Das zirkulierende Blut hält die Haut und das darunter liegende Gewebe auf konstanter Tem­peratur (etwa 37 °C). Das Blut wird in erster Linie von der Energie gewärmt, die die Zellen freisetzen, wenn sie Nährstoffe verbrennen – ein Prozess, der eine konstante Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff voraussetzt. Das normale Funktionieren aller Körperzellen und -gewebe setzt eine innerhalb bestimmter Gren­zen gleichmäßige Körpertemperatur voraus. Bei niedriger Temperatur arbeiten die meisten Organe auf Sparflamme; schließlich stellen sie ihre Funktion ganz ein.

Bei extrem niedriger Umgebungstemperatur sinkt die Körpertemperatur. Darauf reagiert der Körper mit verschiedenen Schutzmechanis­men, um Wärme zu produzieren. So erzeugen die Muskeln Wärme durch schnelle Bewegun­gen, das Zittern. Die kleinen Blutgefäße in der Haut verengen sich, damit mehr Blut in den lebenswichtigen Organen, wie Herz und Ge­hirn, verbleiben kann. Da die Haut nun aber mit weniger warmem Blut durchblutet wird, kühlen Körperpartien wie Finger, Zehen, Ohren und Nase schneller aus. Wenn die Körpertem­peratur auf unter 31 °C absinkt, versagen diese Schutzmechanismen – der Körper kann sich nicht mehr aufwärmen. Sinkt die Körpertem­peratur unter 28 °C, tritt meist der Tod ein.

Kälteschäden kommen selbst bei extrem kal­tem Wetter nicht vor, wenn die Haut, Finger, Zehen, Ohren und Nase gut geschützt oder nur kurz der Kälte ausgesetzt sind. Das Risiko für Kälteschäden steigt, wenn die Durchblutung gestört ist, die Nahrungsaufnahme unzurei­chend ist und wenn eine Sauerstoffunterver­sorgung besteht, wie sie in großen Höhen vor­kommt.

Mehrere Schichten warmer Kleidung – am besten Wolle oder synthetische Materialen, die auch in nassem Zustand gut isolieren – halten bei Kälte warm. Da über den Kopf viel Wärme verloren geht, ist eine Kopfbedeckung sehr wichtig. Ausreichend Nahrung und Flüssigkeit, vor allem warme, kann ebenfalls helfen. Nah­rung liefert Energie, die verbrannt werden kann, und warme Flüssigkeit versorgt direkt mit Wär­me und beugt einer Austrocknung vor. Auf al­koholische Getränke sollte verzichtet werden, da Alkohol die Blutgefäße in der Haut erweitert.

KAPITEL 289

Kälteschäden

Dadurch wird der Körper vorübergehend als wärmer empfunden, obwohl in Wirklichkeit mehr Wärme verloren geht.

Zu den Kälteschäden zählen Unterkühlung, leichte Erfrierungen, starke Erfrierungen und der Schützengrabenfuß. Weitere im Zusammen­hang mit Kälte stehende Störungen sind das Raynaud-Syndrom bzw. das Raynaud-Phäno­men und allergische Kältereaktionen .

Eine Unterkühlung tritt ein, wenn der Körper mehr Wärme verliert, als durch eine Steigerung des Stoffwechsels durch körperliche Betätigung oder durch Erwärmung von außen ersetzt wer­den kann. Wind, Sitzen und Liegen auf einer kalten Oberfläche und das Eintauchen in kaltes Wasser verursachen einen erhöhten Wärmever­lust. Plötzliches Eintauchen in sehr kaltes Was­ser kann innerhalb von 5 bis 15 Minuten eine tödliche Unterkühlung verursachen. Es gibt aber auch Ausnahmen, wo vor allem kleine Kinder, die eine Stunde lang komplett in eiskal­tes Wasser eingetaucht waren, überlebt haben. Durch den Schock schalten sich alle Körper­schutzsysteme ab. Auch ein längerer Aufent­halt in nur mäßig kaltem Wasser kann eine Unterkühlung nach sich ziehen.

Am stärksten gefährdet sind Personen, die re­gungslos im Kalten liegen, z. B. solche, die einen Schlaganfall erlitten haben oder infolge einer Alkoholvergiftung oder Verletzung das Bewusstsein verloren haben. Sie sind zum einen nicht in der Lage, sich aus der kalten Umgebung zu retten, zum anderen erzeugen sie, weil sie sich nicht bewegen, keine Körperwärme. Diese Menschen können bereits in einer Umgebungs­temperatur von 13 bis 16 °C unterkühlen. Be­sonders anfällig dafür sind sehr junge und sehr alte Menschen. Ältere Menschen kühlen oft aus, wenn sie stundenlang reglos in einem kal­ten Raum sitzen. Kleine Kinder und vor allem

Unterkühlung

Bei Unterkühlung (Hypothermie) ist die Kör­pertemperatur gefährlich niedrig.

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