Die meisten Knochenerkrankungen im Kindes­alter gleichen denen von Erwachsenen. Es gibt jedoch einige Unterschiede.

Das kontinuierliche Wachstum der Knochen von Kindern findet in den so genannten Wachs­tumsfugen statt. Darüber hinaus verändern die Knochen von Kindern ihre Form. Dabei wird altes Knochengewebe nach und nach durch neu­es ersetzt. Dieser Knochenumbau vollzieht sich bei Kindern in weitaus stärkerem Maße als bei Erwachsenen. Kinderknochen heilen viel schnel­ler als die von Erwachsenen. Narbenbildung und Versteifung kommen dagegen seltener vor. Die meisten im Kindesalter auftretenden Knochen­erkrankungen sind relativ harmlos und verur­sachen keine Dauerschäden.

Ursachen

Knochenerkrankungen können bei Kindern aus denselben Gründe auftreten wie bei Erwach­senen, z. B. aufgrund von Verletzungen oder Infektionen. Davon abzugrenzen ist die sich all­mählich entwickelnde Fehlstellung von Kno­chen. Bei Kindern können die Knochen der Bei­ne stark gekrümmt sein; Ursache hierfür ist die Lage, die sie während der Schwangerschaft im Mutterleib innehatten.

Auch die Wachstumsfugen können geschädigt werden, z. B. durch Mangeldurchblutung, Ablö­sung vom restlichen Knochen oder bereits durch eine kleinere Fehlstellung. Durch eine geschä­digte Wachstumsfuge kann das Wachstum ge­hemmt und das Gelenk verformt werden; dann kann eine Arthrose das Gelenk dauerhaft schä­digen.

Einige seltene erbliche Bindegewebeerkran­kungen betreffen die Knochen: das Marfan-Syn­drom, Mukopolysaccharidosen, Glasknochen­krankheit, Chondrodysplasie und Osteopetro­sen.

Symptome und Diagnose

Kinder haben im Allgemeinen die gleichen Sym­ptome wie Erwachsene. Die Schmerzen entwi­ckeln sich meist langsam über Wochen oder Monate hinweg. Säuglinge und sehr junge Kin­der sind häufig nicht in der Lage, ihre Schmer­zen mitzuteilen. Knochenerkrankungen verur­sachen manchmal schmerzlose Verformungen. Manche von ihnen beeinträchtigen die Fähig-

KAPITEL 276

Knochenerkrankungen 

keit des Kindes, zu gehen oder seine Gliedma­ßen zu benutzen. Die Diagnose von Knochener­krankungen entspricht der von Erwachsenen.

Behandlung

Die meisten Knochenerkrankungen, wie Brü­che und Infektionen, werden im Großen und Ganzen bei Kindern ebenso behandelt wie bei Erwachsenen.

Ist die Wachstumsfuge geschädigt, können die abgelösten oder fehlstehenden Enden der Wachs­tumsfuge operativ korrigiert werden, sodass der Knochen wieder normal wachsen kann. Wenn sich keine Fehlstellung ausbildet, welche die Gelenke belastet, entsteht auch keine Arthrose.

Zieht die Knochenerkrankung eine körper­liche Fehlbildung nach sich, kann das Kind Ängste und Depressionen entwickeln. Manch­mal ist auch die Behandlung selbst psychisch sehr belastend. Muss ein Jugendlicher beispiels­weise ein Stützkorsett oder Gips tragen, kann er sich dadurch anders als seine Altersgenossen und von ihnen ausgeschlossen fühlen. Psychi­sche Beratung hilft, Ängste und Depressionen abzubauen und eine psychisch belastende Be­handlung zu akzeptieren und zu überstehen.

Skoliose kommt sehr häufig vor, besonders bei Mädchen. Die Störung kann angeboren sein oder sich erst im Jugendalter entwickeln. Die Ursache bleibt meist unbekannt. Die meisten Krümmungen verlaufen nach rechts im oberen Rückenbereich und nach links im Lendenwirbel­bereich. Meist steht die rechte Schulter höher als die linke. Auch eine Hüfte kann höher stehen als die andere.

Symptome und Diagnose

Eine leichte Skoliose verursacht meist keine Symptome. Wenn das Kind lange gesessen oder gestanden hat, kann ihm der Rücken wehtun

Skoliose

Hierbei ist die Wirbelsäule ungewöhnlich ge­krümmt.

siehe Seite 317 
siehe Seite 1588