und Mäd­chen, die anfällig für HWIs sind, auf Schaum­bäder verzichtet werden, da diese den Bereich der Harnröhre reizen können. Bei Jungen lässt sich durch eine Beschneidung im ersten Le­bensjahr das Risiko für eine HWI deutlich sen­ken. Ob dieser Beweggrund allein jedoch für eine Beschneidung ausreicht, ist umstritten. Regelmäßiges Wasserlassen und regelmäßiger Stuhlgang tragen ebenfalls dazu bei, das HWI-Risiko zu senken.

Kinder mit Harnweginfekt erhalten Anti­biotika. Sehr kranke Kinder und Neugeborene bekommen sie gespritzt, die anderen Kinder nehmen sie ein. Der Behandlungszyklus dauert normalerweise sieben bis 14 Tage. Muss das Kind noch auf entwicklungsbedingte Fehlbil­dungen hin untersucht weden, kann das Anti­biotikum niedrig dosiert so lange weitergegeben werden, bis die Untersuchungsbefunde vorlie­gen.

Manche Fehlbildungen müssen operativ kor­rigiert werden. Andere machen die tägliche Ein­nahme von Antibiotika erforderlich, um eine Infektion zu verhindern. Wiederum andere sind so mild ausgeprägt, dass sie sich von allein zu­rückbilden und keinerlei Behandlung bedürfen.

erst gar nicht versucht, den Erreger zu identifi­zieren. Einige Infektionen sind so charakteris­tisch, dass die Diagnose schon anhand der Sym­ptome möglich ist.