Kapitel 293TAUCHUNFALL UND DRUCKLUFTKRANKHEITEN1653

Um die Gefahr von Beinaheertrinken zu ver­ringern, sollte niemand allein schwimmen ge­hen und nur in Gewässern schwimmen, die von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft über­wacht werden.

Wer gern im Meer schwimmt, sollte lernen, der so genannten Rippströmung (Rückströmung in die Brandungszone) auszuweichen, indem er parallel zur Küste schwimmt statt gerade darauf zu. Nichtschwimmer und kleine Kinder müssen unbedingt eine Rettungsweste tragen. Sogar beim Spielen in Wassernähe sollten sie eine Schwimm­weste tragen. Wirbelsäulenverletzungen lassen sich vermeiden, indem man nicht in unbekannte und in flache Gewässer hineinspringt.

Je schneller die Wiederbelebungsmaßnahmen am Unfallort eingeleitet werden, desto größer ist die Chance, dass das Opfer ohne Gehirnschädi­gung überlebt. Es sollte alles getan werden, um das Opfer wiederzubeleben, auch wenn es lange Zeit unter Wasser war. Wenn nötig, müssen künstliche Beatmung und kardiopulmonale Re­animation (KPR) eingeleitet werden. Bei Ver­dacht auf eine Wirbelsäulenverletzung darf der Betroffene keinesfalls bewegt werden. Anschlie­ßend muss der Rettungsdienst gerufen werden.

Im Krankenhaus erhalten die meisten Patien­ten Sauerstoff. Wird der Sauerstoff unter Druck

Wer so tief taucht, dass er ein Atemgerät braucht, ist einer Reihe von Verletzungsgefahren ausge­setzt. Beim Tauchen in kaltem Wasser entsteht schnell eine gefährliche Unterkühlung, die zu Schwerfälligkeit und beeinträchtigem Urteils­vermögen führt. Weitere mögliche Tauchrisiken sind Ertrinken, Bisse und Stiche durch Meeres­tiere, Sonnenbrand und Hitzeschäden, Schnitt­wunden und Prellungen sowie Seekrankheit. Medikamente, Alkohol und Drogen können in der Tiefe unvorhersehbare, gefährliche Wirkun­gen haben.

Die meisten tauchassoziierten Störungen sind durch die Druckveränderungen bedingt.

Tauchunfall und Druckluft-

krankheiten

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zugeführt, werden die kollabierten Lungen­abschnitte wieder mit Luft gefüllt. Bei keuchen­der Atmung können bronchienerweiternde Me­dikamente gegeben werden. Manchmal ist eine Sauerstoffbehandlung in der Überdruckkammer erforderlich.

Bei einer Unterkühlung muss das Opfer ent­sprechend aufgewärmt werden. Wirbelsäulenver­letzungen bedürfen einer Spezialbehandlung.

Bei leichten Symptomen kann der Betroffene nach einigen Stunden der Beobachtung in der Notaufnahme wieder nach Hause gehen. Sind die Symptome jedoch nach Stunden nicht abgeklun­gen oder ist der Sauerstoffgehalt im Blut niedrig, ist eine Krankenhauseinweisung unumgänglich.

Behandlung
Prognose

Ob jemand ein Beinaheertrinken ohne dauer­hafte Schädigung von Gehirn, Herz und Lunge überlebt, entscheiden die Zeit unter Wasser, die Wassertemperatur (Unfälle in kaltem Wasser ha­ben meist eine bessere Prognose), das Alter des Opfers (Kinder sind im Vorteil) und die Ge­schwindigkeit, mit der Wiederbelebungsmaß­nahmen eingeleitet werden. Personen, die Alko­hol getrunken haben, sind besonders gefährdet, den Unfall nicht zu überleben oder eine Gehirn- und Lungenschädigung zu erleiden. Ein Über­leben ist noch nach 40 Minuten unter Wasser möglich.

Sie können auch bei Tunnel- oder Caissonar­beitern (bei Unterwasserarbeiten eingesetzte Senkkästen) auftreten, die mit Druckluft arbei­ten. Durch Einblasen von Druckluft wird im In­neren des Tunnels bzw. Kastens ein Überdruck erzeugt, der das Wasser verdrängt.

An Land lastet das Gewicht des Luftdrucks auf dem Körper, im Wasser ist es der Druck der auf dem Körper lastenden Wassermassen. Beim Tauchen wird der Druck oft in Metern Wasser-

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