Kapitel 284PSYCHISCHE ERKRANKUNGEN1615

Schizophrenie im Kindesalter – weder Stimme noch Gesichtsausdruck entsprechen der jewei­ligen emotionalen Situation. Ereignisse, die Men­schen normalerweise zum Lachen oder Weinen bringen, lösen keine Reaktion aus.

Die Diagnose einer Schizophrenie stützt sich auf die eingehende Beurteilung der Symptome und auf psychologische Tests. Mögliche zugrun­de liegende Störungen, wie Drogenmissbrauch, ein Gehirntumor oder andere Erkrankungen, müssen ausgeschlossen werden.

Die Halluzinationen und Wahnzustände wer­den mit Neuroleptika, wie Haloperidol, Olan­zapin, Quetiapin und Risperidon, behandelt . Kinder sind jedoch besonders anfällig für Ne­benwirkungen, wie Muskelzittern, verlangsam­te Bewegungen und Bewegungsstörungen. Das schizophrene Kind muss meist psychologisch unterstützt und sonderpädagogisch gefördert werden; die Familienmitglieder brauchen eine Beratung, die ihnen hilft, mit der Erkrankung und den Krankheitsfolgen zurechtzukommen.

Wenn sich die Symptome verschlimmern, kann eine vorübergehende stationäre Aufnah­me erforderlich werden, um die Medikamenten­dosis anzupassen und ihre sichere Anwendung zu garantieren.

Dieser Zustand ist durch tiefe Traurigkeit ge­kennzeichnet, die zwar auf einen vor Kurzem erfolgten Verlust oder ein trauriges Ereignis fol­gen kann, aber in keinem Verhältnis zu dessen Bedeutung steht und unangemessen lange an­dauert .

Traurigkeit und Unglücklichsein sind normale menschliche Regungen auf belastende Ereignis­se. Bei Kindern und Jugendlichen können dies der Tod oder Trennung der Eltern, Wegzug eines Freundes, Schwierigkeiten, sich in der Schule zurechtzufinden, und Probleme, Freunde zu fin­den, sein. Manchmal jedoch nimmt dieses Ge­fühl der Traurigkeit Ausmaße an, die in keinem Verhältnis zur Bedeutung des auslösenden Er­eignisses stehen, oder es besteht unerwartet lan­ge fort. Wenn diese negativen Gefühle die »All­tagstauglichkeit« beeinträchtigen, kann es sein, dass das Kind an einer Depression leidet. Manche Kinder können auch ohne auslösende Lebens­ereignisse eine Depression bekommen. Diese so genannte endogene Depression kommt häu-

Depressionen

figer bei einer Familiengeschichte mit affekti­ven Störungen vor.

Was eine Depression verursacht, ist nicht voll­ständig geklärt, es scheinen jedoch chemische Ungleichgewichte im Gehirn an der Entstehung beteiligt zu sein. Wahrscheinlich spielt auch eine erbliche Vorbelastung eine große Rolle. Insgesamt scheinen eine Reihe von Faktoren, Lebenserfahrungen und genetische Veranlagung das Auftreten von Depressionen zu begünsti­gen. Manchmal liegt der Störung eine körper­liche Erkrankung, wie eine Schilddrüsenunter­funktion, zugrunde.

Behandlung
Symptome und Diagnose

Die Hauptsymptome einer Depression bei Kin­dern sind eine überwältigende Traurigkeit und ein Gefühl der Nutz- und Wertlosigkeit sowie Schuldgefühle. Das Kind verliert sein Interesse an Aktivitäten, die ihm normalerweise Spaß machen, z. B. am Sport, Fernsehgucken, an Videospielen und am gemeinsamen Spiel mit Freunden. Appetitveränderungen – mehr oder weniger Appetit – haben oft beträchtliche Ge­wichtsveränderungen zur Folge. Meist leidet das Kind an Schlaflosigkeit oder einem unge­wöhnlich gesteigerten Schlafbedürfnis. Depres­sive Kinder sind oft energiearm und körperlich inaktiv. Vor allem bei jüngeren Kindern kann eine Depression auch durch Verhaltensweisen maskiert werden, die auf den ersten Blick in eine andere Richtung deuten, wie Überaktivität und aggressives und unsoziales Verhalten. Da die Denk- und Konzentrationsfähigkeit des Kin­des durch die Symptome beeinträchtigt sind, leidet im Allgemeinen die schulische Leistung. Selbstmordgedanken, -fantasien und auch -ver­suche sind häufig. Bei depressiven Kindern muss der Arzt immer wieder aufs Neue die Selbst­mordgefährdung beurteilen.

Zur Diagnose einer Depression zieht der Arzt verschiedene Informationsquellen heran, dazu gehören die mit dem Kind bzw. Jugendlichen geführte Befragung und die Informationen durch Eltern und Lehrer. Manchmal hilft ein struktu­rierter Fragebogen , zwischen einer Depres­sion und einer normalen Reaktion auf eine be­lastende Situation zu unterscheiden. Der Arzt versucht herauszufinden, ob familiäre Proble­me oder sozialer Stress die Depression ausgelöst haben und ob eine körperliche Ursache, wie ei­ne Schilddrüsenunterfunktion, zu finden ist.

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