Ziel der ersten Hilfe ist es, Leben zu retten, die Verschlimmerung von Verletzungen und das Fortschreiten von Erkrankungen zu verhindern und die Wiederherstellung der betroffenen Per­son zu beschleunigen. In dem vorliegenden Ka­pitel lesen Sie, welche Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Herzstillstand, Verschlucken, Blutungen, kleineren Wunden und großen Weichteilverlet­zungen zu ergreifen sind.

Grundregel Nr. 1 der ersten Hilfe folgt dem so genannten ABC der Lebensrettung: Atemwege, Beatmung und Kreislauf. Die Atemwege (A), durch die die Luft zur Lunge gelangt, können verlegt sein: Sie müssen frei gemacht werden. Erkrankungen und Verletzungen können einen Atemstillstand verursachen: Dann muss beat­met (B) werden. Beim Herzstillstand pumpt das Herz kein Blut mehr durch den Kreislauf (C, von engl. circulation): Dann ist eine Herzmas­sage nötig.

Erste Maßnahme ist, den Rettungsdienst über den Notruf 112 zu benachrichtigen – es sei denn, es handelt sich um Ertrinken, Verletzung, einen Drogenunfall oder um ein Kind unter acht Jahren. In diesen Fällen muss die kardio­pulmonale Reanimation vor dem Notruf er­folgen, sonst beginnt sie danach. Der Nothelfer sollte genaue Angaben machen zum Zustand des Opfers und zu den Begleitumständen der Verletzung bzw. Erkrankung. Das Gespräch wird immer von der angerufenen Stelle beendet und erst dann, wenn keine Rückfragen mehr nötig sind. Bei mehreren Ersthelfern sollte einer den Notruf tätigen, während ein anderer sich um den Verletzten kümmert.

Sind mehrere Personen betroffen, wird der Schwerstverletzte zuerst behandelt. Dabei gilt es, zu beurteilen, ob die Situation lebensbedroh­lich, dringlich, aber nicht lebensbedrohlich, oder weniger dringlich ist. Ein Herzstillstand und massive Blutungen sind lebensbedrohlich. Die Versorgung eines gebrochenes Beines hin­gegen kann warten – trotz starker Schmerzen.

Wenn der Verletzte keine Angaben zu seinem Zustand machen kann, muss man sich die Informationen auf anderem Weg zu verschaffen

Reihenfolge des Handelns

KAPITEL 297

Erste Hilfe

suchen. Wurde beispielsweise jemand bewusst­los in der Nähe einer leeren Medikamenten­packung aufgefunden, sollte diese Packung dem Rettungspersonal übergeben werden. Eine Be­schreibung der näheren Verletzungsumstände und sonstige Informationen durch Umstehen­de, Verwandte und Ersthelfer können für die Be­handlung des Opfers entscheidend sein. An­sonsten sollte der Betroffene seelisch betreut und in warme Decken gehüllt werden. Er sollte niemals allein gelassen werden.

Hepatitis-B- und HI-Viren können durch Blut übertragen werden. Deshalb sollten Ersthelfer direkten Kontakt mit offenen Wunden meiden. Einmalhandschuhe, die in jedem Verbandkasten enthalten sind, bieten den notwendigen Schutz. Sind keine verfügbar, kann als Ersatz eine Plas­tiktüte über die Hand gezogen werden. Sind die Hände mit Fremdblut in Kontakt gekommen, sollten sie, vor allem unter den Fingernägeln, sofort gründlich mit Wasser und Seife oder einem Desinfektionsmittel gereinigt werden. Der Kontakt mit Speichel und Urin birgt eine weitaus geringere Übertragungsgefahr als der mit Blut.

Herzstillstand

Bei einem Herzstillstand hört das Herz auf zu schlagen, die Atmung setzt aus, der Körper wird nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Manchmal gelingt es dem Rettungspersonal, einen Men­schen in den ersten Minuten nach dem Herz­stillstand wieder zu beleben.

Eine Person mit Herzstillstand liegt reglos da, ohne zu atmen. Sie reagiert weder auf Fragen noch auf vorsichtiges Rütteln an den Schultern. Ein Ersthelfer muss zunächst feststellen, ob die Person bei Bewusstsein ist, indem er z. B. laut fragt: »Ist mit Ihnen alles in Ordnung?« Rea­giert die Person nicht, dreht er sie auf den Rü­cken und prüft, ob sie noch atmet: Hebt sich der Brustkorb sichtbar? Sind Atemgeräusche hör­bar? Ist Atemluft fühlbar? Atmet die Person nicht, untersucht der Ersthelfer die Mundhöhle und den Rachen auf Fremdkörper.

siehe Seite 1672